„Nur“ ein Joint – am Steuer einer zuviel

„Ich habe doch nur einen Joint geraucht.“ Dieser Spruch ist Essens Streifenbeamten nur zu geläufig. „Genau ein Joint zuviel“, könnte darauf die Standardantwort der Beamten lauten. Denn einen Unterschied gibt es da nicht: Wer unter Drogen steht – und sei es nur mit ein paar Krümeln Cannabis – hat laut Gesetz am Steuer nichts verloren und muss sofort aussteigen. Der Wagen darf nicht einmal eingeparkt werden, manchmal rufen die Beamten dafür sogar den Abschleppdienst. Und man ahnt, wie teuer der Joint wird.

Doch auch dies hat bei weitem keine abschreckende Wirkung, im Gegenteil: Nach Angaben von Stadt und Polizei steigt die Zahl der Autofahrer, die mit Drogen am Steuer erwischt werden, geradezu sprunghaft an – das belegt die Statistik der Straßenverkehrsbehörde in Steele. Lag die Zahl der Führerscheine, die im Jahr 2000 wegen Drogen am Steuer am Ende des Verfahrens von der Stadt eingezogen wurde, gerade einmal bei 59, waren es fünf Jahre später bereits 82 – und 2010 schon 147. Die Führerschein-Entzüge wegen Alkohols pendelten dagegen in allen Jahren zwischen acht und 21.

Während sich diese Werte bei den Alkohol-Fahrten bis heute kaum verändert haben, ist bei den Führerschein-Entzügen wegen Drogen eine Dynamik eingekehrt, die die Experten nur staunen lässt: 2013 waren es bereits 217 Essener, die ihren Führerschein abgeben mussten, 2014 dann 239, und die bis einschließlich Mai eingesammelten 107 Führerscheine lassen aus Sicht der Stadt nur den Ausblick zu, dass 2015 ein neuer, trauriger Rekord aufgestellt wird. „Jeden Monat entziehen wir aktuell 21 Autofahrern den Führerschein“, sagt Pressesprecher Martin Rätzke. „Bei Alkohol brauchen wir dafür ein ganzes Jahr.“

Für Polizeisprecher Marco Ueberbach zeigen die Zahlen in erster Linie, dass die Beamten in Sachen Drogen deutlich besser geschult und sensibilisiert sind: „Wir haben heute auch ganz andere Möglichkeiten, festzustellen, ob ein Autofahrer Drogen genommen hat.

Dem Drogentestgerät „drug wipe“, inzwischen Standardausrüstung auf den Streifenwagen, genügt ein kleiner Tropfen Schweiß. Verläuft der Test positiv, heißt es ohne Wenn und Aber: Aussteigen! Eine „Promille-Grenze“ wie beim Alkohol kennt das Gesetz nicht. „Jeder Joint hat sofort Konsequenzen“, sagt Ueberbach. Ob es sich dann letztendlich um eine Ordnungswidrigkeit oder um ein strafrechtliches Vergehen handelt, wird erst im Verfahren vom Staatsanwalt geklärt – im Zweifel vor Gericht.