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Organspende - zwischen Hoffen und Bangen

17.08.2010 | 10:03 Uhr
Organspende - zwischen Hoffen und Bangen
Dr. Gernot Kaiser, Transplantationsbeauftragter am Uni-Klinikum. Foto: Arnold Rennemeyer

Essen.Rund 800 Patienten warten derzeit am Universitätsklinikum Essen (UK) auf ein passendes Spenderorgan. „Aber die Wartezeiten sind lang“, stellt Dr. Gernot Kaiser, Transplantationsbeauftragter des UK, fest. „Etwa zehn Prozent der Patienten sterben, während sie auf der Warteliste stehen, weil das lebensrettende Organ nicht rechtzeitig gefunden wird.“ Denn nach Angaben der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung hat nur jeder sechste Bundesbürger einen Organspendeausweis in der Tasche.

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Organspenden

Die Hirntodfeststellung durch zwei unabhängige Ärzte gilt in Deutschland als unabdingbare Voraussetzung für jede Organentnahme. Am Universitätsklinikum Essen wurde im vergangenen Jahr 13 Verstorbenen nach entsprechender Diagnostik und Absprache mit den Angehörigen ihre Organe entnommen und der internationalen Vermittlung durch Eurotransplant zur Verfügung gestellt. Für Deutschland koordiniert die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) den Ablauf der Organspenden. Weitere Infos zu Organspenden und Organspenderausweis gibt es im Internet unter www.dso.de

Elisabeth Maier* und Helmut Schultz* geht es gut. Das ist nicht selbstverständlich, denn beide waren schwer krank und leben heute mit Spenderorganen. „Plötzlich juckte meine Haut ganz fürchterlich“, erinnert sich Elisabeth Maier an den Beginn ihrer Erkrankung vor rund zwölf Jahren. So genannte Autoimmunhepatitis - eine sehr seltene Lebererkrankung - wurde damals bei ihr diagnostiziert. „Durch medikamentöse Therapie konnte die Krankheit zunächst in Schach gehalten werden, doch dann steigerte sie sich zur Leberzirrhose und Leberzellenkrebs kam hinzu“, erzählt die 70-Jährige. „Ich dachte schon, das ist das Ende. Der einzige Ausweg, aber auch Lichtblick, war die Transplantation.“ Das war im Winter 2008.

Nach lokaler Chemotherapie hatte Elisabeth Maier dann unglaubliches Glück: „Ich stand nur zwei Wochen auf der Warteliste für eine neue Leber, da kam schon der erlösende Anruf, dass ein passendes Organ gefunden sei“, erinnert sich Maier strahlend. „Ich hatte gar keine Zeit mehr, aufgeregt zu sein. Denn schon ein paar Stunden später lag ich im OP.“

Ganz so schnell ging es bei Helmut Schultz nicht. Ebenfalls an einer Autoimmunerkrankung leidend, benötigte auch er eine neue Leber. Nach einem halben Jahr zwischen Hoffen und Bangen war es soweit: Im März 1996 erhielt der heute 57-Jährige das lebensrettende Organ. „Meine Mutter hat sich aber wohl sehr viel mehr Sorgen um mich gemacht, als ich“, meint Schultz rückblickend.

„Allein über 400 Patienten warteten zeitgleich auf eine lebensrettende neue Niere“

Am Universitätsklinikum Essen wurden im vergangenen Jahr 125 Nieren, 143 Lebern, 2 Bauchspeicheldrüsen, 3 Herzen und 30 Lungen transplantiert. „Damit bewegen wir uns seit Jahren auf konstant hohem Niveau“, erklärt Dr. Gernot Kaiser. „Doch auch der Bedarf an Spenderorganen ist weiterhin hoch. Allein über 400 Patienten warteten zeitgleich auf eine lebensrettende neue Niere, über 100 auf eine Leber und fast 200 auf eine Lunge.“ Etwa ein Jahr muss sich gedulden, wer eine Leber oder Bauchspeicheldrüse braucht, zwei Jahre beträgt die Wartezeit für Herz oder Lunge und bis zu fünf Jahre können vergehen, bis eine geeignete Niere gefunden ist.

„Heutzutage erfolgen Transplantationen generell nach Dringlichkeit“, erläutert Kaiser. „Das bedeutet aber, dass viele Patienten erst dann transplantiert werden, wenn sie schon sehr krank sind.“ Eine Beurteilung dieser Dringlichkeit erfolgt stets durch Eurotransplant, der internationalen Vermittlungsstelle für Organspenden.

Elisabeth Maier und Helmut Schultz wissen nichts von den Spendern ihrer Organe. „So ist das üblich“ erklärt Kaiser. „Denn das Wissen um die Herkunft des Spenderorgans könnte zu hoher psychischer Belastung führen.“ Beide Patienten haben sich gut erholt, nehmen regelmäßig ihre Medikamente, die eine Abstoßung des Organs verhindern, lassen die regelmäßigen Kontrolluntersuchungen im Uniklinikum über sich ergehen und genießen ansonsten ihr Leben. Elisabeth Maier strahlt: „Wenn ich mit meinen Enkel rumtolle, ist alles vergessen - sogar mein Ischias.“

Andrea Kleemann

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