OB-Wahl in Essen – diese Kandidaten sind nur Außenseiter

Wer nimmt als nächster Oberbürgermeister hinter diesem Schreibtisch Platz?
Wer nimmt als nächster Oberbürgermeister hinter diesem Schreibtisch Platz?
Foto: WAZ
Was wir bereits wissen
Die Oberbürgermeister-Wahl ist eine Persönlichkeitswahl. Auch wenn SPD und CDU die Favoriten stellen, setzen kleinere Parteien auf eigene Kandidaten.

Essen.. Die SPD hat es sich bei der Kandidatenkür nicht leicht gemacht und setzt auf Oberbürgermeister Reinhard Paß. Die CDU schickt Thomas Kufen ins Rennen, den Landtagsabgeordneten aus Borbeck und Vorsitzenden der Ratsfraktion. Einer von beiden wird bei der Oberbürgermeisterwahl am 13. September als erster durchs Ziel gehen. Könnte man darauf wetten, die Quoten fielen wohl erbärmlich aus. Für alle anderen Kandidaten geht es um nicht um Sieg, sondern um Platz. So funktioniert Demokratie. Und deshalb treten sie an:

„Wir stehen für linke Inhalte. Dafür stehen Herr Paß und Herr Kufen nicht“, sagt Gabriele Giesecke, Frontfrau ihrer Fraktion im Rat der Stadt und seit Jahren ein bekanntes Gesicht der politischen Linken in dieser Stadt. Als Fraktionsvorsitzende hat Giesecke nach eigenen Worten genug zu tun. Dennoch spricht einiges dafür, dass die Linke die „rote Gaby“ zur Oberbürgermeisterkandidatin küren wird. Ihrer Partei mag es auf Inhalte ankommen. Doch OB-Wahl ist eine Persönlichkeitswahl, dem kann sich auch die Linkspartei mit ihrem Vorstand der Namenlosen nicht entziehen. Bei der OB-Wahl 2009 holte der damalige Fraktionssprecher Hans-Peter Leymann-Kurtz übrigens 4,7 Prozent.

Eine "Bürgerliche Alternative"

Auch die FDP setzt auf ein bekanntes Gesicht: Theatermann Christian Stratmann soll erneut die politische Bühne als Spitzenkandidat betreten und sich den Wählern „als bürgerliche Alternative“ präsentieren, wie es Parteichef Ralf Witzel formuliert ohne zu präzisieren, als Alternative zu wem. Mehr denn je kommt es für die Liberalen darauf an mitzuspielen, nachdem der Vorhang in Bund und diversen Landesparlamenten gefallen ist. 2009 erhielt Stratmann von seinen Parteifreunden viel Beifall für beachtliche 5,8 Prozent.

Ob für die Grünen erneut Hiltrud Schmutzler-Jäger ins Rennen geht wie schon 2009 und 2004 oder doch Mehrdad Mostofizadeh, Landtagsabgeordneter aus Burgaltendorf, ist noch nicht ausgemacht. Hätte sich beim SPD-Mitgliederentscheid nicht Reinhard Paß durchgesetzt, sondern dessen Herausforderin Angelika Kordfelder, Schmutzler-Jäger hätte wohl verzichtet. Frau gegen Frau, das müsste für die Grüne nicht sein. Nun ist es Paß geworden. Eine OB-Kandidatur ist aber immer auch Gelegenheit, die eigenen Ambitionen zu unterstreichen. Mostofizadeh wird nachgesagt, er habe in Düsseldorf noch etwas vor. 2009 holte Schmutzler-Jäger 6,1 Prozent.

Die Gunst der Stunde würde gerne die „Alternative für Deutschland“ (AfD) für sich nutzen. Bundesweit genießt der Neuling im Politbetrieb mediale Aufmerksamkeit. Im Rat der Stadt hat sich die Fraktion noch vor der konstituierenden Sitzung atomisiert. Allein Jochen Backes hält dort die AfD-Fahne hoch. Fraglich ist, ob die Partei überhaupt die finanziellen Mittel für einen Wahlkampf hat, räumt Sprecher Christoph Wilkes ein. Goldbarren zum Versilbern lägen in seinem Ortsverband jedenfalls nicht rum, sagt Wilkes mit ironischer Anspielung auf lukrative Nebengeschäfte der Bundes-AfD.

Apropos Ironie: Die Polit-Satiriker Die Partei gehörten bei der Kandidatenaufstellung zu den ersten. Und OB-Kandidat Jürgen Lukat hat sehr wohl den Anspruch, am 13. September nicht als letzter durchs Ziel zu gehen. Der Krayer will in die Stichwahl und würde darauf wetten, dass er es schafft.