Der Besuch der Vogelspinne

Keine Angst vor kleinen Drachen: Olivia (6) hält die Bartagamemit Unterstützung von Ingrid Venen. Foto: Maximilian Lazar/FUNKE Foto Services
Keine Angst vor kleinen Drachen: Olivia (6) hält die Bartagamemit Unterstützung von Ingrid Venen. Foto: Maximilian Lazar/FUNKE Foto Services
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Essener Naturschutzverein Volksgarten bringt eine Tarantula undzwei Bartagamen in die Joachimschule. Das Projekt will über Wildtiere aufklären

Essen-Kray..  Meyren ist völlig fasziniert: Vor ihren Augen krabbelt eine behaarte Vogelspinne über die Hände von Tierpflegerin Ingrid Venen. „Darf ich sie mal anfassen?“, fragt die forsche Erstklässlerin und streicht ganz vorsichtig mit dem Finger über den schwarz-gelben Spinnenkörper. „Oh, die fühlt sich ja richtig gut an“, lautet ihr Kommentar.

Immer mehr Kinder der Grundschule an der Joachimstraße umringen die Spinne - manche bewahren ehrfurchtsvoll Abstand, andere nähern sich neugierig und stellen viele Fragen, die Ingrid Venen geduldig beantwortet. Der Besuch der Tarantula, die normalerweise im Terrazoo Rheinberg beheimatet ist, gehört zu einem neuen Projekt, das der Naturschutzverein Volksgarten ins Leben gerufen hat.

„Wir wollen Kindern Wildtiere vorstellen, die man im Alltag sonst nicht zu sehen bekommt“, erklärt Andreas Dickmann von den Krayer Naturschützern die Intention seines Vereins, der bereits mit Igeln die Kitas und Grundschulen des Stadtteils besucht hat.

Die Naturfreunde arbeiten schon länger mit dem zoologischen Institut und dem Reptilienhaus in Rheinberg zusammen. Von dort stammen auch die beiden Bartagamen, die es sich in ihrem Terrarium unter der Wärmelampe gemütlich gemacht haben. Auch sie dürfen von den Grundschulkindern angefasst und getragen werden. „Erst dachte ich, die ist gar nicht echt“, sagt Celina und Charles ergänzt: „Die sieht ja aus wie ein kleiner Drache.“ Die gelbgrüne Echse wandert von Hand zu Hand und lässt alles erstaunlich gelassen über sich ergehen. Bis sie plötzlich ihr Maul öffnet und ein wenig zischt. „Jetzt ist sie gestresst“, weiß Ingrid Venen und bringt sie wieder zurück ins warme Terrarium. „Diese Erlebnisse werden die Kinder nicht so schnell vergessen“, ist Dickmann überzeugt. Zum Besuch gehört aber nicht nur das Vergnügen, echte Tiere einmal von ganz Nahem zu sehen und anzufassen.

Schon vor den ersten Berührungen erzählt Ingrid Venen kleine informative Geschichten über das Leben der Spinnen und der Reptilien. „Ich bin wirklich erstaunt, wie ruhig und geduldig meine Schüler zuhören“, sagt Elke Börner von der Ganztagbetreuung.

Über eine Stunde dauert der ungewöhnliche Besuch, „das ist wie ein Gegenprogramm zu Nintendo und Co“, ist Dickmann überzeugt. Schon werden im Naturschutzverein die nächsten tierischen Begegnungen geplant. „Kröten“ verspricht Andreas Dickmann, und verrät, dass er auch davon träumt, die Krayer Kinder mit Greifvögeln zu überraschen.