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Auf den Spuren der Tram-Linie 17

02.08.2012 | 21:24 Uhr
Auf den Spuren der Tram-Linie 17

Steele . Ältere Semester aus Steele und Umgebung werden sich noch gut daran erinnern, als man mit der Straßenbahn vom Grendplatz bis nach Wuppertal-Elberfeld fahren konnte. Doch die Zeiten, in denen die Bergischen Kleinbahnen – später Wuppertaler Stadtwerke – zur Wupper fuhren, sind längst vorbei.

Wir schreiben das Jahr 1907. Zeitgleich mit der Strecke nach Hattingen bauen die Bergischen Kleinbahnen eine 12,5 Kilometer lange Verbindung von Nierendorf über Kupferdreh nach Steele. Die Arbeiten werden am 24. November des Jahres abgeschlossen. Der Tram-Reise vom Steeler Grendplatz bis nach Wuppertal steht also somit nichts mehr im Wege. Besagtes Teilstück zweigt an der Haltestelle „Nierenhof Bachmann“ nach links aus der Hattinger Strecke ab und führt zunächst entlang der „Bonsfelder Straße“ bis zum „Bahnhof Nierendorf“. Dort schwenkt sie auf eine 1,5 Kilometer lange eigene Trasse entlang der Eisenbahn Vohwinkel-Steele ein und passiert die Haltestellen „Neuhaus“ und „Kolkmann“. Bei der Zeche Viktoria mündet das Gleis in die Kohlenstraße, bleibt bis Steele auf oder neben dem rechten Straßenrand.

Anschluss ans Essener Netz

Da die gesamte Strecke dem Deilbach- und dem Ruhrtal folgt, gibt es keine nennenswerten Steigungen zu überbrücken. In Nord-Süd-Richtung geht es durch Kupferdreh und Überruhr zu den Ruhrwiesen. Nach einer scharfen Linkskurve bei der Haltestelle „Küpper“ überquert sie die Ruhrbrücke und führt bis zum Grendplatz. Dort besteht eine Gleisverbindung zum Netz der Essener Straßenbahn.

Ab dem ersten Weltkrieg transportieren auch die Straßenbahnen Kohle von der Ruhr zur Wupper. Personenwagen werden zu Transportern umgebaut, die auch einen offenen Güterwagen mitnehmen können. Auf dem Teilstück Nierenhof – Steele erhalten daher die Zechen Viktoria, Prinz Wilhelm und Heinrich Anschlussgleise. Zudem stellt die Essener Straßenbahn die Verbindung mit den Zechen Johann Deimelsberg in Steele und Bonifatius in Kray her. Von den 63 000 Tonnen Kohle, die 1922 durch die Bergischen Kleinbahnen befördert werden, stammen 33 000 Tonnen von Zeche Bonifatius.

Im Jahr 1954, exakt am 16. April, wird der Betrieb der Linie 17 zwischen Nierendorf und Steele endgültig eingestellt, die Strecke stillgelegt – womit auch die Konkurrenz der Eisenbahn Geschichte ist.

Grund genug für die ehrenamtlichen Mitarbeiter des „Steeler Archivs“, sich auf die Spuren der Vergangenheit zu begeben. Am 23. September dieses Jahres startet ihre „Exkursion“ zum Straßenbahn-Museum Wuppertal. „Wie schon unsere ersten beiden Fahrten, steht auch diese thematisch in direkter Verbindung mit dem Stadtteil Steele“, erklärt Harald Vogelsang vom Steeler Archiv. „Im Wuppertaler Museum finden sich noch originale Triebwagen, die auf Steeler Gebiet gefahren sind.“

Beispielsweise der Triebwagen der Serie 159. Das Vehikel stammt aus dem Jahr 1925, war noch bis 1970 im aktiven Einsatz und wird derzeit aufwendig restauriert. Was nicht ganz einfach ist, „denn die damaligen Wagen wurden noch aus Holz gebaut. Da ist eine Reparatur knifflig“, wie Vogelsang weiß. Dass die Aufarbeitung, die bereits 1985 begann, bis heute noch immer nicht abgeschlossen ist, hat jedoch andere Gründe. Blieb die historische Hülle erhalten, wurde der Triebwagen über die Jahre einige Male modifiziert, um den heutigen Sicherheitsanforderungen zu genügen. So erhielt der Triebwagen beispielsweise Sicherheitsfenster. Doch Teile wie der Fahrschalter und Geschwindigkeitsregler können die Wuppertaler Straßenbahn-Freunde selbst nicht herstellen. „Diese zu beschaffen, ist natürlich auch eine Geldfrage“, sagt Vogelsang.

Überland-Modell sorgt für Komfort

Beim „159“ handelt es sich übrigens um ein „Überland-Modell“ mit vier Achsen, das, dank seiner Größe, mehr Komfort verspricht. „Der 159er bewältigte die Strecke in 100 Minuten“, sagt Vogelsang. „Die kleinere 155er-Version brauchte dafür schon 142 Minuten. Dafür war die Fahrt in diesem Bummelzug auch 20 Pfennig billiger“, ergänzt Vogelsang mit einem Augenzwinkern.

Die Steeler selbst werden vor Ort im „155“ eine Tour durch das Kaltenbachtal machen. Die Strecke führt unter anderem auch am „Manuelskotten“, einem historischen Schleifkotten mit Wasserradantrieb, vorbei, den die Fahrgäste ebenso besichtigen werden, wie die nahe gelegene Müngstener Brücke, mit 107 Metern die höchste Eisenbahnbrücke Deutschlands. „Wenn wir schon mal da sind, nehmen wir dieses Vergnügen auch mit“, sagt der Steeler Reiseführer Harald Vogelsang.

Der Tagesausflug des Steeler Archivs zum Straßenbahn-Museum Wuppertal-Kohlfurth beginnt am Sonntag, 23. September, um 10 Uhr an der Bushaltestelle am Bahnhof Steele. Die Rückfahrt ist auf 18 Uhr terminiert.

Teilnehmer bezahlen für die Fahrt 34 Euro pro Person. In diesem Preis sind die Busfahrt, der Museumseintritt sowie die Fahrkarte für die historische Straßenbahnfahrt bereits enthalten. An der Museumsstrecke und im Nahbereich des Museums befinden sich einige Einkehrmöglichkeiten. Eine Anmeldung für den Tagesausflug ist zwingend erforderlich. Anmeldeschluss ist der 31. August 2012. Kontakt unter 01577-3983-425 oder per E-Mail: info@steeler-archiv.de.

Das Archiv am Hünninghausenweg 96 ist montags von 16 bis 19 Uhr bzw. donnerstags und samstags von 10 bis 13 Uhr geöffnet.

Michael Heiße

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