Notfallpläne für Flüchtlinge

Die Stadt Essen sucht händeringend nach neuen Unterbringungsmöglichkeiten für Asylbewerber. „So nah waren wir noch nie daran, auf Turnhallen zurückgreifen zu müssen“, heißt es im Rathaus.

Während man noch im März davon ausging, dass 2015 gut 300 000 Flüchtlinge nach Deutschland kommen, spricht das Bundesinnenministerium inzwischen von 450 000 Asylbewerbern. Nach dem so genannten Königsteiner Schlüssel würden 2865 von ihnen nach Essen kommen. Das heißt, dass der Stadt gut 1400 Plätze fehlen. Darum wurden Unterkünfte erweitert und das Centerhotel in der Innenstadt angemietet. In der ehemaligen Boecker-Zentrale an der Hülsenbruchstraße in Altenessen-Süd können ab August bis zu 200 Menschen untergebracht werden (siehe auch Lokalseite 3). Und ab Anfang Juli sollen 70 Plätze an der Karl-Meyer-Straße in Schonnebeck bereit stehen.

„Auch das wird nicht reichen, denn im Moment kommen im Schnitt 200 neue Asylbewerber im Monat zu uns“, heißt es in der Verwaltung. Zwar hat der Rat bereits neue Unterkünfte beschlossen, doch die werden erst 2016 zur Verfügung stehen. Darum müsse man noch im laufenden Jahr 720 weitere Plätze schaffen.

Konkret geprüft werden derzeit ein ehemaliges Schulgebäude in Dellwig (Helmstraße) sowie die Schule am Schetters Busch in Schonnebeck, die erst mit diesem Schuljahr ausläuft. Knapp 60 Plätze könnten in einer Herberge des Handballleistungszentrums Raumer Straße (Frohnhausen) entstehen. Freie Kapazitäten meldet auch das Berufsförderungswerk der Bauindustrie in Bergeborbeck.

Zudem sieht sich die Stadt Gebäude an diesen Standorten: Natorpstaße 27 (Ostviertel), Am Funkturm 8, Münchner Straße 67 (beide Holsterhausen), Am Zehnthof 100 (beim Kolping-Bildungswerk) in Kray. Unklar ist, ob rechtzeitig genügend der Unterkünfte genehmigt und ertüchtigt werden können: „Wir bereiten uns deshalb darauf vor, im Notfall schon im Juli Sporthallen bereitstellen zu müssen.“