OB siegt und zeigt sich versöhnlich

Wie schwer die Anspannung gewogen haben mag? Als Justizminister Thomas Kutschaty als Vorsitzender der Wahlkommission gestern Abend um 19.45 Uhr im DGB-Haus an der Teichstraße das Ergebnis der SPD-Mitgliederbefragung bekannt gab, da fiel die Last sichtbar ab von Reinhard Paß. Dass er das Rennen um die Oberbürgermeister-Kandidatur mit deutlichem Vorsprung für sich entschieden hat, dies hatte Kutschaty den beiden Bewerbern und dem versammelten Parteivorstand Minuten zuvor hinter verschlossenen Türen mitgeteilt. Die etwa 100 Mitglieder, die der öffentlichen Auszählung beigewohnt hatten, erfuhren es erst in dieser Minute: 55,76 Prozent für Reinhard Paß.

„Ich hatte gehofft, dass es ein deutliches Ergebnis wird“, sagt der strahlende Sieger des Abends mit belegter Stimme und sandte versöhnliche Worte in Richtung der Parteivorsitzenden Britta Altenkamp. „Ich bin zuversichtlich, dass dieses Ergebnis die Partei zusammenbringt, damit wir am 13. September erfolgreich sind.“ Auch Altenkamp richtete in kurzen Worten den Blick nach vorn auf die OB.- Wahl. CDU-Kandidat Thomas Kufen werde man gemeinsam zeigen, „wo der Frosch die Locken hat“.

Herausforderin Angelika Kordfelder, von Altenkamp ins Kandidatenrennen geschickt, zeigte da bereits das „Profi-Lächeln“ einer Politikerin, die weiß, dass sie nicht nur einen Mitgliederentscheid verloren hat. Paß hatte sie artig gratuliert. Ihr Ergebnis von 40,11 Prozent erlaubt es ihr ohne Demütigung nach Rheine zurückzukehren, wo sie noch bis zum 20. Oktober als Bürgermeisterin im Amt ist.

Kann die SPD nun zur Tagesordnung übergehen? Stellt die Partei sich geschlossen hinter Reinhard Paß? Noch während der Auszählung erklärten altgediente Genossen, Britta Altenkamp bliebe nur der Rücktritt, sollte Paß den Mitgliederentscheid gewinnen. Da schien es noch, als stünde es Spitz auf Knopf. Fast im Gleichtakt wuchsen vor der Zählkommission die Stapel mit den ausgezählten Stimmen. Als Thomas Kutschaty um 19.21 Uhr dann zur Kontrolle noch einmal nachzählen ließ, hätte wohl niemand auf das eindeutige Ergebnis gesetzt, das der Vorsitzende der Wahlkommission bald darauf verlesen sollte: 1247 Stimmen für Reinhard Paß, 897 Stimmen für Angelika Kordfelder, 92 Enthaltungen, 80 ungültige Stimmen.

Das Mitgliedervotum ist eine eindeutige Bestätigung für den Amtsinhaber. Aber es fällt nicht so deutlich aus, als dass Britta Altenkamp gezwungen wäre, zurückzutreten. So lautete gestern Abend die Lesart auch aus Reihen der Paß-Unterstützer. Die stellvertretende Parteivorsitzende Petra Hinz erklärte, für einen Nachspiel gebe es überhaupt keinen Grund. Weder die Parteivorsitzende noch der Vorstand gingen beschädigt aus dem Mitgliederentscheid hervor. Das wird nicht jeder Genosse so sehen. Beim Parteitag am Samstag aber steht nur Reinhard Paß zur Wahl. Und alles andere als ein klares Votum wäre jetzt wohl eine Riesenüberraschung.