Schönste Zeit des Lebens
23.05.2007 | 06:46 Uhr 2007-05-23T06:46:50+0200Im Julius-Leber-Haus hat sich seit über 25 Jahren zum Treffpunkt für Kinder und Jugendliche entwickelt Im eigentlich als Bürgerzentrum konzipierten Awo-Haus haben die Rocktage Ost ihre feste Heimat.
SCHWERPUNKT JUGENDHÄUSERLeithe. Das Julius-Leber-Haus ist kein klassisches Kinder- und Jugendzentrum, sondern ein Bürgerhaus. In den Räumen treffen die Generationen aufeinander. "Senioren und Kinder besuchen zwar keine gemeinsamen Gruppen", erklärt Erzieher Jürgen Zips-Zimmermann. "Es prägt aber die Atmosphäre des Hauses. Manchmal gibt es Probleme, dann finden sich Lösungen. So bleiben alle in Kontakt."
Im Keller liegen die Jugendräume. Kicker, Billardtisch, Küche und Mädchenraum sind die Treffpunkte beim "Offenen Bereich". Flexibilität ist das Markenzeichen der Räume. In diesem Umfeld können Betreuer, Kinder und Jugendliche immer wieder neue Aktionen starten. "Die Ansprüche an Jugendarbeit ändern sich", sagt Jürgen Zips-Zimmermann. "Offene Jugendarbeit hat den Vorteil, dass wir keine starren Programme an den Bedürfnissen der Kinder vorbei planen."
Auf diese Weise ist vor drei Jahren der Spielplatz am Haus entstanden. Die Idee kam damals von den Kindern selbst. Sie waren bei der Planung unmittelbar dabei. Nach ihren Wünschen richtete sich die Gestaltung. Das stärkt die Verbundenheit mit dem Haus. "Es zeigt den Kindern, dass ihre Meinung wichtig ist", betont Harald Seidel-Hardt, zuständig für den Kinderbereich.
Ebenfalls neu ist die Pokerrunde im "Julius". "Pokern ist einer der aktuellen Trends. Jeder will jetzt die Karten halten", sagt Jürgen Zips-Zimmermann. "Natürlich spielen wir nicht um Geld, sondern haben extra Poker-Chips gekauft. Ich habe mal mitgespielt und haushoch verloren. "
Nicht alles läuft immer ohne Probleme ab. Da im Haus Rockmusik, Hip Hop und andere Jugendkulturen ihren festen Platz haben, gibt es hin und wieder Stress mit den Nachbarn. Das "Julius" liegt mitten im Wohngebiet. "Da denken viele, das sei der falsche Platz", sagt Zips-Zimmermann. "Wir dagegen halten ihn für optimal. Das Haus ist ein fester Teil des Lebens der Kinder."
Die Kleinen können bequem laufen. Sie kommen meist aus der Nachbarschaft und sind froh, dass sie keine weiten Wege haben. Jugendliche lassen sich von der abgelegenen Lage nicht aufhalten. Sie nutzen den Bus oder sind selbst mobil. Für sie ist das Bürgerhaus eine feste Adresse. Da stört der Anfahrtsweg nicht.
"Früher war das Haus die Heimat von einigen großen Gruppen",erinnert sich Jürgen Zips-Zimmermann. "Jetzt treffen sich hier eher Einzelpersonen. Es ist ruhiger geworden. Früher gab es Konkurrenz unter den Gruppen." Im Vordergrund stehen jetzt technische Möglichkeiten. Internet ist beliebt und im Tonstudio nehmen Rapper ihre Texte auf.
Doreen Gamisch kümmert sich um die Wünsche der Mädchengruppe. Mittwoch ist der Mädchentag, das bleibt der Keller für die Jungs geschlossen. Von 15 bis 21 Uhr können die Mädels ungestört quatschen, kickern, Billard spielen oder das Internet nutzen. "Auch hier richten wir uns nach den Wünschen unserer Mädchen", sagt Doreen Gamisch. "Gerne machen wir auch Ausflüge oder entspannen einfach mal gemeinsam."
Letztens traf Harald Seidel-Hardt einen alten Bekannten. Früher häufig im "Julius", ist er mittlerweile erwachsen und hat die Räumlichkeiten seit langen nicht mehr von innen gesehen. "Er sagte, die Zeit bei uns wäre die schönste Zeit seines Lebens gewesen", erzählt Seidel-Hardt. "So etwas macht stolz und zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind."
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