Online-Lieferdienst Green Farmer startet in Essen

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Was wir bereits wissen
Sechs Jungunternehmer starten am Montag den Online-Lieferdienst „Green Farmer“. Sie setzen auf den Trend zu regionalen Produkten.

Essen.. Die Lebensmittelbestellung per Internet ist hierzulande ein noch wenig beackertes Feld. Das erstaunte Borris Förster (31) regelrecht, als er vor vier Jahren von mehreren Auslandsaufenthalten u.a. in Australien und England ins Ruhrgebiet zurückkehrte. Was in diesen Ländern schon viel weiter gediehen war, steckte in Deutschland noch in den Kinderschuhen. Mittlerweile aber tummeln sich gerade in den Großstädten mehr und mehr Start-ups auf dem Feld.

Auch Borris Förster und fünf weitere Mitstreiter starten am Montag in Essen ihren eigenen Online-Lieferdienst. Der nennt sich „Green Farmer“ und will ausschließlich regionale Produkte anbieten. Ein Hofladen im Internet also. Hauptberuflich sind die Jungunternehmer Landwirte, Agrarwissenschaftler, Unternehmensberater, Handelsexperten, IT-Fachleute – und Feinschmecker in der Freizeit. Alle sechs sind auf dem Land aufgewachsen und wissen somit zu schätzen, was vor der eigenen Haustür wächst.

Start in drei Stadtteilen

Drei Stadtteile werden ihre ersten Testmärkte sein: das Südviertel, Rüttenscheid und die Margarethenhöhe. Bei deren Auswahl ging es um ganz praktische Erwägungen: In diesen Stadtteilen leben viele Menschen auf engem Raum. Die Fahrtwege sind kurz. Schließlich werden die sechs Jungunternehmer ihren Kunden Tomaten, Käse und Co. persönlich an die Wohnungstür liefern.

Das Prinzip geht so: Auf der Internetseite www.greenfarmer.de finden Kunden ab Montag das Warenangebot. Insgesamt sieben Erzeuger im Umkreis von 35 Kilometer um Essen bieten rund 70 Produkte an. Aus Essen ist die Fleischerei Kolditz dabei. In dem virtuellen Bauernmarkt gibt es außerdem Milch und Käse, Obst und Gemüse, Brot und Brötchen. Die Bestellung muss bis jeweils Freitag, 17 Uhr, abgegeben werden. Am frühen Samstagmorgen sammeln Förster und seine Kollegen die Bestellungen bei den Betrieben ein. In einem Kühllager in Kirchhellen sortieren sie die Bestellungen anschließend nach den Kundenwünschen und zwischen 10 und 14 Uhr am Samstag klingelt einer der „grünen Farmer“ dann persönlich an der Tür. Wie hoch der Aufschlag für die Lieferung sein wird, stand bis gestern noch nicht endgültig fest.

Frische ist die größte Herausforderung

Bei Lebensmittelbestellungen im Netz ist vor allem die Frische der Produkte die größte Herausforderung. Doch Förster glaubt, dass die kurzen Lieferwege in der Region ein großer Vorteil sind, um diese garantieren zu können.

Die „Green Farmer“ setzen bei ihrem Geschäftsmodell nicht nur auf die Bequemlichkeit der Großstädter, die meist längere Wege bis zum nächsten Hofladen haben. Immer mehr Verbraucher entscheiden sich nach den zahllosen Lebensmittelskandalen in der Vergangenheit bewusst zum Kauf regionaler Produkte und sind auch bereit, dafür mehr zu bezahlen. „Viele wollen vor allem wissen, woher die Lebensmittel kommen. Bei uns bekommen sie diese Information“, sagt Borris Förster.

Der Anfang wird dennoch schwer sein. Andere Online-Lieferdienste im Land werden von Kunden bislang noch nicht überrannt. Förster ist also gespannt, wie die Essener das Angebot annehmen.