Das „Nikolaushaus“ von Kemondo

Eine verschworene Gemeinschaft: Stefanie Köster mit einigen Mitarbeitern und den Kindern im „Nikolaushaus“ in Kemondo/Tansania.Repro
Eine verschworene Gemeinschaft: Stefanie Köster mit einigen Mitarbeitern und den Kindern im „Nikolaushaus“ in Kemondo/Tansania.Repro
Foto: WAZ
Was wir bereits wissen
Stefanie Köster ist mal wieder in Burgaltendorf, um für ihr beeindruckendes Projekt zu werben.Das Haus in Tansania gibt Kindern die Hoffnung, die sie nie hatten.

Essen-Burgaltendorf..  Das ist das Haus vom Ni-ko-laus. Wer kennt es nicht, dieses so uralte wie beliebte Malspiel für Kinder und andere fröhliche Geister. Acht Striche auf ‘nem Blatt Papier nur, die jedoch meist jede Menge Spaß bringen.

Apropos „Nikolaushaus“: Spaß haben auch die 25 Kinder, die aus bitterarmen und zerrütteten Verhältnissen kommen, aktuell aber im St. Nicholaus Children’s Centre in Kemondo leben können, einem 3000-Seelen-Städtchen in Tansania/Ostafrika. Im Schatten der Stadt Bukoba an den Westufern des Victoriasees. Und mittendrin: Stefanie Köster, Sozialarbeiterin und Mädchen aus Burgaltendorf. Die Frau also, die das alles überhaupt erst möglich gemacht hat. Mit Geduld und Spucke, beharrlichem Engagement und einem Herzen, so groß wie der Victoriasee – mindestens.

Kosten: 50 000 Euro pro Jahr

Wie das so ist: Auch bei der heute 41-Jährigen war es diese oft so unwiderstehliche Portion Fernweh, die sie in eine andere und für sie goldrichtige Richtung schubste. „Schon mit 14 hatte ich vor, irgendwann mal nach Afrika zu gehen.“ Grundschule Burgaltendorf, Abi in Überruhr, Studium. Mit Mitte 20 dann jedoch nahm das Leben von Stefanie Köster eine ganz andere Fahrt auf. Aus einem auf zwölf Monate angelegten sozialen Abstecher zu einigen Ordensschwestern nach Kemondo sind mittlerweile 16 Jahre geworden. Köster lernte das Land lieben, die Menschen.

Schnell war ihr klar, dass es auch und gerade in dieser Region eines der ärmsten Ländern der Erde Menschen und vor allem Kinder gibt, die Hilfe brauchen. Schnelle Hilfe, denn Aids, Malaria, Hunger bittere Armut und Gewalt kennen im täglichen Überlebenskampf kein Pardon. Über vier Millionen Kinder und Jugendliche unter Fünfzehn haben einen oder auch beide Elternteile verloren, wenn denn überhaupt zuzuordnen war, wer der Vater ist.

Vergewaltigungen, Zwangsprostitution, Mord. Meist sind auch die verbliebenen Verwandten gnadenlos überfordert – und so setzte Stefanie Köster alles daran, putzte Klinken und war sich für fast nichts zu schade, um das „Nikolaushaus“ zu gründen und damit zumindest einigen Waisen oder schwerst behinderten Kindern ein Zuhause und auch Hoffnung zu geben. „Gerade behinderte Kinder werden, sofern sie denn überhaupt noch eine Familie haben, von dieser oft versteckt oder sogar ausgesetzt.“

Für europäische Ohren geradezu gruselig, in Tansania indes oft an der Tagesordnung. Zustände, die Köster keine Ruhe ließen – und 2010 dann nahm das „Nikolaushaus“ mehr und mehr Formen an.

„Rund 50 000 Euro brauchen wir pro Jahr, und wir leben allein von Spendengeldern.“ Um ihr Projekt bekannt und bekannter zu machen, kehrt Stefanie Köster einmal im Jahr zurück nach Essen, nach Burgaltendorf. Neulich war sie mit ihren siebenjährigen Adoptivtöchtern Aisha und Anita auch im Marktcafé Herz Jesu und brachte Hanne Sögtrop, Renate Grobbel und die vielen guten Geister dort auf den neuesten Stand. Seit einer Zeit unterstützt „Füreinander – der Verein für solidarische Hilfe“ auch das „Nikolaushaus“.

Wenn Sie, liebe Leser, also auch mal lecker Kuchen essen und eine wahrlich gute Sache unterstützen möchten: Marktcafé. Denn hört man etwa die Geschichte der neunjährigen Annajoyce, die mit einem offenen Rücken (Spina bifida) zur Welt kam, die Mutter verlor, aber aufgrund guter Kontakte einer Praktikantin bald in Deutschland operiert werden kann, geht einem das Herz auf und man bestellt sofort noch ein Stück Kuchen. Und auf die Serviette könnte man was malen: Das ist das Haus . . .

Wer das „Nikolaushaus“, ein Projekt von „Lebenshilfe für Afrika“, unterstützen möchte:
Sparkasse Singen-Radolfzell
Konto-Nr.: 45 76 294
BLZ: 69 25 00 35
IBAN DE59 69 25 00 35 000 45 76 294 BIC: SOLADES1SNG

Der verantwortungsvolle Umgang mit den Spenden wurde auch durch das Siegel des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen (DZI) bestätigt. Die Unterstützung ist steuerlich absetzbar. Wer helfen, sich informieren oder vor Ort ein Praktikum
machen möchte: St. Nicholaus Children´s Center Kemondo
Bukoba Catholic Diocese
P.O. Box 1777 Bukoba
Tanzania, East Africa
www.nikolaushaus.com