Wein-Expertin Felicitas Püttmann zapft kühles Blondes

Felicitas Püttman in ihrer Kneipe, die sie vor einem Monat eröffnete.
Felicitas Püttman in ihrer Kneipe, die sie vor einem Monat eröffnete.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Felicitas Püttmann (27) ist gelernte Sommeliére, auf Deutsch „Weinkellnerin“. In ihrer Kneipe „Felis“ weiß sie aber auch mit dem Zapfhahn umzugehen.

Nordviertel..  Über der Eingangstür hängt ein Schild. In schwarzer Schrift steht auf alt-rosa Untergrund: „Felis“. Mit einem Herz als Punkt auf dem i. Vor einem Monat eröffnete Felicitas Püttmann die „Spelunke und Weinbar“ – so heißt es in den sozialen Netzwerken – und erfüllte sich einen Herzenswunsch.

„Dass ich irgendwann mal eine Bar oder Kneipe aufmache, war klar. Nur dass es jetzt passieren würde, war nicht klar“, sagt die Essenerin, die mit ihren 27 Jahren schon ganz schön in der Welt herumgekommen ist. Gelernt hat sie Hotelfachfrau, hat danach drei Saisons auf der „MS Astor“ gearbeitet, sah viele europäische Länder, aber auch Südamerika. „Ein reizvoller Job, aber auch sehr anstrengend.“ Mindestens 330 Arbeitsstunden im Monat an Bord. Danach verschlug es sie nach Neuseeland, wo sie für ein schweizerische Hotel-Unternehmen arbeitete. Die Schweizer beschäftigten sich auch mit Weinanbau. Schon in Deutschland trug Felicitas Püttmann als Hotelfachfrau den Zusatz-Titel „Anerkannte Beraterin für deutsche Weine“. „Wein hat mich immer schon interessiert. Und dieses Interesse wurde in Neuseeland neu entfacht“, erzählt sie. Das 1500-Seelen-Dorf „down under“ war ihr auf Dauer aber dann doch zu langweilig. Sie machte drei Monate Urlaub in Thailand, um sich danach wieder aufs Berufliche zu konzentrieren. Irgendetwas mit Wein sollte es sein. Es wurde Kalifornien, genauer gesagt San Francisco. Dort ließ sie sich zur Sommelière, zu Deutsch „Weinkellnerin“, ausbilden.

Zwischen ihren zahlreichen Touren kam sie immer wieder mal nach Essen, wo ihre Eltern und Geschwister wohnen. Meist war es für kurze Zeit. Auch diesmal sollte es eigentlich nur ein Zwischenstopp werden. Da es aber sowohl mit dem angedachten Job in Südafrika, wohin sie zur Weinlese wollte, sowie in London nicht passte, schaute sie sich Ladenlokale in Essen an und entschied sich für die 70 Quadratmeter große, ehemalige Karaoke-Bar in der Mechtildistraße.

„Der Laden war ziemlich abgerockt“, beschreibt die 27-Jährige mit ihren Worten den Zustand des Lokals. Mit der Familie und Freunden wurden die Räume renoviert. Felicitas Püttmann steckte ihr Erspartes in das Projekt. „Ich bin total glücklich über meine Entscheidung. Nach einem Monat habe ich schon einige Stammgäste.“

Die 27-Jährige möchte den Menschen, vor allen Dingen den jüngeren, einen Ort bieten, wo sie in gemütlicher Atmosphäre ihr Feierabend-Bierchen trinken, klönen und eine Runde kickern oder knobeln können. Auch für Musikwünsche ist die neue Wirtin stets offen. Selbst der geliebte Wein passt in ihr Kneipen-Konzept. Unter dem Titel „Wineflight Germany“ bietet sie zurzeit zum Beispiel drei Proben deutscher Weine zur Verkostung an. Erklärungen der Wirtin sind im Preis inbegriffen.

Zurzeit steht Felicitas Püttmann, die den Laden alleine schmeißt, sieben Tage die Woche hinter dem Tresen. Wenn sie Feierabend hat, dämmert es meist schon. „Ich plane oft und schmeiße es dann wieder um. Mindestens zwei Jahre will ich die Kneipe aber führen. Das Schlimmste, was passieren kann, ist, dass ich in zwei Jahren hier ohne Geld stehe“, sagt Felicitas Püttmann. Aber das werde nicht passieren. Da ist sie zuversichtlich. Und wenn doch?

Schlimmstenfalls ginge sie wieder aufs Schiff.