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Christopher-Street-Day

Ohne den Segen des Bischofs

03.08.2012 | 20:46 Uhr
Ohne den Segen des Bischofs
Ein Gottesdienst zum Auftakt des Christopher-Street-Days fand in der Marktkirche statt.

Essen.  Der Christopher-Street-Day ist am Freitag mit einem ökumenischen Gottesdienst gestartet – doch die katholische Kirche bleibt auf Distanz zu der Homosexuellen-Parade.

Wenn der Christopher-Street-Day (CSD) an diesem Samstag, 4. August, durch die Innenstadt zieht, ist das längst kein Aufreger mehr: Familien werden kommen und gucken, Parteien sind mit Info-Ständen vor Ort. Es ist ein Geschäft auf Gegenseitigkeit: Mancher Politiker erhofft sich von einem Auftritt bei dem freizügigen Umzug wohl auch einen Zuwachs an Weltoffenheit und Coolness. Und die Verbände von Schwulen, Lesben und Transsexuellen freuen sich über die wachsende gesellschaftliche Anerkennung. „Akzeptanz, Gleichberechtigung und Respekt. Jetzt!“, heißt das Motto der Parade – und dazu gehört für die Veranstalter auch der Segen der Kirche.

Keine Berührungsängste

Darum war dem CSD am Freitag ein ökumenischer Gottesdienst in der evangelischen Marktkirche vorgeschaltet, gestaltet von einem Pfarrer der alt-katholischen Kirche, die nicht dem Vatikan untersteht. Getragen von Aidshilfe, Evangelischer Beratungsstelle für Familie – sowie von der Aidsberatung der Caritas. Letztere ist bekanntlich eine katholische Einrichtung, die zum Ruhrbistum gehört. So folgert Dietrich Dettmann vom Verein „Essen Andersrum“: „Wir haben den Segen des Bischofs.“

Gemeint ist Franz-Josef Overbeck, der im April 2010 eine heftige Debatte auslöste, als er in der Talksendung von Anne Will erklärte, Homosexualität sei Sünde. Das verhalf ihm zu bundesweiten Schlagzeilen und dem Ruf eines ebenso unbeirrbaren wie konservativen Kirchenoberen. Der Bischof stellte sich der Diskussion etwa in einem Domgespräch und bat später schwule und lesbische Lobbyisten zum Gedankenaustausch bat. Er hörte sich Argumente wie Anfeindungen an – und wich keinen Millimeter von seiner Position.

Wir helfen auch Geschiedenen

Dass der Christopher-Street-Day oder der dazugehörige Gottesdienst mit seinem Segen stattfinden sollten, wäre also eine kleine Sensation. Nur hat der Begriff Segen für Dietrich Dettmann wohl eine andere Bedeutung als für Franz-Josef Overbeck. Winfried Dollhausen von der bischöflichen Pressestelle jedenfalls sagt: „Es gab keine Anfrage ans Bistum oder ans Generalvikariat zum Christopher-Street-Day. Aber wir distanzieren uns auch nicht offiziell von der Veranstaltung.“ Vertreten sei das Bistum nur durch die Caritas.

„Die Caritas ist als beratende und helfende Einrichtung auf dem Christopher-Street-Day. Sie macht mit ihrer Aids-Beratung ja ein Hilfsangebot, das sich auch an Homosexuelle wendet“, sagt Dollhausen. Das sei schlicht katholisches Glaubensgut: „Wir pflegen in unseren Krankenhäusern auch Geschiedene. Wer Hilfe braucht, bekommt sie in den christlichen Kirchen unabhängig von Herkunft, Rasse und Religion.“ Unabhängig auch von sexueller Ausrichtung, sei ergänzt.

„Der Bischof knickt nicht ein“

Als politisches Signal des Bistums dürfe man die CSD-Teilnahme der Caritas nicht werten. „Für inhaltliche Positionen der Kirche ist nicht die Caritas zuständig. Über die Bewertung von Homosexualität entscheidet auch nicht Bischof Overbeck, sondern Rom.“ Freilich sei der Bischof ganz auf Vatikan-Linie: „Er knickt da nicht ein.“ Overbeck werde sich jedoch weiter dem Dialog stellen, er erkenne an, dass die gesellschaftliche Realität eine andere sei als die kirchliche Lehrmeinung.

