Ordensschule in Essen will nach 350 Jahren erstmals Jungen unterrichten

Nach 350 Jahren ist ab dem Schuljahr 2013/14 Schluss mit "Weil ich ein Mädchen bin": Miriam, Carlotta, Emilia und  Saskia vom B.M.V. (v.l.) traten vor Kurzem noch im Kinderkanal bei "Die beste Klasse Deutschlands" auf.
Nach 350 Jahren ist ab dem Schuljahr 2013/14 Schluss mit "Weil ich ein Mädchen bin": Miriam, Carlotta, Emilia und Saskia vom B.M.V. (v.l.) traten vor Kurzem noch im Kinderkanal bei "Die beste Klasse Deutschlands" auf.
Was wir bereits wissen
Der demographische Wandel zwingt die traditionsreiche, katholische BMV-Schule zum Umdenken. Vom übernächsten Schuljahr an sollen auf dem bisherigen Mädchen-Gymnasium auch Jungen unterrichtet werden. Eine der berühmtesten BMV-Ehemaligen ist die amtierende Schulministerin des Landes NRW, Sylvia Löhrmann (Grüne).

Essen.. Nach mehr als 350 Jahren endet eine schulhistorische Ära: Die BMV-Schule, das traditionsreiche, katholische Mädchen-Gymnasium in Holsterhausen, nimmt vom übernächsten Schuljahr an erstmals auch Jungen auf. Das teilte Schulleiterin Schwester Ulrike Michalski am Dienstag mit. Die 1266 Schülerinnen, die derzeit die Ordens-Schule besuchen, würden am heutigen Mittwoch darüber informiert, dass zum Schuljahr 2013/14 die sogenannte „Koedukation“ eingeführt wird. So nennt man den gemeinsamen Unterricht von Jungen und Mädchen. Sie sollen künftig in gemischten Klassen unterrichtet werden.

Die BMV-Schule gehört zum benachbarten Augustiner-Kloster. Dort leben 14 Schwestern. Fünf Augustiner-Schwestern gehören zum Lehrer-Kollegium der Schule. Eine der berühmtesten BMV-Ehemaligen ist die amtierende Schulministerin des Landes NRW, Sylvia Löhrmann (Grüne).

Dem Demographischen Wandel entgegenwirken

Die Schule steht seit ihrer Gründung für das Recht von Frauen auf freie, kostenlose und gleichberechtigte Bildung. „Dieses Ziel ist gesellschaftlich weitgehend erreicht, auch wenn in den Führungs-Etagen der Konzerne immer noch zu wenige Frauen sind“, erklärte Schwester Ulrike. Doch das Ziel der Schule, Mädchen einen gleichberechtigten Zugang zur gehobenen Bildung zu verschaffen, sei längst verwirklicht.

Mit dem Plan, erstmals auch Jungen aufzunehmen, solle außerdem den Folgen des demographischen Wandels entgegengewirkt werden: Wenn die Schüler des doppelten Abiturjahrgangs 2013 die Schulen verlassen haben, droht überall ein deutliches Absacken der Schülerzahlen – bei gleichbleibender Zahl der Lehrerstellen.

Schon in den letzten Jahren bekam auch das BMV – trotz seines exzellenten Rufs weit über die Stadtgrenzen hinaus – den Rückgang der Geburtenzahlen zu spüren: „Wir hatten mal sechs bis sieben Parallelklassen pro Jahrgang, heute sind wir froh über eine stabile Fünfzügigkeit“, sagt Schwester Ulrike. Fürs kommende Schuljahr sind 140 Schülerinnen angemeldet worden – das ist Platz vier stadtweit unter den Gymnasien.

„Wir stehen mit der Planung erst am Anfang“, bekannte Schwester Ulrike. Ein detailliertes Konzept werde jetzt erarbeitet.