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Musik

„Öffnen Sie mal den Klang!“

21.10.2012 | 17:03 Uhr
„Öffnen Sie mal den Klang!“
Matthias Goerne und Christoph Eschenbach unterrichten folkwang-Studenten am 21. Oktober 2012 in der PhilharmonieFoto: Sven Lorenz

Live-Unterricht auf der Konzertbühne: Bei der Masterclass mit Matthias Goerne und Christoph Eschenbach konnte auch das Publikum viel über die hohe Kunst des Liedgesangs lernen

„Öffnen Sie mal den Klang! Ich vermisse das Forte, der Ton ist zu angepiepst.“ Die Sopranistin nickt tapfer lächelnd. Und ihrer Klavierbegleiterin geht es nicht besser: „Nein, die Mollvariante muss ganz anders klingen als Dur. Lassen Sie sich Zeit bei Modulationen, um eine neue Farbe zu finden!“

Eine Ehre für jeden angehenden Solisten

Es waren keine blutigen Anfänger, die sich gestern Nachmittag auf dem Podium des Alfried-Krupp-Saales in der Kunst des Liedgesangs dem kritischen Ohr erfahrener Künstler stellten. Die jungen Sänger und Pianisten haben bereits ihr Hochschulstudium absolviert, sind also schon virtuose Könner auf ihrem Gebiet. Doch von so weltberühmten Musikern wie Matthias Goerne und Christoph Eschenbach, die am Vorabend hier selbst mit Schuberts „Müllerin“ auftraten, im Rahmen einer öffentlichen Masterclass eine Unterrichtsstunde zu nehmen, ist für jeden angehenden Solisten eine Ehre.

Sieben Liedduos waren angetreten, die in jeweils 50 Minuten ein vorbereitetes Klavierlied mit den beiden Meistern erarbeiteten. Da ging es natürlich nicht mehr um richtige oder falsche Töne, sondern um den interpretatorischen Zu-gang zu Schubert, Brahms oder Mahler – um den Feinschliff eines Rohdiamanten sozusagen.

Dass man dabei als junger Musiker nicht zimperlich sein darf, sondern ein starkes Nervenkostüm und ein hohes Maß an Kritikfähigkeit mitbringen muss, dürfte allen klar gewesen sein. Goerne und Eschenbach hielten sich nicht mit Lobkultur und Süßholz-Raspeln auf, sondern gingen hart zur Sache. Komplimente hörte man selten. Immer wieder feilten sie an derselben, oft nur wenige Takte langen Passage, bis dann manchmal ein erlösendes „Das war’s!“ fiel.

Sie müssen viel mehr im Stück sein, viel entflammter!

„Sie müssen viel mehr im Stück sein, viel entflammter, nicht korrekt und kontrolliert absingen“, forderte Matthias Goerne ein und schaufelte mit den Armen die Gesangslinie in die Luft: „Noch mal!“, sagte er und setzte sich – doch es hielt den temperamentvollen Bariton nur kurz auf dem Stuhl. Christoph Eschenbach gab den aristokratisch-ruhigen Meister, der hinter seinem Eleven stehend, nicht weniger unnachgiebig den Klavierpart ausfeilte.

Gelernt haben dürften nicht nur die Jungmusiker, die am Abend ihre Stücke in einem Abschlusskonzert präsentierten, sondern auch die Besucher, die hier vieles aus erster Hand über die hohe Kunst des Liedgesangs erfuhren.

Melanie Suchy


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