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Oft kommt das Fernweh zurück

23.01.2013 | 00:11 Uhr
Oft kommt das Fernweh zurück

Rucksack gepackt, ab zur nächsten Autobahnraststätte, Daumen raus und los ging es: Für junge Leute heute unvorstellbar, aber genau so eroberte man sich in den 1970er Jahren die Welt. Michael Geelink ist allein drei Mal den „Hippiehighway“ – von Istanbul nach Kathmandu – entlang getrampt, war in ganz Europa, Nordafrika, Australien unterwegs. „Meine Reisen waren wie Studienjahre, nur besser“, sagt der 62-Jährige rückblickend und eine Spur Melancholie schwingt mit. An jede Begegnung, an jede Begebenheit kann er sich der Globetrotter erinnern, als wenn es gestern gewesen wäre. Sein kürzester Trip dauerte ein paar Wochen, der längste drei Jahre. Doch die Zeit des Weltenbummelns ist schon lange vorbei. Seit 1982 sitzt Geelink in seinem Reisebüro Low Budget Tours am Isenbergplatz, umgeben von antiken Landkarten und Globen. „Nach meiner dreijährigen Tour hatte ich auf einmal das Gefühl: Genug. Ich wollte wieder in meine Kultur, meine Sprache sprechen.“

Und so landete er im Südviertel, machte aus seinen Erfahrungen einen Beruf. „Damals war es kaum möglich, Flüge, die außerhalb Deutschlands starteten, zu buchen.“ Lufthansa hatte bei Fernflügen ein Monopol, konnte die Preise diktieren. Diese Lücke nutzte Geelink. Der Quereinsteiger in Sachen Reise („eigentlich bin ich gelernter Augenoptiker“) bot reine Flugvermittlung in die weite Welt an: „Ich habe Tickets in Amsterdam, Paris oder Brüssel gekauft und verkauft, die waren wesentlich günstiger.“

Das Reisebüro wuchs schnell, „irgendwann waren wir acht Leute“. Nebenbei versuchte sich Geelink noch als Wirt, pachtete die Baldeney-Fähre und zog eine Jazzkneipe auf. „Wir hatten nur Ärger mit den Anwohnern, die sich über den Lärm beschwerten.“ Nach einem halben Jahr gab er auf.

Dagegen lief das Reisegeschäft so gut, dass Geelink 1984 noch mal seinem wieder aufflammenden Fernweh nachgab: Ein Jahr lang gönnte er sich eine Auszeit, radelte nach Griechenland. Zurück im Südviertel, holte ihn irgendwann die harte Realität ein: „Als alternatives Reisebüro hatten wir auch alternative Führungsstrukturen.“ Alle acht Mitarbeiter waren gleichzeitig Inhaber. Was dazu führte, dass jeder kam und ging, wie es ihm passte. Und so endete das sozialistische Geschäftsmodell passenderweise mit dem Fall der Mauer. 1990 war Low Budget Tours so hoch verschuldet, dass ein Schlussstrich gezogen werden musste. Zurück blieb Michael Geelink als alleiniger Inhaber.

Seitdem führt er das Reisebüro gemeinsam mit seiner Frau, verkauft vornehmlich Flüge für Geschäftsleute. „Heute buchen alle ihre Privatreisen übers Internet. Das klassische Reisebüro hat bald ausgedient“, prophezeit er der Branche keine Zukunft. Er selbst kann noch ganz gut existieren, aber die Arbeit lässt ihm keine Zeit, die weißen Stellen auf seiner persönlichen Weltkarte zu tilgen. „Ich habe ja immer nur 14 Tage Urlaub. Doch für meine Art zu reisen brauche ich weitaus mehr Zeit.“

Vera Eckardt

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