Freisenbruch hat sein Gänsereiten wieder

Über die Bochumer Landstraße zogen die Karnevalisten am gestrigen Sonntag, nachdem sie beim Gänsereiten ihren neuen Kaiser ermittelt hatten.
Über die Bochumer Landstraße zogen die Karnevalisten am gestrigen Sonntag, nachdem sie beim Gänsereiten ihren neuen Kaiser ermittelt hatten.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Nach vierjähriger Pause ließen Freisenbrucher wieder ihren Jahrhunderte alten Brauch aufleben.

Freisenbruch.. Gerd Zils steht in der Sonne auf dem zertretenen Acker, das Gänsereiter-Emblem um den Hals und ein Grinsen im Gesicht. „Heute ging es etwas schnell“, sagt er und blickt zu den Pferden hinterm Gatter. Die Zuschauer strömen wieder in Richtung Karnevalszug. „Jetzt haben wir einen neuen Kaiser.“

Zils ist Vorsitzender des Gänsereiter-Clubs, Mitglied ist er schon seit 33 Jahren. „Schon als Kind hab ich zugesehen und hatte Spaß daran“, erzählt der 64-Jährige.

Altes Brauchtum pflegen

Mit dem Gänsereiten lässt der Verein einen 400 Jahre alten Brauch wieder aufleben – der wurde angeblich von spanischen Kriegsleuten übernommen. Die Regeln sind einfach: Reiter müssen einer am Galgen hängenden Gans den Kopf abreißen. „Natürlich sind die Tiere nicht echt“, sagt Zils lachend. „Seit 15 Jahren kommen nur noch künstliche Gänse an den Haken.“

Weiter oben auf der Bochumer Landstraße wird der neue Kaiser beim Karnevalsumzug gefeiert. „Wir sind zwar kein Karnevalsverein“, erklärt Zils. „Aber das Gänsereiten passt in die fünfte Jahreszeit und so hat es sich eingebürgert.“

2500 Zuschauer hatte das Spektakel in diesem Jahr, schätzt Zies. „Zusammen mit dem Umzug sind es bestimmt 10 000 Leute.“

Endlich wieder Karneval

Vier Jahre lang gab es keinen Karneval für die Freisenbrucher – erst wegen der Tragödie bei der Love Parade, dann wegen der hohen Kosten.

„Die letzten Jahre wussten wir gar nicht, was wir am Sonntag machen sollen“, sagt Anne Sander lachend. Sie wartet mit Freundinnen und Kindern am Straßenrand auf die Wagen.

„Wir kommen aus diesem Nest und sind damit aufgewachsen“, erzählt sie. Deshalb werde Karneval auch immer schnell zum Klassentreffen: „Hier treffe ich all die Leute wieder, die ich schon Jahre lang nicht gesehen habe.“

Auch der kleine Pascal steht dabei und trägt seine Gänsereiter-Uniform. „Mir gefällt, dass es jedes Jahr einen neuen König gibt“, sagt er. Ob er selbst einmal Gänsereiter werden möchte? Pascal schüttelt den Kopf. Zusehen reicht ihm.

Die Freibierfreunde hingegen wollen mitmachen: Der Stammtisch ist mit Musik- und Zapfanlage unterwegs, verteilt kühles Blondes an die großen und Süßes an die kleinen Jecken. „Wir sind richtige Karnevalfans“, erzählt Jannis Pasoldt, „...und Traditionalisten.“ Die 18 Mann starke Truppe wird gleich beim Umzug mitlaufen .

Und das hoffentlich auch in den kommenden Jahren.