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Einzelhändler in Essen-Freisenbruch stecken in der Krise

17.10.2012 | 06:00 Uhr
Einzelhändler in Essen-Freisenbruch stecken in der Krise
An der Bochumer Landstraße in Essen Freisenbruch stehen viele Läden leer.Foto: Mona Contzen

Essen-Freisenbruch.   Der Verlust des letzten Discounters „Netto“ schlägt nun auch auf Fachgeschäfte und Gastronomie in Freisenbruch durch. Sieben Schließungen sind bereits zu beklagen, zwei folgen bis Ende des Jahres. Nun ist eine Werbegemeinschaft angedacht, um Wege aus der Krise zu finden.

Als im Januar der „Netto-Markt“ die Segel strich, da warnte Michael Heep, Vorsitzender des CDU-Ortsverbandes Freisenbruch: „Die Nahversorgung ist in Gefahr“ und lud umgehend zur Versammlung, um mit Stadtplanern und Bürgern über die Zukunft des Quartiers zu diskutieren. „Doch seitdem ist alles nur noch schlimmer geworden“, klagt Claudia Höing. Ende November wird sie ihr Fleischerfachgeschäft aufgeben – nach 32 langen Jahren hinter der Verkaufstheke.

Mit Höing schließt auch die letzte von vier Fleischereien im Quartier. Mehr als 20 Prozent Umsatzeinbuße allein in diesem Jahr haben Georg Höing und seiner Frau schwer zugesetzt: „Zwei, drei Jahre hätten wir schon noch machen wollen“, sagt der 58-Jährige, „aber es rechnet sich einfach nicht mehr.“

Netto war nur der Anfang, dann machte „Schlecker“ dicht. Eine Heißmangel – nur noch warme Luft. Ein Getränkemarkt gab auf, die Bäckerei Zobel ebenso. Und auch der Blumenladen, den Jürgen Tries Jahrzehnte lang führte, wird das neue Jahr nicht mehr erleben. Mittel - bzw. unmittelbare Folge des „Netto“-Scheiterns, denn mit dem Wegfall des letzten „Ankerbetriebs“ verloren die Einzelhändler einen Großteil ihrer Laufkundschaft. Dies gilt auch für Optiker Christoph Hahne, „obwohl man eine Brille ja zumeist nicht ad hoc kauft.“

Auch „Haus Springob“ hat zu kämpfen. „Wenn uns der Pächter nicht entgegen gekommen wäre, dann hätten wir aufgegeben“, sagt Horst Rzimski. „Doch jetzt investieren wir noch einmal und wollen Jung und Alt etwas bieten.“ Besonders letztere sind auf die Grundversorgung in nächster Nähe angewiesen. „Doch wenn die fehlt, weichen die Kunden eben – notgedrungen – auf andere Standorte aus“, sagt er.

Beate Maßbaum hat aus der Not eine Tugend gemacht und das Sortiment ihres Schreibwarengeschäfts branchenuntypisch erweitert. „Kein Witz. Ich verkaufe schon mehr Toilettenpapier und Zahnpasta als Schreibblöcke. Man ist ja flexibel.“

Flexibilität wird von allen erwartet, um der Krise Herr zu werden. Auch von den Eigentümern, die mittlerweile ihre Pacht senken, wie Immobilienmakler Klaus Weichert beobachtet hat. Allerdings lässt das Engagement vieler privater Eigentümer bezüglich des Erhaltes ihrer Immobilien zu Wünschen übrig. „Hier steht ein Neubau neben einer Ruine“, klagt Claudia Höing.

Dies alles trägt natürlich nicht zur Attraktivitätssteigerung des Stadtteils bei. Und so ist es schwer, neue Investoren zu gewinnen. Aufgeben will man – noch – nicht. Bislang gab es nicht einmal eine Werbegemeinschaft. Am 12. November wollen Heep und die Händler diese auf den Weg bringen – weil sie es müssen.

Von Michael Heiße

Kommentare
12.12.2012
01:27
Einzelhändler in Essen-Freisenbruch stecken in der Krise
von Marxururenkel | #2

Zum einen sind die dargestellten "Gestalten" nicht repräsentativ für den Stadtteil und zum anderen ist die Flaute im Einzelhandel nicht die Folge unschöner Immobilien, sondern das Ergebnis mangelnder Kaufkraft. Oft gehen auch "potente" Freisenbrucher nach Steele oder nach Essen einkaufen. Der Einzelhandel stirbt schon seit Jahrzehnten. Der großflächige Einzelhandel der Albrechts und Lidls wird eben solange durch die Politik begünstigt. Fast zwangsläufig musste das auch in Freisenbruch einmal durchschlagen. Traurig für den Teil der Bevölkerung, der nicht mehr mobil und dynamisch ist, für Alte und Behinderte..

18.10.2012
12:41
Einzelhändler in Essen-Freisenbruch stecken in der Krise
von dschidschi5 | #1

Nun ja - wenn die beiden Gestalten auf dem begleitendenFoto repräsentativ sind, muss man sich über manche Entwicklungen nicht wundern. Denn für diese "Klientel" wird kein Hausbesitzer sich die Mühe machen, seine Immobilie zu zu verschönern - das wäre ja rausgeschmissenes Geld.

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