Christtanne mutiert zum Maibaum

Arbeiten am Maibaum in Steele
Arbeiten am Maibaum in Steele
Foto: ICS
Was wir bereits wissen
Der Initiativkreis City Steele recycelt die mächtige Nordmanntanne vom Weihnachtsmarkt. Der Vorgänger wird scheibchenweise verkauft

Essen-Steele..  Weihnachtsbäume sind Saisonartikel. Kaum ist das Fest der Liebe vorbei, sind ihre Tage gezählt. Die Bäume werden abgeschmückt, verlieren ihre Nadeln, landen im Schredder oder enden im Kamin. Mit einer Ausnahme: Die Nordmann-Tanne vom Steeler Weihnachtsmarkt macht eine zweite Karriere – als Maibaum.

Einige Steelenser haben sich schon gewundert, warum der Christbaum, wenn auch abgespeckt, noch immer auf dem Kaiser-Otto-Platz steht. Léon Finger, Chef vom Initiativkreis City Steele, erklärt: „Wir haben den Baum bewusst nur von den Ästen befreit.“

Baumstamm sicher deponiert

Gestern, gegen 9 Uhr, rückte die Essener Firma Völker mit schwerem Gerät an, um den Riesenmikado aus einer Verankerung zu hieven. Nun wartet der rund 13 Meter lange Stamm, gut gesichert, vor Ort auf seinen Abtransport. Den übernimmt der Containerdienst Bähr, der den Baum auf seinem Bauhof komplett entrinden wird und so den Stamm auf seine neue Bestimmung vorbereiten wird.

Am Wochenende des 25. und 26. Aprils greifen Schüler des Gymnasiums an der Wolfskuhle auf dem Steeler Blumenmarkt zu Farbe und Pinsel und bemalen den Baumstamm mit den Steeler Farben Schwarz und Gelb. Am 1. Mai kehrt der geschmückte Baum wieder an seinem angestammten Platz am Steeler Biergarten zurück.

Die Aktion, ein Novum in der Geschichte des ICS, erinnert ein wenig daran, als habe man Schokoweihnachtsmänner eingeschmolzen, um Osterhasen daraus zu gießen. Der Initiativkreis will damit jedoch längst nicht nur Geld sparen: „Der alte Maibaum hat im Laufe der vergangenen vier Jahre ziemlich gelitten“, sagt Léon Finger. „So kamen wir auf die Idee, den Weihnachtsbaum umzufunktionieren. Das ist auch ein sinnvoller Beitrag zum Umwelt- und Naturschutz.“

Doch damit nicht genug: Auch der alte, ausgediente Maibaum kehrt Ende April zum Kaiser-Otto-Platz zurück – und wird scheibchenweise verkauft. „Zehn Zentimeter kosten nur 1 Euro“, rechnet Finger vor. „Bei einer Länge von 12 Metern kommen so 120 Euro zusammen.“ Je nach Kundenwunsch können auch größere Baumabschnitte erworben werden. „Vielleicht will sich ja jemand einen Gartenhocker basteln.“

Der Erlös der Aktion kommt der „Arbeitsgruppe Stadttauben Essen-Steele“ zu Gute. Die Tierfreunde haben schon vor Jahren einen Taubenschlag auf einem Parkhaus an der Grenoblestraße errichtet. Dort werden Tauben gefüttert, aber auch ihre Gelege kontrolliert, um den Bestand zu begrenzen und die Steeler City vor einer Taubenplage zu bewahren. Finger: „Der Verein kann jeden Cent gebrauchen.“

Der Blumenmarkt in Steele geht Ende April in seine sechste Auflage. Am Wochenende des 25. und 26. April bieten insgesamt 60 Beschicker auf dem Kaiser-Otto-Platz, Hansastraße und Grendplatz. Angeboten werden die bunten Pflänzchen am Samstag von 10 bis 18 Uhr und am verkaufsoffenen Sonntag von 11 bis 18 Uhr.

Die Schüler des Gymnasium Wolfskuhle bemalen den neuen Maibaum am Samstag ab 10 Uhr. Der Verkauf des alten Maibaums beginnt am Sonntag um 15 Uhr in der Steeler City.