Bridge spielen wie ein Weltmeister

Bridge spielen erfordert ein hohes Maß an Konzentration.
Bridge spielen erfordert ein hohes Maß an Konzentration.
Foto: WAZ
Was wir bereits wissen
Der BSC Essen 86 in Überruhr sucht Nachwuchs, nachdem die Zahl der Spieler zuletzt kontinuierlich sank. Der jüngste Champion in der Geschichte des Sports gibt selbst Unterricht

Essen-Überruhr..  Bridge spielen wie ein Weltmeister: In Überruhr beim BSC Essen 86 ist das nun möglich. Der zweifache Champion Roland Rohowsky persönlich legt Neulingen die Karten – und bringt ihnen Blatt für Blatt die Faszination eines Kartenspiels näher, das in Deutschland ein eher stiefmütterliches Image besitzt. „Bei mir lernen Sie Bridge spielen, versprochen“, erklärt Rohowsky. Und sollte sich einer seiner zukünftigen Eleven zu Höherem berufen fühlen, dann hätte der Club aus Überruhr sicher nichts dagegen.

Mal Hand aufs Herz: Kennen Sie Bridge? Nein? Dann sind Sie ganz sicher nicht allein. Selbst erklärte Freunde des gepflegten Kartenspiels, die möglicherweise regelmäßig einen ordentlichen Skat dreschen oder sich einen gewissen Nervenkitzel beim Poker verschaffen, müssen hier – um im Bild zu bleiben – passen. „Mit Bridge verbinden viele eher geruhsame Spielrunden älterer Damen“, gibt Rohowsky unumwunden zu. „So in der Art von Miss Marple in alten englischen Krimis.“

Wie bei Miss Marple

Ein Klischee, ganz sicher, doch eines, das schnell unterfüttert wird, denn Brigde wird vorrangig von Menschen gespielt, die eben mit solchen Filmen noch persönliche Erinnerungen verbinden. Ein Besuch beim Bridge-Sport-Club Essen 86 beweist dies. Es ist Mittwochnachmittag. In den Clubräumen an der Langenberger Straße 505 ist ordentlich was los. Die Atmosphäre ist jedoch eher kühl und gelassen: „Bridge erfordert ein hohes Maß an Konzentration“, erklärt Gerrit Kestermann (67). Die Seniorin muss es wissen. Bridge spielt sie seit über 30 Jahren, gilt als Institution im Club, als „die gute Seele des Vereins“.

An den Tischen sitzen nahezu ausnahmslos Senioren. „Der typische Anfänger ist der Berufsaussteiger“, sagt Gerrit Kestermann. Junge Leute für das Brigdespiel zu begeistern, gestaltet sich eher schwierig. „Die haben heute leider immer weniger Zeit“, bedauert sie. „Ein Jahr weniger bis zum Abitur, danach oft Studium im Eiltempo, später Heirat und Kinderkriegen. „Selbst wenn sie mit dem Bridgespiel beginnen, lässt das Interesse am Kartenspiel zu Viert oft schnell wieder nach.“

Noch vor zwei Jahren zählte der Verein 270 Spieler, aktuell sind es nur noch 242 – Tendenz fallend. „Doch mit diesem Problem haben im Grunde alle Vereine zu kämpfen“, so Rohowsky. Durch die neuen Medien erwächst dem klassischen Gesellschaftsspiel mehr und mehr Konkurrenz. „Das Freizeitverhalten hat sich generell geändert.“

Grundsätzlich sind Senioren sehr willkommen. Eine gewisse Reife und Erfahrung gehören zum Spiel dazu“, weiß Gerrit Kestermann. „Und auch eine gewisse Etikette“. Bridge sei schon immer ein Spiel der besseren Gesellschaft gewesen. Auch dies erklärt den hohen Altersdurchschnitt. Weit über die Hälfte der aktiven Spieler haben das 65. Lebensjahr überschritten.

Doch es geht auch anders. Weltmeister Roland Rohowsky ist praktisch der Gegenentwurf zum Trend. Das Spiel erlernte er bereits mit 13 Lenzen bei der Großmutter aus Riga. Mit 22 Jahren wurde er Weltmeister – der jüngste seiner Zunft überhaupt. Doch während Bridge in Polen, England und den USA populär sei, habe man in Deutschland die Entwicklung verschlafen.

Der Sport versucht sich zu öffnen. Das beste Match der Bundesliga wird regelmäßig online übertragen, doch die Resonanz ist im Vergleich zum Online-Poker eher bescheiden. Die BSC bot schon mal Kurse bei der VHS an, doch es tat sich nicht viel. Nun also will Weltmeister Rohowsky selbst werben und verspricht: „Wen das Bridgespiel einmal wirklich gepackt hat, den lässt es nicht wieder los.“

Weltmeister Roland Rohowsky unterrichtet an zehn Abenden immer donnerstags, für ca. 2 ½ Stunden von 18.30 Uhr an.

Start ist der 16. April beim BSC Essen 86, Langenberger Straße 505, unmittelbar bei der S-Bahn-Station Holthausen.

Die Kosten inklusive Clubnutzung betragen 180 Euro und sind bei Kursbeginn in bar zu bezahlen.

Anmeldung unter 0201-61 59 42 40 oder E-Mail: rolandroh@gmail.com. Weitere Informationen zum Angebot auch unter www.bridge4you.de