Spindelmann-Stiftung bleibt ein Segen für die Bürger

Bezirksbürgermeister Hans-Wilhelm Zwiehoff am Grabstein von Heinrich Spindelmann auf dem ehemaligen Friedhof Altenessen an der Erbslöhstraße.
Bezirksbürgermeister Hans-Wilhelm Zwiehoff am Grabstein von Heinrich Spindelmann auf dem ehemaligen Friedhof Altenessen an der Erbslöhstraße.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Der 1927 verstorbene Heinrich Spindelmann legte fest, dass Waisen und Kinder von Alleinerziehenden mit seinem Geld unterstützt werden sollen.

Essen-Altenessen/Karnap..  „Da hat sich mal jemand etwas Vernünftiges ausgedacht!“ Ein glattes „Sehr gut“ in Betragen würde Mechthild Bönte, Rektorin der Karlschule in Altenessen, wahrscheinlich Heinrich Spindelmann geben – wenn dieser nicht schon 1927 gestorben wäre. Denn der aus Altenessen stammende Viehhändler und Importkaufmann hatte sein Millionen-Vermögen den Waisen- und Halbwaisenkindern vermacht. Voraussetzung für die Unterstützung: Die Mutter muss bei der Geburt des Kindes im Bereich der früheren Bürgermeisterei Altenessen einschließlich Karnap gewohnt haben.

Das war 1922, fünf Jahre vor dem Tod „des verdienstvollen Bürgers der Stadt Essen“, wie es auf dem Grabstein heißt. Seitdem schüttet die Heinrich-Spindelmann-Stiftung Jahr für Jahr Gelder aus – aktuell knapp 150 000 Euro. Zum Dank pflegt die Stadt sein Ehrengrab auf dem ehemaligen Altenessener Friedhof an der Erbslöhstraße.

Der Stiftungsgründer Johann Heinrich Spindelmann wurde am 31. Mai 1878 in Altenessen geboren. Als er acht Jahre alt war, verstarb seine Mutter. Sein Vater war zu diesem Zeitpunkt bereits nach Amerika ausgewandert. Heinrich Spindelmann wusste also aus eigener Erfahrung, was es heißt, in einem Waisenhaus aufzuwachsen. Deshalb sollten mit seinem Vermögen, das er sich erarbeitet hatte, Kinder oder Jugendliche aus der engeren Heimat des Stifters mit ähnlichem Schicksal unterstützt werden.

288 Kinder bekommen derzeit Hilfe

Heinrich Spindelmann, von dem es offenbar kein Foto mehr gibt, ahnte, dass der Hilfebedarf in Karnap und Altenessen besonders groß war. Aktuell erhalten 288 Kinder und Jugendliche eine finanzielle Unterstützung. Schüler ab der Klasse 7 dürfen sich über 100 Euro im Monat freuen, ebenso werden Lehrlinge und Studenten gefördert.

Was die Antragsteller mitbringen müssen, hat Heinrich Spindelmann ebenfalls festgelegt: Disziplin. So werden Schüler, die mehr als fünf Schulstunden im Halbjahr unentschuldigt fehlen, von der Liste gestrichen. Seit vergangenem Sommer waren es bereits 32 Kinder.

Hans-Wilhelm Zwiehoff (61) ist Bezirksbürgermeister in Altenessen und Karnap. Er weiß um die Not in zahlreichen Haushalten. „Armut wohnt im Norden und ist weiblich“, sagt er und meint die vielen alleinerziehenden Mütter, die kaum wissen, wie sie über die Runden kommen sollen. „Wenn sie für ihre zwei, drei, vier Kinder die Unterstützung der Stiftung bekommen, dann ist das schon eine große Hilfe“, sagt der Vater zweier Söhne.

Aus seiner Sicht könnten noch viel mehr Anträge im Sozialamt eingehen, weil die Zinserträge es derzeit zulassen. „Aber viele Leute lesen wohl nicht die Briefe, die sie bei der Einschulung ihrer Kinder bekommen“, wundert er sich.

