Rucksackmütter putzen Fenster und fegen den Schulhof

Von links: Rükayya Hade, Omeidia Muhammad, Parwin Ahmadi, Fatima Yavuz, Sevilay Azak, Fadda Alhaddad, Necla Matyr und Hayat Mohammad.
Von links: Rükayya Hade, Omeidia Muhammad, Parwin Ahmadi, Fatima Yavuz, Sevilay Azak, Fadda Alhaddad, Necla Matyr und Hayat Mohammad.
Foto: WAZ FotoPool
Sie lernen gemeinsam Deutsch oder kochen. Die Rucksackmütter der Nordviertelschule packen aber auch an, wenn’s erforderlich ist.

Nordviertel.. Die Rucksackmütter haben ihren Namen von dem Rucksackprogramm, einem städtischen Projekt zur Integration. „Wir lernen gemeinsam Deutsch oder kochen“, sagt Angela Offermann. Die Lehrerin übernahm vor mehr als einem Jahrzehnt die Koordination an der Nordviertelschule und machte auch weiter, als sie nicht mehr dort unterrichtete.

Die Gruppe von 15 Müttern aus verschiedenen Nationen trifft sich jeden Freitag. Darunter sind Frauen, deren Kinder bereits nicht mehr in die Nordviertelschule gehen, denen das Wohl der Schule aber weiter am Herzen liegt. Zu Anfang ging es vor allen Dingen darum, die deutsche Sprache zu lernen. Die Sprache hat im Laufe der Jahre nicht an Bedeutung verloren, der Themenkreis bei den freitäglichen Treffen hat sich allerdings deutlich vergrößert. „Die Frauen sagen, welche Themen sie behandeln wollen“, erklärt Anakadin Erkin. Sie ist städtische Elternbegleiterin, das, was man früher „Stadtteilmutter“ nannte.

Probleme in der Schule, Ernährungsfragen, Sicherheit im Straßenverkehr oder Sexualaufklärung – die Palette möglicher Fragen, die die Mütter beschäftigen, ist groß. „Wenn erforderlich, laden wir externe Berater ein, die uns weiterhelfen können“, sagt Offermann.

Am Montagmorgen war das nicht nötig. Die Rucksackmütter packten selbst an. „Die Fenster werden nur zweimal pro Jahr im Auftrag der Stadt geputzt. Die haben es nötig“, sagt Angela Offermann. Und auch der Schulhof kann eine Säuberungsaktion vertragen. Mit Eimern, Putzlappen, Schrubbern, Besen, Papier-Piksern und Müllsäcken bewaffnet, machten sich die Rucksackfrauen ans Werk.

Spielmöglichkeiten fehlen

„Wir versuchen etwas zu erreichen. Und wenn man gemeinsam etwas erreichen möchte, dann klappt das auch“, sagt Sevilay Azak, deren Kinder hier zur Schule gehen. Zu tun gebe es einiges. Mit ihren Aktionen wollen die Frauen auch etwas für das Image des Stadtteils tun, in dem sie leben und in dem sie sich offenbar wohlfühlen. „Das Nordviertel ist besser als sein Ruf“, sagt die 37-jährige Türkin mit Nachdruck, greift zum Schrubber und macht sich wieder ans Putzen.

Ein nächste Aufgabe haben die Frauen bereits fest ins Auge gefasst. Der Hof der Nordviertelschule braucht nämlich mehr als nur Sauberkeit.

Es fehlt an Spielmöglichkeiten. Und Farbe würde auch gut tun.

„Die Frauen haben Unterschriften für die Schulhofsanierung gesammelt. Finanzielle Mittel wurden uns schon zugesagt“, erklärt Angela Offermann, die sich auch ein Projekt wie einen Schulgarten vorstellen kann.