Projekt mit langem Atem
21.02.2012 | 18:31 Uhr 2012-02-21T18:31:00+0100
Katernberg.Ein Biopark mit ökologischer Landwirtschaft auf der Bonnekamphöhe in Sichtweite des Förderturms – davon träumen Claus Dürscheidt, Geschäftsführer des Restaurants Casino Zollverein, und der Biologe Hubertus Ahlers schon lange. Im Jahr 2004 unternahm das Duo den ersten Anlauf, doch damals scheiterte der „Garten Zollverein“ am Veto der benachbarten ECA-Siedlergemeinschaft, die das 2,6 Hektar große Areal naturbelassen erhalten wollen. Nun kommt wieder Bewegung in die Sache, große Teile der Brachfläche wurden eingezäunt und auch ein Feuchtbiotop angelegt.
Bernhard Ebing, bis 2008 Vorsitzender der Siedlergemeinschaft, traute seinen Augen kaum, als er im Oktober vergangenen Jahres den stabilen Metallzaun sah, der weite Teile des Grünlandes für Spaziergänger unbegehbar macht. Neben dem Teich wurden auch schon einige Randsteine – wohl für Beete – gesetzt. „Und dies alles, ohne das es mit dem geltenden Planungsrecht vereinbar wäre“, ist Ebing überzeugt. Denn hier, und dies habe er sich schon im Jahr 2004 vom Amt für Stadtplanung und Bauordnung bestätigen lassen, handele es sich um „Verbandsgrünland“, das eine Parzellierung nicht zulässt.
Die planungsrechtliche Wahrheit allerdings liegt wohl in der Mitte. Wie Detlef Robrecht, Abteilungsleiter des Amtes für Bauaufsicht, Bauberatung und Baustatik auf Nachfrage bestätigt, existiert für die grüne Brache ein rechtsgültiger Bebauungsplan. Dieser weist große Teile der Fläche zur landwirtschaftlichen Nutzung aus. Nur eine geringe Teilfläche im nordöstlichen Grundstücksbereich sei als „private Grünfläche“ und „Gärten für Hobbytierhaltung“ festgesetzt. Bestätigt sei auch die Nutzung für Dauerkleingärten, wie sie bereits seit langem im nordwestlichen Bereich der Fall ist. Dass es sich bei dem gesamten Areal um eine Verbandsgrünfläche handelt, sei bei der Bewertung, welche Nutzung zulässig sei oder nicht, eher sekundärer Natur, so Robrecht.
Eine Einfriedung des Geländes und auch das Anlegen eines Teiches seien indes rechtens. Ob jedoch die geplante Nutzung – der Obst- und Gemüseanbau von zum Teil exotischen Pflanzen wie die „Violette Tomate“ und den „Braunen Trotzkopf“ einer landwirtschaftlichen, profitorientierten Nutzung genügt, darüber berät derzeit die Landwirtschaftskammer NRW. „Eine entsprechende Voranfrage wurde formuliert und liegt uns vor“, sagt Robrecht, „doch bislang hat die Kammer eine landwirtschaftliche Nutzung nicht attestieren können.“ Am 14. Februar habe Robrecht noch einmal nachgefragt. Status Quo: „Der Fall ist noch in der Prüfung.“ Auch, weil sich die Beratungsgrundlage verändert hat. So haben Claus Dürscheidt und Hubertus Ahlers als Betreiber der „Casino-Garten GbR“ einen so genannten Business-Plan nachgereicht, über den die Kammer nun berät. Dürscheidt: „Wir werden ökologisch produzieren und diese Waren auch verkaufen. Die Entwicklung des Areals erachten wir als durchweg positiv und wertvoll für die Region.“
Sollte jedoch auch der neue Antrag der Prüfung der Landwirtschaftskammer in Mettmann nicht standhalten, würde dies nicht nur Bernhard Ebing, sondern auch zahlreiche Hundefreunde aus der Siedlung und dem direkten Umfeld freuen. Beispielsweise Detlef Schneider. Seit 1999 wohnt er in der Straße Kleiner Bruch, nutzt das innerstädtische Grün gerne für Spaziergänge mit seinem Hund Neska. Der neue Zaun behagt ihm jedoch gar nicht. Noch weniger jedoch der Teich, den er als echtes „Sicherheitsrisiko“ für Kinder und Vierbeiner einstuft. „Schon jetzt wurde der Zaun untergraben, bietet also nur bedingt Schutz“, sagt er.
Detlef Robrecht gibt jedoch eines zu bedenken: „Es handelt sich hier nicht etwa um öffentlichen Raum, sondern um eine private Fläche mit beschränkter Nutzungsmöglichkeit. Unabhängig der Bewilligung des Projektes, darf der Eigentümer das Betreten des Areals untersagen.“
Historie im Stenogramm
Bereits im Jahr 2004 wollten Claus Dürscheidt und Hubertus Ahlers auf einem Teil des 2,6 Hektar großen Areals Bonnekamphöhe den „Garten Zollverein“ schaffen. Da nur das Land, nicht aber die Stadt finanzielle Hilfe zusagte, geriet der Plan ins Stocken – aber nicht in Vergessenheit.
Im Jahr 2010 nahm das Duo unter dem Namen „Casino-Garten GbR“ einen neuen Anlauf. Beide haben eine 8000 Quadratmeter große Fläche gepachtet, die sie nun bewirtschaften wollen. Besitzer des Gesamtareals ist die Düsseldorfer Maklerfirma Immobilienkontor.
Im Dezember 2011 brachte die GbR ihre Pläne in Grundzügen in der Katernberger Stadtteilkonferenz zur Sprache. „Von Politik und Kleingärtnern gab es dabei ein positives Feedback“, sagt Claus Dürscheidt.
Im April 2012 wollen er und sein Partner Ahlers – ein positiver Bescheid der Landwirtschaftskammer vorausgesetzt – ihr Konzept präsentieren.
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