Für manche Narren in Essen ist das Nichtraucherschutzgesetz "eine Katastrophe"

Jecke Qualmer müssen künftig draußen rauchen.
Jecke Qualmer müssen künftig draußen rauchen.
Foto: Frank Vinken
Was wir bereits wissen
Als „große Katastrophe“ bezeichnet Ingrid Thiedemann, Vorsitzende der Großen Karnevalsgesellschaft (GKG) Fidelitas Essen-Kray. das neue Gesetz zum Nichtraucherschutz, und befürchtet „schlimme Einschnitte“ für viele Vereine. Andere Karnevalisten sehen die neue Regelung gelassener.

Essen-Kray/Kupferdreh.. Nicht nur die Kneipen sind betroffen vom totalen Rauchverbot, dass die Landesregierung beschlossen hat. Auch Karnevalsveranstaltungen werden spätestens vom 1. Mai an qualmfrei über die Bühne gehen müssen. Doch darüber, ob dieses Verbot eine bedrohliche Spaßbremse ist, sind die Jecken in den Stadtteilen geteilter Meinung.

Als „eine große Katastrophe“ bezeichnet Ingrid Thiedemann das neue Gesetz. „Viele Vereine werden es mit schlimmen Einschnitten zu tun bekommen“, prophezeit die Vorsitzende der Großen Karnevalsgesellschaft (GKG) Fidelitas Essen-Kray. Denn nicht nur Mitglieder gingen auf diese Weise verloren, sondern auch Gäste könnten den Veranstaltungen vermehrt fern bleiben, fürchtet sie. Dass umgekehrt neue, nichtrauchende Narren angezogen werden, glaubt Thiedemann indes nicht: „Die Nichtraucher, die ich kenne, haben kein Problem damit, dass in ihrer Umgebung geraucht wird.“

Nichtraucherschutzgesetz Im Gegenzug sieht sie durch die Regelung ganz andere Probleme auf die Veranstalter zukommen: „Wenn sich die Raucher künftig alle draußen versammeln, ist es eine Frage der Zeit, dass sich die Anwohner wegen Lärmbelästigung beschweren.“

„Generell gegen Verbote und Bevormundungen dieser Art“

Gelassener sieht Norbert Tüffers der neuen Regelung entgegen. Zwar ist der Vorsitzende des Festausschusses Kupferdreher Karneval „generell gegen Verbote und Bevormundungen dieser Art.“ Doch glaubt er, dass das Gesetz einem generellen Trend vorgreife: „Die Menschen leben immer gesundheitsbewusster“, ist er überzeugt. Bei der Prinzenproklamation in der Weststadthalle in der vergangenen Woche etwa hätten zwar Aschenbecher auf den Tischen gestanden, „aber die haben sich kaum gefüllt.“ Auch wenn er in der Zeit, als er selbst noch „passionierter Pfeifenraucher“ war, es immer leugnete, weiß er heute als Nichtraucher: „Man riecht das schon extrem, wenn ein Raum verqualmt ist.“

Das viel zitierte Kneipensterben habe andere Gründe als das Nichtraucherschutzgesetz, so Tüffers: „Wenn ein Bier 3 Euro kostet, kann sich das niemand mehr leisten. Auch sei die Eckkneipe schlicht nicht mehr zeitgemäß. „Und auch wir Karnevalisten müssen mit der Zeit gehen“, mahnt er. Das Bild vom qualmenden Karnevalisten findet er ohnehin wenig ansprechend: „Ich verstehe nicht, dass viele sich in diese Schublade stecken lassen“, schüttelt Küppers den Kopf. „Zum Jecksein braucht man die Kippe genau so wenig wie die rote Nase vom Saufen.“