Ohne Förster gäbe es Füchse auf der Rüttenscheider Straße

Hans-Bernhard Menn ist Vorsitzender der Kreisjägerschaft.
Hans-Bernhard Menn ist Vorsitzender der Kreisjägerschaft.
Foto: WAZ
Die Landesregierung plant ein neues Jagdgesetz. Das gefällt den Essener Waidmännern überhaupt nicht.Ihr Vorsitzender Hans-Bernhard Menn spricht im Interview mit unserer Zeitung über Katzen, den Naturschutz und die Aufgaben seiner Zunft.

Essen.. 1000 Jäger sind in der Essener Kreisjägerschaft organisiert. Unter vielen von ihnen hat sich Unruhe breit gemacht, seitdem Landesumweltminister Johannes Remmel den Entwurf für ein neues „Ökologisches Jagdgesetz“ vorgelegt hat. Wir sprachen mit Hans-Bernhard Menn, Vorsitzender der Kreisjägerschaft, über die Remmel-Pläne und die Aufgaben der Jäger im Allgemeinen.

Herr Menn, Minister Remmel plant ein Ökologisches Jagdgesetz. Haben Sie bislang nicht ökologisch gejagt?

Hans-Bernhard Menn: Das Jagdgesetz war und ist ökologisch. Es hat sich bewährt und wurde seit 1933 weiter entwickelt und den Gegebenheiten angepasst. Deshalb kann ich den Vorstoß nicht verstehen. Im Entwurf fehlt uns die Ausgewogenheit.

Was stört Sie genau?

Menn: Es soll erheblich mehr Bürokratie und Bevormundung geben. Das Jagdrecht soll beschnitten werden. Wir sehen unsere Arbeit als Wildtier-Management, kümmern uns um Tierbestände, haben Hegeverpflichtungen. Das wird übersehen. Tierschutz und Jagd sind für mich keine Gegensätze, ich verstehe Jagd als angewandten Naturschutz.

Herr Remmel ist gegen die Ausbildung von Jagdhunden an flugunfähig gemachten lebenden Enten.

Menn: Vorübergehend flugunfähig. Zur Jagdhundausbildung gehört das tiergerechte Jagen. Mit toten Enten macht das wenig Sinn. Wir reden von zwei bis drei Enten pro Hund. Das Thema Tod wird in unserer Gesellschaft gerne ausgeklammert. Für jedes Stück Fleisch muss nun mal ein Tier sterben.

Herr Remmel kritisiert auch das Erschießen von Katzen.

Menn: In der Essener Jagdstatistik steht keine erlegte Katze.

Vielleicht werden nicht alle erlegten Katzen angegeben . . .

Menn: Das Thema Katzen ist emotional belegt. Verwilderte Katzen im Wald sind eine Gefahr für das Niederwild und für Bodenbrüter. Ein Abschuss wäre erst 200 Meter entfernt von der nächsten Wohnbebauung möglich.

Was würde passieren, wenn alle 1000 Essener Jäger drei Jahre lang nicht ihrer Arbeit nachgehen?

Menn: Da würden reichlich Jagd- und Pachteinnahmen aus den 40 Revieren für die privaten Waldbesitzer, die Stadt und den RVR wegfallen. Die Jäger übernehmen zudem Naturschutzmaßnahmen. Die würde es auch nicht mehr geben.

Was würde sich bei den Tieren tun?

Menn: Die Population einiger Tierarten würde sich erhöhen. Füchse auf Nahrungssuche würden aus dem Schellenberger Wald und von der Heimlichen Liebe auf die Rüttenscheider Straße kommen. Rehe würden sich an nachwachsenden Pflanzen bedienen. Wir hätten höhere Verbissraten. Wir Jäger sind ein Regulativ. Ein anderes hatten wie schon: Krankheiten wie Tollwut.

Würden wir auch mehr Wildschweine in Essen sehen?

Menn: Nein. Durch verschiedene geografische Gegebenheiten haben wir die in Essen kaum.

Seit dem Pfingstunwetter sind die Wälder gesperrt. Tut die Ruhe dem Wald gut?

Menn: Dem Wald schon, den Bürgern nicht. Ihnen fehlt ein wichtiger Teil der Erholung.