Der Dorfsheriff von Burgaltendorf

Ein Mann der Straße: Seit Januar ist Richard Beisken wieder in Burgaltendorf, diesmal aber auch dienstlich.Foto:Alexandra
Ein Mann der Straße: Seit Januar ist Richard Beisken wieder in Burgaltendorf, diesmal aber auch dienstlich.Foto:Alexandra
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Was wir bereits wissen
Richard Beisken ist Ur-Burgaltendorfer und seit einer Zeit nun auch als offiziell für die Menschen vor Ort da.

Essen-Burgaltendorf..  „Alles im Lack?“, begrüßt ein Burgaltendorfer, der aus einer Bank herausspaziert, Richard Beisken. Der Polizeibeamte (55) läuft in Uniform die Alte Hauptstraße entlang. Seit Januar ist er vor Ort der neue Bezirksdienstbeamte.

Einleben musste er sich nicht. Denn Beisken kennt den Stadtteil und die Menschen gut, ist einer von ihnen: Mit kurzen Unterbrechungen ist er seit 1960 Burgaltendorfer und gut vernetzt. „Ich bin hier auch in Vereinen aktiv, im Quartettverein Frohsinn, beim TV Einigkeit. Ich war selbst früher in Jugendgruppen, habe sie geleitet, war Messdiener.“

Polizist zu werden, war für ihn und seinen Bruder schon früh der Berufswunsch. In Burgaltendorf arbeiten zu können, auch das lag Beisken am Herzen, der zuletzt in Rellinghausen eingesetzt war. „Es war schon länger klar, dass der Kollege hier in den Ruhestand gehen würde.“ Und so arbeitete Beisken zielstrebig daran, in die Bezirksdiensträume an der Burgstraße 55 einzuziehen. Dass das klappte, freut nicht nur ihn. Mit der Bevölkerung zusammenzuarbeiten, ist ihm wichtig. „Ich bin ja auf die Menschen angewiesen, je besser mein Verhältnis zu ihnen ist, umso besser für mich.“

Seine Arbeitsstunden – 40 pro Woche – teilt sich Beisken nach Bedarf ein. „Es kann sein, dass ein Opfer zur Nachbetreuung nur abends Zeit hat, das richte ich dann ein.“ In Kindergärten und an den Standorten der Grundschule ist er aktiv, vollstreckt Haftbefehle, wird aber auch beispielsweise bei Fußballsondereinsätzen eingesetzt. Manchmal teilt er auch seinen Dienst, ist morgens zur Fahrradprüfung an der Grundschule im Einsatz, nachmittags dann auf einer Sitzung einer Bezirksvertretung.

„Burgaltendorf“, sagt Beisken, „ist ein kommunikatives Dorf“. Und es stört ihn nicht, wenn er auch außerhalb der Dienstzeit dienstlich angesprochen wird. „Das lässt sich ja nicht vermeiden, etwa samstags im Supermarkt oder wenn ich nach dem Spätdienst zu Fuß nach Hause gehe.“ Hinweise gibt es viele. An ungewöhnlichen Orten abgestellte Autos, das defekte Geländer am Gehweg vom Worringpark hoch zum Vattersberg und, und, und.

Der Informationsfluss ist rege.

Feste Bürozeiten gibt es nicht, „denn kommen Termine dazwischen, stehen die Leute vor der Tür. Ich vereinbare Termine nach Bedarf.“ Regelmäßig ist Beisken im Ort unterwegs, hat sich bei den Geschäftsleuten vorgestellt. Am Schulstandort Holteyer Straße war er kürzlich. Neugierig beäugt von den Kindern. „Hallo, Polizei!“

Das schallt ihm auch oft entgegen, wenn er an der Unterkunft der Asylbewerber vorbei joggt: „Dort bin ich oft, spreche mit den Betreuern, stelle mich vor.“ Und wird darum inzwischen auch in Sportkleidung erkannt.

Im Ort bekannt zu sein, baue Hemmschwellen ab, bei verdächtigen Beobachtungen die Polizei zu rufen. „Viele greifen nicht zum Telefon, aber wenn sie mich treffen, erzählen sie dies oder das.“ Sogar beim Sport hat er schon mal eine Anzeige aufgenommen. „Da hatte jemand von Schmierereien berichtet. Aber was heißt schon im Dienst, nicht im Dienst?“

Präsenz zeigt Richard Beisken auch auf Stadtteilfesten. Und geht bald zur Versammlung des Heimat- und Burgvereins, als Mitglied. „Dann aber eher, um auch mit anderen Vereinen in Kontakt zu treten.“

Er beanstandet, dass viele Erwachsene Kindern kein gutes Vorbild sind und etwa gegenüber der Schule auf dem Marktplatz parken und auch dort über die Straße gehen – anstatt die Ampel zu nutzen.

In die rustikalen Bezirksdiensträume hat Beisken seine Kaffeemaschine mitgebracht. Und Bilder. „Das sah vorher so trist aus.“

Seit 25 Jahren ist die Dienststelle an diesem Ort. Beisken erinnert sich noch an die Kohlenstraße und „gegenüber von Möbel Neuhaus“. Sogar die Namen seiner Vorgänger hat er parat. Viele Burgaltendorfer sprechen vom Dorfsheriff. Für ihn in Ordnung. Kollegen wie in Rellinghausen hat er zwar nicht, „aber in diesem Ort ist man nie allein“.

Bezirksdienstbeamte sind sehr wichtig für die Polizeiarbeit, so Sprecher Marco Ueberbach. Sie hätten den direkten Draht zu der Bevölkerung, „wir können nicht in jeden Hinterhof sehen“. Richard Beisken ist erreichbar unter 0201 57 21 66. Wenn verdächtige Beobachtungen gemacht werden, empfiehlt Ueberbach dringend die Leitstelle (110). „Richard Beisken wird automatisch in Kenntnis gesetzt. Die Leitstelle koordiniert Einsätze, schickt gegebenenfalls noch andere Beamte los.“ Er empfiehlt Bürgern, sich auf ihr Bauchgefühl zu verlassen: Niemand müsse befürchten, bei einem möglichen falschen Alarm Ärger zu ernten.