Vertrauen zu schaffen, ist ihr oberstes Ziel

Martin Bock und Angela Kretzschmar stellen ihre Arbeit in der Flüchtlingsberatung vor.
Martin Bock und Angela Kretzschmar stellen ihre Arbeit in der Flüchtlingsberatung vor.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Die Skepsis vieler Anwohner von Flüchtlingsunterkünften ist groß. Das Diakoniewerk kümmert sich sowohl um die Bewohner als auch um die Nachbarn.

Essen-Altenessen..  Die Skepsis der künftigen Nachbarn des Übergangswohnheims Hülsenbruchstraße war fast mit Händen zu greifen, als Sozialdezernent Peter Renzel ihnen vor zwei Wochen im „Kreuzer“-Saal in Bergeborbeck erläuterte, dass ab August bis zu 200 Flüchtlinge in die ehemalige Boecker-Verwaltung einziehen. Da war es gut, dass sich mit Martin Bock (35) ein Experte des Diakoniewerks vorstellte, der versuchte, etwas Druck aus dem Kessel zu nehmen.

Hilfe wird seit 2011 wieder aufgebaut

Seit April erst ist der diplomierte Sozialpädagoge und -arbeiter in der Flüchtlingsbetreuung im Einsatz. Zuvor arbeitete der Essener in der Wohnungslosenhilfe und Suchthilfe, allerdings in Düsseldorf.

Als „Teamleiter Flüchtlingsberatung“ ist er jetzt für die soziale Betreuung in derzeit sechs, demnächst sogar elf Übergangswohnheimen zuständig. Zehn Sozialarbeiterinnen und -arbeiter sind dort im Einsatz, dazu aktuell 14 Einrichtungsbetreuer.

Erst seit vier Jahren ist das Diakoniewerk wieder direkt in der Flüchtlingsbetreuung im Einsatz. Die Stellen waren im vergangenen Jahrzehnt abgebaut worden, weil durch die Einschränkungen des Asylrechts die Flüchtlingszahlen drastisch zurückgegangen waren. Seit 2011 steigen sie wieder an, und seit zwei Jahren kommen vermehrt Flüchtlinge aus dem arabischen Raum, aus Iran, Bangladesch und Afghanistan, um die man sich intensiv kümmern muss.

Die Betreuung der Flüchtlinge ist dabei allerdings ebenso wichtig wie der enge Kontakt zu den Nachbarn der Einrichtungen. Das weiß Angela Kretzschmar nach 25-jähriger Tätigkeit in der Flüchtlingshilfe, derzeit an der Dahlhauser Straße in Horst. „Durch das persönliche Kennenlernen werden viele Ängste aufgehoben“, sagt die dienstälteste Flüchtlingsberaterin. „Im Moment, wo man Gesichter hat, sind viele Ängste vorbei.“

Darauf hofft auch Laas Trimhold aus Altenessen. Er wohnt in unmittelbarer Nähe der ehemaligen Boecker-Verwaltung an der Hülsenbruchstraße und ist noch immer sauer auf die Stadt, die ihn nicht eher über die Einrichtung der Flüchtlingsunterkunft informiert hat. „Ich weiß, dass Eigentum verpflichtet. Aber ich kann als Hauseigentümer nicht für alle Kriege dieser Welt gerade stehen.“ Der Wert seiner Immobilie habe nicht nur an Wert verloren, sondern der erste seiner fünf Mieter drohe mehr oder weniger mit dem Wegzug, wenn es Probleme mit dem benachbarten Heim gibt: „Natürlich hat man Angst, dass sich die Bewohner benehmen wie offene Hose.“

Belastungen möglichst gering halten

Das Diakoniewerk versucht im Auftrag der Stadt, die Belastungen möglichst gering zu halten. „Deshalb werden wir an der Hülsenbruchstraße eine Doppelbesetzung im Zwei-Schicht-Betrieb mit vier ,Kümmerern’ einrichten“, kündigt Martin Brock an. „Sie sind von morgens 7 bis abends 17 Uhr auch für die Nachbarn erreichbar.“

Laas Trimhold (47), dessen Großvater das Haus am Bahnübergang nach dem Krieg gebaut hatte, setzt auf die Kompetenz des Diakoniewerkes. „Es scheint ein vernünftiges Konzept zu haben. Und mit Herrn Bock haben wir vereinbart, dass wir als Nachbarn das Haus besichtigen dürfen, um zu sehen, wie die Leute dort leben.“

Von der Bundesregierung erwartet er, dass die Bearbeitungszeit von Asylanträgen kürzer wird und nicht mehr über sieben Monate dauert: „Man sieht doch, dass da etwas falsch läuft.“