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Nur die Vernunft tanzt nicht mit

30.10.2011 | 18:13 Uhr
Nur die Vernunft tanzt nicht mit
Ariane Kareev.

Rüttenscheid. Zukunftsängste, Selbstfindung, der Wunsch nach Liebe und Anerkennung beim gleichzeitigen Streben nach Individualität — all das sind Themen, die wohl die meisten Jugendlichen bewegen. Ariane Kareev, gerade erst 17 Jahre, beschäftigt sich auf besondere Art mit diesen Motiven: Sie machte daraus ein Theaterstück. Am Mittwoch feiert „Gottverlassen“ Premiere im Theater Courage.

Die Bühne hat Ariane Kareev schon lange in den Bann gezogen: Seit zwei Jahren sammelt sie Erfahrung im Bochumer Theater an der Rottstraße — eine erst junge, freie Bühne, die sich mit anspruchsvollem, professionellem, aber durchaus auch wildem Theater schnell einen guten Namen gemacht hat. Seit zwei Jahren sammelt die Schülerin des Werdener Gymnasiums dort in ihrer Freizeit Erfahrung als Regieassistentin, hilft bei den Bühnenbildern mit oder rückt die Szenen ins rechte Licht.

Kürzlich feierte sie im Stück „Die Rückkehr“ ihr Debüt als Schauspielerin. Als „echtes Multitalent“ bezeichnet sie Honke Rambow, Sprecher des Bochumer Theaters an der Rottstraße. Nun kommt noch Regisseurin und Dramaturgin zu diesem reichen Erfahrungsschatz dazu. Denn für ihre Inszenierung wagte sich Ariane Kareev an eine eigene Adaption der Novelle „Jugend ohne Gott“ von Ödön von Horvath. Dem Reclamverlag verdankt sie die Entdeckung des Stoffes.

„Für den Deutsch-Leistungskurs sollte ich ,Iphigenie auf Tauris’ lesen“, erläutert sie. „Da stand ich im Buchhandel vor diesem Regal mit den ganzen gelben Reclamheftchen und habe den Entschluss gefasst: Die lese ich alle durch.“

Gesagt, getan: Auf diese Weise stieß sie auch irgendwann auf von Horvarths Erzählung, die die Gleichgültigkeit und den Moralverlust der Jugend als Grundvoraussetzungen für die Gewalt, die im Dritten Reich vorherrschte, ausmachte. „Als ich das gelesen habe, wusste ich direkt, was ich daraus machen will“, erinnert sich die Schülerin.

Der Verlust der Menschlichkeit

Drei Tage lange setzte sie sich hin, um den Stoff zu dramatisieren und umzuschreiben. „Ich habe einiges verändert“, betont sie. So habe sie die Bezüge zum Nationalsozialismus zugunsten von aktuellen Anspielungen eliminiert. „Der Verlust von Menschlichkeit ist keine Frage des politischen Systems, sondern droht jederzeit — auch heute“, ist sie überzeugt. Hier wie dort scheitert ein Lehrer als erzieherisches Vorbild: Die Schüler lassen unkontrolliert ihrem Egoismus freien Lauf, das, was ihnen begehrenswert erscheint, verteidigen sie zur Not auch mit Gewalt.

Gottverlassen
Termine und Karten

Die Premiere von dem Gastspiel „Gottverlassen — Nur die Vernunft tanzt nicht mit“ nach Ödön von Horvarth ist am Mittwoch, 2. November um 20 Uhr im Theater Courage, Goethestraße 67 zu sehen. Weitere Termine: Donnerstag, 3., Dienstag, 22. und Donnerstag, 24. November, je 20 Uhr. Karten kann man telefonisch vorbestellen unter der Nummer: 79 14 66. Weitere Informationen gibt es auch im Internet auf der Seite: www.theatercourage.de

Besetzt hat sie das Stück überwiegend mit Freunden: die meisten davon sind Musikstudenten. „Ich mag Stücke mit Musik“, sagt Ariane Kareev, die selbst auch Klavier spielt. Dementsprechend sei Musik auch ein wichtiger Bestandteil ihrer Inszenierung, das Ensemble hat die meisten Stücke darin eigens für „Gottverlassen“ komponiert. „Auch wenn viele als Musiker schon Bühnenerfahrung hatten, ist diese Situation als Schauspieler eine völlig neue Erfahrung für sie“, sagt die 17-Jährige. „Die wussten wohl zuerst nicht, worauf sie sich einlassen“, lacht sie.

Auch wenn ihre Darsteller fast durchweg einige Jahre mehr auf dem Buckel haben als sie selbst — ein Autoritätsproblem habe es nie gegeben: „Die haben sich alle von mir was sagen lassen.“ So nah an der Wirklichkeit ist der Stoff ihres Stückes also zum Glück noch nicht angekommen — Gott sei Dank.

Gordon K. Strahl



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