Oben hell, unten effizient

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Wie kurios: Draußen marschiert das Quecksilber stramm Richtung 30-Grad-Marke und drinnen starren ölende Handwerker entgeistert auf das völlig leere Schwimmbecken. „Lasst das Wasser laufen, dann können wir uns abkühlen“, frotzeln sie an diesen heißen Tagen – auf der Baustelle des neuen Sportbades am Thurmfeld.

Die neue Badeanstalt – ein 9,3 Millionen-Euro-Vorhaben – ist zurzeit die größte Baustelle unter städtischer Regie. Und ein baldiger Abschluss zeichnet sich ab. „Am 1. September wird das neue Bad betriebsbereit sein“, sagt Projektkoordinatorin Ruth Hillesheim vom niederländischen Baukonzern Pellikaan, einem renommierten, europaweit tätigen Badprofi. Und Kurt Uhlendahl, bei den Sport- und Bäderbetrieben Leiter der Abteilung Bädermanagement, kann ebenso stolz verkünden: „Wir liegen voll im Kosten- und Zeitplan.“ Voraussichtliche Eröffnung: 4. Quartal.

Noch wird geflext und geschweißt, gefliest und gepflastert. Aber das meiste ist geschafft – und mit Vorfreude anzuschauen. Die klassisch-blaue Beckenfliese sucht man hier übrigens vergeblich. Das 25-Meter-Bassin mit seinen acht Bahnen besticht durch strahlendes Weiß, von dem sich die acht schwarzen Linien auf dem Grund scharf abheben. Architektin Hillesheim, die schon an fünf Bäder-Neubauten mitgewirkt hat, lobt das neue Bauwerk auf dem alten Gaswerk-Gelände an der Bottroper Straße. „Mir gefällt die klare Formensprache – ein schönes Bad.“

Eines, das abgesehen von den drei offenen Morgenstunden für Jedermann (6.30 bis 9.30 Uhr) ein reines Schul- , Uni- und Vereinsbad sein wird – und deshalb treffend das Etikett „Sportbad“ trägt. Vom Deutschen Schwimmverband mit dem Gütesiegel „Wettkampfbecken“ geadelt, ist das Bad fit für prestigeträchtige Events wie die Deutsche Kurzbahnmeisterschaft. „Die Startblöcke, die Rückenstarthilfe und die elektronische Zeitnahme – das ist neuester Stand der Technik“, betont Uhlendahl.

Gewiss, Nostalgiker werden dem Mythos Hauptbad nachtrauern, das bald seine Pforten schließt. Doch die bittere Wahrheit ist: Dort wird buchstäblich aus dem Fenster hinausgeheizt. Das Hauptbad: ein Fass ohne Boden.

Ganz anders das neue, auf Effizienz getrimmte Sportbad: Die technischen Highlights befinden sich – für den Badbesucher unsichtbar – im riesigen Keller. Die Lüftungsanlage: mit Wärmerückgewinnung. Die Pumpen: verbrauchen 40 Prozent weniger Energie. Der Strom: ihn liefert zu 70 Prozent das eigene Blockheizkraftwerk. Die Wasseraufbereitung: neuester Stand der Technik. Die Ultrafiltration: reinigt Beckenwasser in Trinkwasserqualität. Verblüffend auch diese technische Spielerei: Die Leinen werden oben nicht mehr umständlich auf große Rollen gewickelt, sie verschwinden nun durch kleine Schächte im Bauch des Bades.

Im schicken Mehrzweckraum (mit Spiegelwand, Theke, Gymnastikboden und rubinroten Farbtupfern) liegen die Handwerker in den letzten Zügen, auch die Tribüne und draußen der Parkplatz sind fast fertig. Nur an den Sammelumkleiden muss noch einiges getan werden. Und das Wasser? „In der letzten Juliwoche drehen wir auf“, sagt die Baumeisterin. Wahrscheinlich müssen die Handwerker der einzigen Dame auf der Baustelle sogar den Vortritt lassen. „Natürlich werde ich als Erste hineinspringen“, sagt Ruth Hillesheim – und zwinkert mit dem Auge.