Willst du mit mir gehen – bis Tartu?

Am Donnerstag, den 28. Mai 2015 macht der Seniorenbeirat mit Spaziergangspaten und Besuch aus Estland, Sirje Kree (vorne links), die Leiterin des Gesundheitsamtes, und Piret Väljaots (dunkle Jacke) vom Gesundheitsministerium, eine Tour durch Stoppenberg.
Am Donnerstag, den 28. Mai 2015 macht der Seniorenbeirat mit Spaziergangspaten und Besuch aus Estland, Sirje Kree (vorne links), die Leiterin des Gesundheitsamtes, und Piret Väljaots (dunkle Jacke) vom Gesundheitsministerium, eine Tour durch Stoppenberg.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
In der estischen Stadt Tartu stießen zwei Gesundheitsexpertinnen auf die Senioren-Spaziergänge durch Essen. Jetzt kamen sie zu Besuch und gingen mit.

Essen-Stoppenberg..  „Stadt der guten Ideen“ nennt sich Tartu, eine Kommune von knapp 100 000 Einwohnern im Süden Estlands. Trotzdem ist man sich nicht zu schade, auch über den Tellerrand zu blicken. Und deshalb spazierten gestern Sirje Kree, die Leiterin des Gesundheitsamtes, und Piret Väljaots vom Gesundheitsministerium, durch Stoppenberg.

Lisa Schwermer, Geschäftsführerin des Essener Gesundheitsbüros, wollte ihre Überraschung nicht verhehlen, als sich die beiden sympathischen Estländerinnen kurzfristig bei ihr ankündigten: „Ich bin fast vom Stuhl gekippt, als der Anruf kam.“

Doch dann erklärte ihr Piret Väljaots, die sehr gut deutsch spricht, welchen Sinn der Besuch in der Ruhrgebiets-Metropole haben soll.

In Tartu sucht man neue, dort noch nicht bekannte Konzepte und Ideen für den Umgang sowohl mit Senioren als auch mit Kindern. „Denn bei uns ist der demografische Wandel ähnlich wie in Deutschland. Die Menschen leben länger als früher“, sagt Piret Väljaots. Über das Internet war sie auf drei Projekte in Essen gestoßen: das Seniorenkino in der „Lichtburg“, das Seniorenmagazin „esSen on top“ und die Spaziergänge unter dem Motto „Willst du mit mir gehen?“. Gesundheitsexpertin Sirje Kree sucht nämlich Ideen, wie alte Menschen so fit bleiben können, damit sie weniger oft stürzen oder, wenn es doch passiert, sich nicht schwer verletzen. „Wir sind interessiert an Sturzprävention“, sagt sie. Die regelmäßigen Spaziergänge durch den Stadtteil könnten solch eine Lösung sein, hoffen sie.

Damit stießen sie natürlich bei Alfred Steinhoff, dem Vorsitzenden des Seniorenbeirats, sowie bei Linda und Jürgen Brinkämper, den Organisatoren des Stoppenberger Spaziergangs, auf offene Ohren. Sofort wurden die beiden Gäste aus Estland zur Wanderung eingeladen. Vom Treffpunkt an der Tuttmannschule – immer donnerstags um 14.30 Uhr – machte sich die Gruppe auf den Weg zur Zeche Zollverein, wo sie Bürgermeister Rudolf Jelinek trafen.

Weitere Ziele waren gestern das GenerationenKult-Haus an der Viehofer Straße sowie ein Tagespflege- und Seniorenzentrum.

Nach dem gestrigen Besuch in Essen fahren die beiden Expertinnen aus Estland am Wochenende weiter nach Düsseldorf, um u. a. ein Kinderhospiz zu besichtigen. Am Montag geht’s zurück nach Tartu – demnächst eine Stadt mit noch mehr guten Ideen.