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Ordensschule in Essen will nach 350 Jahren erstmals Jungen unterrichten

23.05.2012 | 10:00 Uhr
Nach 350 Jahren ist ab dem Schuljahr 2013/14 Schluss mit "Weil ich ein Mädchen bin": Miriam, Carlotta, Emilia und Saskia vom B.M.V. (v.l.) traten vor Kurzem noch im Kinderkanal bei "Die beste Klasse Deutschlands" auf.

Essen.  Der demographische Wandel zwingt die traditionsreiche, katholische BMV-Schule zum Umdenken. Vom übernächsten Schuljahr an sollen auf dem bisherigen Mädchen-Gymnasium auch Jungen unterrichtet werden. Eine der berühmtesten BMV-Ehemaligen ist die amtierende Schulministerin des Landes NRW, Sylvia Löhrmann (Grüne).

Nach mehr als 350 Jahren endet eine schulhistorische Ära: Die BMV-Schule , das traditionsreiche, katholische Mädchen-Gymnasium in Holsterhausen, nimmt vom übernächsten Schuljahr an erstmals auch Jungen auf. Das teilte Schulleiterin Schwester Ulrike Michalski am Dienstag mit. Die 1266 Schülerinnen, die derzeit die Ordens-Schule besuchen, würden am heutigen Mittwoch darüber informiert, dass zum Schuljahr 2013/14 die sogenannte „Koedukation“ eingeführt wird. So nennt man den gemeinsamen Unterricht von Jungen und Mädchen. Sie sollen künftig in gemischten Klassen unterrichtet werden.

Die BMV-Schule gehört zum benachbarten Augustiner-Kloster. Dort leben 14 Schwestern. Fünf Augustiner-Schwestern gehören zum Lehrer-Kollegium der Schule. Eine der berühmtesten BMV-Ehemaligen ist die amtierende Schulministerin des Landes NRW, Sylvia Löhrmann (Grüne) .

Dem Demographischen Wandel entgegenwirken

Die Schule steht seit ihrer Gründung für das Recht von Frauen auf freie, kostenlose und gleichberechtigte Bildung. „Dieses Ziel ist gesellschaftlich weitgehend erreicht, auch wenn in den Führungs-Etagen der Konzerne immer noch zu wenige Frauen sind“, erklärte Schwester Ulrike. Doch das Ziel der Schule, Mädchen einen gleichberechtigten Zugang zur gehobenen Bildung zu verschaffen, sei längst verwirklicht.

Mit dem Plan, erstmals auch Jungen aufzunehmen, solle außerdem den Folgen des demographischen Wandels entgegengewirkt werden: Wenn die Schüler des doppelten Abiturjahrgangs 2013 die Schulen verlassen haben, droht überall ein deutliches Absacken der Schülerzahlen – bei gleichbleibender Zahl der Lehrerstellen.

Schon in den letzten Jahren bekam auch das BMV – trotz seines exzellenten Rufs weit über die Stadtgrenzen hinaus – den Rückgang der Geburtenzahlen zu spüren: „Wir hatten mal sechs bis sieben Parallelklassen pro Jahrgang, heute sind wir froh über eine stabile Fünfzügigkeit“, sagt Schwester Ulrike. Fürs kommende Schuljahr sind 140 Schülerinnen angemeldet worden – das ist Platz vier stadtweit unter den Gymnasien.

Ministerin in B.M.V.-Schule

„Wir stehen mit der Planung erst am Anfang“, bekannte Schwester Ulrike. Ein detailliertes Konzept werde jetzt erarbeitet.

Martin Spletter


Kommentare
24.05.2012
07:19
Ordensschule in Essen will nach 350 Jahren erstmals Jungen unterrichten
von Fluse75 | #6

Ok,Usedom,da habe ich mich schlecht ausgedrückt-richtig mir ist kein besseres Wort eingefallen,doch scheinen wir dennoch einer Meinung zu sein.Die Jungen werden in unserem Schulsystem benachteiligt, genau das finde ich auch-geschlechtergetrenntes Lernen ist meiner Meinung nach genau richtig. Ständig liest man irgendwo etwas über die Benachteiligung der Jungen, und das die Mädchen immer stärker werden-und da ich denke, dass über kurz oder lang die Geschlechter an Schulen wieder getrennt werden, habe ich diesen Entschluss fälschlicherweise als "rückschrittlich" betrachtet. Und ja,Jungen dürfen heute wirklich gar nichts mehr-einmal kämpfen,schon kommen sie in die ADHS-Schublade...-Ich finde den Entschluss von Schwester Ulrike weiterhin unglaublich- eigentlich sollte sie wohl eher abgelöst werden von einer Schwester, die mehr Format hat als sie und in der Lage ist,eine Krise zu überstehen. Ich hoffe, die Mädchen auf der Schule zeigen,was in ihnen steckt und kämpfen um ihre Schule.