Als Oberbürgermeister ist Reinhard Paß offiziell Vorsitzender der vierköpfigen Pflegschaft. Denn die Stiftung ist nicht selbstständig, sondern wird von der Stadt verwaltet. Er entsendet allerdings traditionell den Bezirksbürgermeister in das Gremium, derzeit also Hans-Wilhelm Zwiehoff (SPD). Den zweiten Politiker bestimmt der Rat, aktuell mit Johannes Werner Schmidt der CDU-Fraktionsvorsitzende in der Bezirksvertretung V. Komplettiert wird das Gremium durch zwei Lehrerinnen: Roswitha Tschüter von der Hauptschule an der Wächtlerstraße und Sabine Barkhoff-Pleines von der Bückmannshof-Grundschule.

Dieses Quartett entscheidet letztlich jedes halbe Jahr über die Vergabe der Gelder. Allerdings bereiten zwei Expertinnen aus dem Sozialamt die Anträge von Schülern, Studenten und Vereinen vor.

Nachdem jüngst die Satzung modernisiert wurde, kann die Stiftung nun auch Beihilfen leisten, um talentierte Kinder zu unterstützen. „Dazu gehört zum Beispiel ein Musikkurs oder Hilfe bei der Existenzgründung, damit junge Leute beruflich Fuß fassen können“, erläutert Angelika Lorbeer, die im Sozialamt gemeinsam mit ihrer Kollegin Schlinkmann die Anträge entgegen nimmt. In der Regel seien es Hartz-IV-Haushalte, die von der Stiftung profitieren. Allerdings informierten sich auch immer mehr Studenten im Internet unter www.essen.de über Fördermöglichkeiten.

Die Unterstützung der Schulen schwankt je nach Antrag, mal sind es 1000 Euro, dann auch mal 5000 Euro. Die Karlschule etwa bekam schon Gelder für ihre Bücherei und Klassenräume oder konnte sich eine Spielzeugkiste für ihre „bewegte Pause“ anschaffen. „Wir sind richtig froh darüber. So etwas brauchen wir einfach“, sagt Leiterin Mechthild Bönte.

Kunstraum wird zur Mensa

Das findet auch Felix Busch, Rektor der Emscherschule. Er kann Heilpädagogin Martina Göhring einstellen, damit diese sich um Vorschulkinder kümmert. „Sie lernen vom Frühjahr bis Sommer unsere Schule spielerisch kennen, so dass der Übergang von der Kita sehr sanft ist“, schildert der Rektor. Die Heinrich-Spindelmann-Stiftung beteiligt sich zur Hälfte am Honorar.

Richtig in die Schatulle packt die Stiftungspflegschaft allerdings für das Leibniz-Gymnasium in Altenessen. Hier sind rund 125 000 Euro notwendig, um den alten Kunstraum in eine Mensa umzubauen. Die Kücheneinrichtung hat die Schule bereits, aber bisher fehlte das Geld für den Einbau.

50 000 Euro hat die Schule inzwischen durch Aktionen wie Sponsorenlauf, Schulfeste oder ein Küchenkonzert selbst geschultert. Zur Freude von Schulleiter Martin Tenhaven stehen nun auch weitere 50 000 Euro im Doppelhaushalt 2015/16, so dass die Finanzierungslücke immer kleiner wird. Und damit kam die Heinrich-Spindelmann-Stiftung ins Spiel. Wenn die letzten organisatorischen Fragen über den Betrieb der Mensa geklärt sind, dann ist die Finanzierung gesichert. „Ich denke, im Januar ist der Deckel drauf“, blickt Martin Tenhaven optimistisch ins neue Jahr.

Derweil Hans-Wilhelm Zwiehoff weitergehende Pläne hat, um die Stiftungsgelder noch zielgerichteter für die Kinder in Altenessen und Karnap einsetzen zu können. Die Aufgaben der Stiftung werden offenbar nicht geringer.