Oben Bäume, unten Stollen – im Schellenberger Wald

Foto: Ulrich von Born
Was wir bereits wissen
Wenn es sonntags hieß, wir gehen in den Wald, bekam ich schlechte Laune. Der obligatorische Spaziergang mit meinen Eltern war mir als Kind verhasst. Mittlerweile erwachsen, entdecke ich mit großer Freude die Natur in und rings um die Stadt neu. So auch den Schellenberger Wald.

Essen.. Wenn es sonntags hieß, wir gehen in den Wald, bekam ich schlechte Laune. Der obligatorische Spaziergang mit meinen Eltern war mir als Kind verhasst. Mittlerweile erwachsen, entdecke ich mit großer Freude die Natur in und rings um die Stadt neu. So auch den Schellenberger Wald. Oberhalb des Baldeneysees zwischen Heisingen, Rellinghausen und Stadtwald gelegen, ist das weitläufige Areal nicht nur eines der schönsten Naturgebiete in Essen, sondern auch ein durch und durch geschichtsträchtiger Ort.

Von Herren und Kumpels

Erst haben hier die Herren von Vittinghoff-Schell seit dem 15. Jahrhundert gelebt, später gruben die Kumpels der Zeche Gottfried Wilhelm tiefe Stollen in den Schellenberger Wald und vertrieben die adeligen Herrschaften, die erfolglos gegen die Zechengründung protestierten, an den Niederrhein. Geblieben ist der einstige Herrensitz, eine Burganlage mit Wirtschaftsgebäuden, Park und Kapelle, die inzwischen gewerblich genutzt wird.

Nur ein paar Schritte sind es von dort, vorbei an dem traditionsreichen Gasthaus Kockshusen, dem einstigen Wohnsitz der Schloss-Priester, dann steht man regelrecht im Wald. Licht, hell und still präsentiert er sich an diesem Frühlingstag, kaum ein Mensch ist auf den mäandernden Wegen zwischen der Franken- und der Heisinger Straße unterwegs. Die wenigen, denen man begegnet, grüßen freundlich. Im Wald gelten eben andere Höflichkeitsregeln. Nach der ersten großen Biegung lädt ein riesiger frischer Baumstumpf zur Rast. Rechts und links warten die gefällten Stämme auf den Abtransport. Plötzlich raschelt es im Gebüsch und ein unerschrockenes Waldmäuschen wagt sich aus seinem Versteck.

Schilder warnen vor Bergschaden

Lange muss ich suchen, bis ich auf Spuren des einstigen Bergbaus stoße. Hier und da ein abgedeckter Schacht oder von Grün überwucherte Mauerreste, viel mehr ist nicht übriggeblieben. Ob die bewaldeten Hügel einst Halden waren, lässt sich nicht mehr sagen. Dafür fordert ein Warnschild mit dem Hinweis „Bergschadensgebiet“ auf, die Wege nicht zu verlassen. Beim Blick ins dichte und dornige Unterholz fällt es nicht schwer, der Aufforderung Folge zu leisten.

Essen entdecken Irgendwann kündigt ein anschwellendes Rauschen die Heisinger Straße an, die den Schellenberger Wald quasi durchschneidet. Wieder trifft man auf ein historisches Gebäude: das Jagdhaus Schellenberg. Zwar lässt der Name vermuten, die Adelsfamilie habe von hier aus Rehe und Rebhühner erlegt; tatsächlich bewohnten Waldarbeiter den ehemaligen Kotten. Jetzt ist es nicht mehr weit bis zum Baldeneysee. Doch statt ans Ufer zieht es mich zur Korte Klippe: Von dort hat man den spektakulärsten Blick auf den im Sonnenlicht glitzernden Stausee - das finden auch die zahllosen Liebespaare, die den Aussichtspunkt bevölkern. Um sie nicht weiter zu stören, schlage ich mich zurück in den Wald - auf zur nächsten großen Spazierrunde.

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