23.05.2012
20:25
Ordensschule in Essen will nach 350 Jahren erstmals Jungen unterrichten
von guhu0902 | #5

Schade,
nachdem ich zuerst skeptisch war, ich dann eine begeisterte Schülerpraktikantin dieser Schule betreuen konnte, haben wir unsere Tochter an dieser Schule mit Zweifeln angemeldet.
Das System Mädchenschule ist sowohl bei uns Eltern als auch bei unserer Tochter sehr gut angekommen. Das mag zum einen an der sehr gut geführten Schule und den Lehrern liegen, ein großer Teil liegt aber gerade an der reinen Mädchenschule. Von den meisten Mädchen wird das Lernen als wesentlich angenehmer empfunden als noch zu Zeiten der koedukativen Grundschulen. Die überwiegend guten Leistungen der Schülerinnen scheint dieses auch zu bestätigen.
Nichts gegen Jungen (bin ja einer ;-) ), aber mich hat die Trennung während der Schulzeit überzeugt und ich finde, gerade in der heutigen Zeit ist das Vorhaben ein Rückschritt.
(Fortsetzung folgt)

1 Antwort
Ordensschule in Essen will nach 350 Jahren erstmals Jungen unterrichten
von guhu0902 | #5-1

Wenn die Schülerinnenzahlen zukünftig sinken, wäre es endlich möglich kleinere Klassen einzurichten und somit eine (noch) bessere Betreuung zu erreichen. Hier scheint zwar das Land etwas dagegen zu haben, aber als "Ordensschule" müsste es doch wohl Mittel und Wege geben...

Letztendlich sollte man die Schülerinnen einmal nach Ihrer Meinung fragen, wie sie das System finden oder fanden. Dann kann man urteilen, ob das System in der heutigen Zeit noch sinnvoll ist.

23.05.2012
14:58
Ordensschule in Essen will nach 350 Jahren erstmals Jungen unterrichten
von usedom1218 | #4

Am besten wir schaffen die Jungs ab. Sind eh nur Störenfriede und ziehen die guten Mädels nur in den Abgrund. ...

- Sarkasmus Ende -

Aber mal ernsthaft. Ich finde, dass bereits seit Jahren Jungs im Schulsystem extrem benachteiligt werden. Fängt schon in den Grundschulen an. Es wird oft nur auf die "braven Mädchen" eingegangen. Es sollte m.M. nach mehr reine Jungenschulen geben, denn die Mädels sorgen grad in der Pubertät schon sehr dafür, dass die Jungs abgelenkt werden.

Apropos "rückschrittlicher Entschluss".. Wie witzig, denn eigentlich stammt die Idee der Geschlechtertrennung aus der Vergangenheit. Zuerst gab es nur Jungenschulen, dann die Idee der Mädchenschulen für die Töchter der oberen Gesellschaftsschicht (z.B. auch Viktoria Gymnasium). Ich muss echt lachen.. die BMV öffnet sich nach 350 Jahren - und das wird als Rückschritt bezeichnet (ich kann echt nicht mehr aufhören... lach mich grad total kaputt)....

23.05.2012
13:47
Ordensschule in Essen will nach 350 Jahren erstmals Jungen unterrichten
von Fluse75 | #3

Ich hoffe, es wird dann das gleiche Konzept wie an der Marienschule! Jungens und Mädchen erst getrennt und später zusammen, dennoch in den Pausen zusammen.
Jungen und Mädchen lernen unterschiedlich, dass ist ja mittlerweile bewiesen. Die Disziplin ist auch ganz anders- gemischte Klassen sind deutlich unruhiger als getrennte Klassen.Ich finde den Entschluss traurig und tatsächlich rückschrittlich. Ich hoffe sehr, dass sie sich das noch mal überlegen werden. Eine wirklich tolle Schule mit sehr gutem Ruf begibt sich auf das Niveau der übrigen Schulen. Ich bin richtig traurig darüber. Und fünf Klassen sind doch wunderbar! Lernen in kleinen Klassen- kann doch auch nur förderlich sein für die Schülerinnen-und das Niveau kann sich dabei nur steigern! Es gibt immer Krisen, und man muss auch versuchen, diese durchzustehen.Einzig positiv: bei einem guten Schulkonzept kann ich meine Jungs hinschicken in der Hoffnung, dass das Niveau sich an die letzen 350 Jahre anpasst!

23.05.2012
12:22
Ordensschule in Essen will nach 350 Jahren erstmals Jungen unterrichten
von Sturmlanze | #2

Tja dann wird es wohl die nächsten 350 Jahre keine "Die beste Klasse Deutschlands" mehr geben. Sehr schade.

23.05.2012
11:19
Ordensschule in Essen will nach 350 Jahren erstmals Jungen unterrichten
von ExExekutor | #1

Das wäre das Ende. Bloß keine Zusammenlegung!

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