Einbußen: Baustelle macht Geschäftsfrau zu schaffen

Seit 25 Jahren hat Stefanie Brecklinghaus ihr Geschäft an der Steeler Straße, aktuell jedoch machen ihr die Baustellen echte Bauchschmerzen.Fotos:Alexandra
Seit 25 Jahren hat Stefanie Brecklinghaus ihr Geschäft an der Steeler Straße, aktuell jedoch machen ihr die Baustellen echte Bauchschmerzen.Fotos:Alexandra
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Stefanie Brecklinghaus lebt seit 25 Jahren von ihrem Geschäft, aktuell jedoch wollen sich immer weniger Kunden durchs Baustellen-Nadelöhr kämpfen.

Essen-Steele..  Irgendwie ein Teufelskreis, diese Steeler Straße. Viel zu lang, als dass sie jemals von oben bis unten fertig ist. Und da halb Essen diese so wichtige Verkehrsverbindung Tag für Tag kreuzt und auch quert, können die Straßenbauer links wieder auspacken, wenn sie rechts gerade eingepackt haben. Kein Zustand, dieser Zustand – und für nicht wenige Geschäftsleute mittlerweile auch bedrohlich. Geschäftsleute wie Stefanie Brecklinghaus etwa, Inhaberin von „Breckis Second Hand-Laden“.

Spürbare Umsatzeinbußen

Seit 25 Jahren betreibt die 54-Jährige dieses durchaus ungewöhnliche Geschäft. „Erste Wahl aus zweiter Hand“. Das ist der Slogan, mit dem sie wirbt, und auch der Grund, warum Frauen und auch Damen bei ihr vorbeischauen. Um gute bis sehr gute Ware in Kommission zu geben und gleichzeitig, welcher Mann könnte das nicht bestätigen, noch eben drei Teile mitzunehmen, weil man ja zwei abgegeben hat . . .

Die Zeiten der Laufkundschaft sind lange vorbei, mehr denn je ist Stefanie Brecklinghaus auf diejenigen angewiesen, die den Weg zu ihr ganz bewusst gewählt haben. Und genau da aber beißt sich die Katze derzeit in den Schwanz. Schlechte bis gar keine Parkmöglichkeiten, stadtauswärts ist die Steeler Straße seit längerem schon und wieder mal gesperrt. „Und wer sich nicht wirklich auskennt hier, der verzichtet dann auch schon mal drauf.“

Umsatzeinbußen von aktuell rund 20 Prozent rauben dem Mädchen einer Kaufmannsfamilie zwar noch nicht den Schlaf, die Augen indes will und kann Brecklinghaus auch nicht verschließen. „Und nachmittags, wenn eine Blechlawine nach der anderen hier vorbeirollt, dann fehlt mir mittlerweile sogar die Hälfte meiner Kunden.“

Auch Stammkundinnen wie etwa Petra Waldraff überlegen es sich mittlerweile zwei- bis dreimal, bevor sie den alles andere als entspannten Weg zur Steeler Straße 165 antreten. Und dass die Tramlinie 109 direkt vor der Tür hält, macht den Kohl irgendwie auch nicht wirklich fetter.

„Der Stadtteil wird ja auch nicht attraktiver“, sagt Brecklinghaus, „viele meiner einstigen Stammkunden sind längst aus Steele weggezogen und kommen nun nur noch selten bis gar nicht mehr“.

Früher, als es noch die Ruhrgas-Mitarbeiter gab und die Bankangestellten, da lief das Geschäft besser. „Heute indes verfranst man sich doch schon auf dem Hinweg, wenn man sich hier nicht auskennt.“ Außerdem hätten viele Second Hand nicht mehr nötig, wo schon Neuware in den vielen Schrömmelläden deutlich billiger sei.

Jammern aber will Stefanie Brecklinghaus nicht, obschon sie die Einsätze ihrer sechs Teilzeit-Mitarbeiterinnen bereits etwas runterfahren musste. „Ich schaff das.“ Gute Mode kommt wohl nie aus der Mode. Straßen schon eher.

Die Baustelle auf der Steeler Straße innenstadtauswärts soll Freitag oder Samstag aufgelöst werden, die Fahrbahn wurde saniert und asphaltiert. Für die Kaufleute indes wohl kein wirklicher Trost, denn wenn ab Samstag die A 40 Richtung Duisburg gesperrt wird, wird es dadurch auf der Steeler Straße nicht wirklich entspannter.