Tram fährt in Essen-Dellwig nicht wie geschmiert

Anwohner beschweren sich über den Lärm, den die Straßenbahn der EVAG in der Gleisschleige an der Wertstraße verursacht.
Anwohner beschweren sich über den Lärm, den die Straßenbahn der EVAG in der Gleisschleige an der Wertstraße verursacht.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Seit Jahren beschweren sich Nachbarn über Lärm der kreischenden Räder. Jetzt gab es einen „Friedenstermin“.

Essen-Dellwig..  „Ich sehe Licht am Ende des Tunnels“, sagt der Bezirksvertreter Klaus-Dieter Pfahl, während hinter ihm gerade die Tram 103 leise durch die Gleisschleife an der Endhaltestelle Wertstraße rollt. Doch, um das Bild des Dellwigers in Sachen Lärmbelästigung zu ergänzen, einen Platz an der Sonne haben die Nachbarn an Wert-, Zug- und Dellwiger Straße noch nicht.

Seit mittlerweile rund vier Jahren kämpfen Pfahl und ein Teil der Nachbarschaft gegen die kreischenden Bahnen im Dreieck. Ende 2011 installierte die Essener Verkehrs AG (Evag) eine stationäre Anlage, die automatisch die Räder mit einer Schmiere versieht und ein leises Rollen gewährleisten soll. Doch die funktionierte jahrelang eher unbefriedigend. Und auch von den sechs Essener Bahnen, die derzeit mit einer mobilen Schmieranlage versehen sind, rollen nach Aussage der Nachbarn viel zu selten Exemplare nach Dellwig, oder sie funktionieren nicht (wir berichteten). Eine Antwort auf einen Antrag in der Bezirksvertretung IV vom Dezember 2014, ein Lärmgutachten erstellen zu lassen, hat es bislang noch nicht gegeben. Vorher schon hatten Pfahl und die Nachbarn in Eigenregie den Lärm gemessen und gaben einen Spitzenwert von 94,2 Dezibel an – das ist ein wenig leiser als eine Kreissäge.

Was Pfahl und den anwesenden Nachbarn nun wie ein Streiflicht am Ende des Tunnels erscheint – der Ratsherr und Evag-Aufsichtsrat Friedhelm Krause (CDU) hatte einen „Friedenstermin“ mit Evag-Verantwortlichen vor Ort vermittelt – ist der aktuelle Zustand der Schmieranlage. Die ist nunmehr vollständig in Betrieb, ein zweites Schmierloch an den Gleisen trocknete lange ungenutzt vor sich hin. „Wir hätten nicht gedacht, dass das eine Entlastung bringt. Aber es scheint in letzter Zeit besser geworden zu sein“, kommentiert Pfahl.

Viel mehr allerdings, da ist der Bereichsleiter Schienen bei der Evag, Wilfried Kühn, offen, könne man nicht tun. „Wir schauen, dass die stationäre Anlage intakt ist und schicken so viele Bahnen mit der mobilen Schmierung nach Dellwig, wie möglich. Außerdem weisen wir die Fahrer noch einmal an, mit nicht mehr als zehn Kilometern in der Stunde in die Schleife einzufahren“, sagt Wilfried Kühn. Zusätzlich wolle er versuchen, noch einmal zusätzliche Schmiere auf die Gleise aufzutragen. Die Aussage blieb allerdings einigermaßen vage, Vorgaben in puncto Verkehrssicherheit ließen hier für den Verkehrsbetrieb nicht viel Handlungsspielraum.

Die Nachbarn bleiben skeptisch, auch weil wohl nicht zu jeder Zeit die Bahnen die Schleife so langsam und leise nehmen, wie zum Ortstermin mit dem Evag-Offiziellen. Monika Littmann wohnt gar nicht direkt an der Haltestelle, sondern in einem Block um die Ecke an der Dellwiger Straße: „Morgens früh um Fünf ist das Quietschen am schlimmsten.“ Pfahl kündigte an, bei weiterem Lärm bis vor das Verwaltungsgericht Gelsenkirchen ziehen zu wollen.