Vuvuzelas blasen zum Protest
29.06.2010 | 19:17 Uhr 2010-06-29T19:17:00+0200
Nordviertel.Die Tiegelschule kämpft um ihr Quartier: Schüler und deren Eltern zogen nun vor das Essener Rathaus, um gegen den geplanten Umzug an die Beisingstraße zu demonstrieren. Knapp 100 Protagonisten wurden bei der Kundgebung gezählt.
Selbst Jennifer Dewar, Mitglied der Elternpflegschaft und Organisatorin der Demonstration, war von der überaus großen Resonanz überrascht. „Unserer Schule betreut und unterrichtet etliche Kinder mit Migrationshintergrund. Wir waren nicht ganz sicher, ob alle Eltern unser im Vorfeld verteiltes Flugblatt gelesen und auch verstanden haben.“
Doch genau dies war offensichtlich der Fall. Mit Tröten, Trillerpfeifen und einigen Vuvuzelas, die diesmal nicht zur Freude, sondern zum Protest bliesen, verliehen die Mitstreiter ihrem kollektiven Ärger eine lautstarke Geräuschkulisse. Bunte Transparente sprachen allen Beteiligten aus der Seele: „Grundschulkinder sind noch klein - Schulumzug, wir sagen Nein“.
Ihr Ruf blieb - zumindest für den Moment - nicht ungehört: Sozialdezernent Peter Renzel verließ seinen Schreibtisch, um sich die Argumente der Demonstranten anzuhören, aber auch, um die Position der Stadt erneut deutlich zu machen. Seine Botschaft: Man sei gezwungen, Geld zu sparen. Und dies nicht nur im Nordviertel. „Ich bitte da um ihr aller Verständnis.“ Umsonst: Zu groß die Kluft zwischen den Lagern, zu verhärtet die Fronten. Der Umbau der ehemaligen Beisingschule in ein „Haus des Lernens“ käme viel teurer als der Erhalt der Tiegelschule, hieß es. Für die betroffenen Familien gibt es nur eine Lösung: Die Schule muss bleiben. Ohne Wenn und Aber.
Die Solidarität ist groß. Passanten, durch den Radau neugierig geworden, suchten das Gespräch mit den Eltern. „Viele haben begrüßt, dass sich hier Protest gegen eine höhere Instanz formiert“, beschreibt Jennifer Dewar ihre Eindrücke. „Etliche haben die Diskussion aufmerksam in der Zeitung verfolgt und drücken uns nun die Daumen, dass der Rat pro Tiegelschule votiert.“
Die Entscheidung fällt heute. Und für die Eltern und Schüler beginnt eine kurze, aber schwere Zeit des Wartens und des Zitterns. Jennifer Dewar: „Ich bin recht euphorisch, weil wir alles versucht und gekämpft haben.“ Ob der Einsatz belohnt wird? „Da bin ich mir nicht sicher“, zweifelt Jennifer Dewar. „Die Worte von Sozialdezernent Peter Renzel klangen so, als sei die Entscheidung bereits gefallen. Wir bauen auf die Politiker, die sich zuletzt mehrheitlich für einen Erhalt der Tiegelschule ausgesprochen haben.“
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