Die Caritas selbst übrigens sieht ihren CSD-Auftritt anders als der Bischof durchaus als Signal gegen die Diskriminierung von Homosexuellen: „Der Gottesdienst will Mut machen, Vielfalt in Kirche und Gesellschaft zu leben.“ Solche Aussagen dürften in der katholischen Kirche noch für Zündstoff sorgen.

Der Sprecher der evangelischen Kirchenkreises, Stefan Koppelmann gibt dem CSD dagegen gern seinen Segen: Wir haben da keinerlei Berührungsängste.“

Politische Parade und Unterhaltung

Am Samstag startet der Christopher-Street-Day um 12.30 Uhr am Willy-Brandt-Platz mit der „Kumpelparade“.

Die Parade unter dem Motto „Akzeptanz, Gleichberechtigung und Respekt. Jetzt!“ endet an der Bühne auf dem Kennedyplatz.

Es folgt ein Bühnen- und Begleitprogramm (auch in den Filmkunsttheatern). Oberbürgermeister Paß spricht um 18 Uhr.

Christina Wandt


Kommentare
05.08.2012
11:36
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05.08.2012
02:18
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04.08.2012
22:44
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04.08.2012
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04.08.2012
15:42
Ohne den Segen des Bischofs
von werneralberts | #12

Die kath. Kirche wird niemals von ihrer Ablehnung der Homosexualität abweichen, auch wenn viele ihres Personals schwul oder lesbisch sind. Sie begründet ihre Haltung mit einer unglaublichen Geschichte aus dem AT. Danach hat Lot (Sodom und Gomorra) Besuch von zwei hübschen jungen Männern, als zwei Schwule kommen, um es mit ihnen zu treiben. Lot bezeichnet dies als schwere Sünde und bietet ihnen an, stattdessen seine beiden (etwa 12 bis 14 Jahre alten) Töchter zu nehmen, die Jünglinge aber nicht anzutasten. Er gibt also seine noch jungfräulichen Töchter zur Vergewaltigung frei, um Homosexualität zu verhindern. Wer das idiotiscsh findet, hat sicherlich nicht Unrecht.

04.08.2012
14:43
Ohne den Segen des Bischofs
von foxtrott | #11

Es gibt unter den Menschen, egal welche Sexualität sie haben, eben extrovertierte Leute, und das gefällt mir. Schräge Vögel beleben die Gesellschaft, nicht mehr und nicht weniger. Die Akzeptanz von Homosexualität wird daurch nicht beeinflusst, das muss schon jeder mit sich selbst ausmachen.Ob die Kirche nun ihren Segen oder nicht dazu gibt, kann den meisten Schwulen und Lesben oder Bisexuellen getrost egal sein.

04.08.2012
13:39
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04.08.2012
13:31
Ohne den Segen des Bischofs
von stoffel747 | #9

So ein Firlefanz, man braucht doch nicht den Segen eines Bischoffs oder eines Pfaffen. Wofür? Für eine schwule oder Lesben Parade, ist total lächerlich. Genauso wie der Segen eines Pfaffe für Motorrad Fahrer. Ja glauben die bei einem tödlichen Unfall schneller nach oben zu kommen oder wie? Ich brauche keine selbsternannten Stellvertreter Gottes. Das sind nur Erden Würmer, die sich gut bezahlen lassen.

04.08.2012
11:39
Ohne den Segen des Bischofs
von Karl-J.Schmitz | #8

sry muss "bedde nivht besse" heißen

04.08.2012
11:35
Ohne den Segen
von Karl-J.Schmitz | #7

es gibt einen Song von BAP "wenn et besse sich lohne dät" /
ich würde täglich dafür beten, dass die Bedeutungslosigkeit der ewig gestrigen (wie Overbeck) möglichst schnell Wirklichkeit wird

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