Galerie AUF in Essen zeigt den Toast als Kunstobjekt

Lara Peter, Vanessa Schoß und Tim Schäfer posieren und lassen es sich schmecken. Das Riesensandwich baute Vanessa in 85 Arbeitsstunden.
Lara Peter, Vanessa Schoß und Tim Schäfer posieren und lassen es sich schmecken. Das Riesensandwich baute Vanessa in 85 Arbeitsstunden.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
In der Galerie AUF an der Steeler Straße beweisen Bühnenmaler und -plastiker, dass ein Sandwich mehr sein kann als nur ein schnöder Pausensnack.

Essen.. Kunst für den „großen Hunger“ gibt es im Atelier von Uje Fenger: „Auf Toast“ heißt die Ausstellung, die ab Freitag exklusive Arbeiten Auszubildender für Bühnenmalerei und Bühnenplastik zeigt. Dabei erreichen üppig belegte Sandwiches auch schon mal die Größe eines Esstisches – wohl bekomm’s.

Kunstinteressierte mit schwacher Verdauung dürfen jedoch beruhigt sein: Trotz der zum Teil monumentalen Größe der Weißbrotstullen offenbart sich die bunte „Toast-Schau“ als durchaus bekömmlich, rückt sie doch ein eher alltägliches Nahrungsmittel in den Mittelpunkt – den Toast. Die Idee stammt vom Gastgeber Uje Fenger, der mit Leidenschaft alte Toaster sammelt: „Da ich selbst den Ausbildungsberuf des Bühnenmalers bzw. -plastikers am Berufskolleg Ost in Essen etabliert habe, fragte ich Lehrer Norbert Pielsticker, ob sich seine Schützlinge mal ein paar kreative Gedanken machen könnten.“

Große Liebe zum Detail

Gesagt, getan: Mit Feuereifer gingen vier der insgesamt zehn Essener Auszubildenden aus dem dritten Lehrjahr ans Werk. Um sich dem Thema möglicht unbelastet nähern zu können, gab es nur zwei Kriterien: Die Bilder und Plastiken sollten einen direkten Bezug zum Frühstücksklassiker haben und nicht größer als 80x80 Zentimeter sein.

Mehr als 80 historische Toaster gesammelt Eine Vorgabe, die Vanessa Schoß elegant aushebelte. Sie belegte ihr „Monster-Sandwich“ so üppig mit Mortadella, Tomaten und Gurken, dass es ihr „Imbiss“ locker auf einen laufenden Meter bringt. Dabei bewies die Bühnenplastikerin große Liebe zum Detail. Obwohl die 24-Jährige, die derzeit beim WDR in Köln arbeitet, ausschließlich Styropor, Farben und Lacke für den Brotbelag verwendete, sieht das Gemüse so knackig frisch aus, als sei es gerade erst geerntet worden – Wassertropfen inklusive. Insgesamt 85 Stunden hat sie am Toast gewerkelt.

In der Freizeit gewerkelt

So wie alle ihre Mitstreiter neben der Schule, „denn in unserem Lehrplan war dafür einfach kein Platz“, wie Norbert Pielsticker sagt. „Ich habe eben immer dann weitergemacht, wenn es die Zeit neben Job und Lehre zuließ“, sagt Vanessa.

Besitzt ihr Toast schon rekordverdächtige Ausmaße, setzt Tim Schäfer, Bühnenmaler aus Essen, auf handlichere Formate. „Bei meinen Bildern habe ich echte Weißbrotscheiben verwendet, die ich vorher getoastet und durch Lacke konserviert habe.“ Dabei ließ sich der 31-Jährige, derzeit in Diensten der Saalbau und Philharmonie GmbH an der Hafenstraße, von Künstlern wie Jackson Pollock oder dem Dresdner Gerhard Richter inspirieren. Dies spiegelt sich auch in der Namensfindung, beispielsweise „Gerhard auf Toast“, wider.

Mit der Kettensäge geschnitten

Das kreative Quartett komplettieren Lara Peters (20) und Mona Selje (24). Während Lara die Rinde ihres überdimensionierten Toastes mit der Kettensäge aus einem Fichtenstamm schnitt und diesen mit Sisal und Kokosfasern ausstaffierte, nutzt Mona das selbst gemalte Bild des Toastes nur als Hintergrund. „Mein Ansatz war, mich eher inhaltlich mit dem Thema zu beschäftigen.“ Deshalb griff sie die Hilfsaktion „Brot für die Welt“ auf und nannte das Ganze „Toastlos ist trostlos“. Aktuell malt sie am Stadttheater Bielefeld, doch wenn es die Zeit zulässt, gestaltet sie die Kulissen für ihre Mutter, eine Puppenspielerin.