Noch kein ausreichendes Gebot für Borbecker Parkhaus

Sorgenkind in Borbeck: Das ehemalige Karstadt-Parkhaus
Sorgenkind in Borbeck: Das ehemalige Karstadt-Parkhaus
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
1,14 Mio. Euro soll der Verkehrswert des Parkhauses in Borbeck betragen. Noch ist es nicht versteigert.

Borbeck.. Borbeck muss weiterhin mit dem leer stehenden ehemaligen Karstadt-Parkhaus leben. Bei der gestrigen Zwangsversteigerung gab es kein ausreichendes Gebot. Nun muss das Amtsgericht Essen einen weiteren Anlauf unternehmen, um einen Käufer für die Immobilie an der Wüstenhöferstraße zu finden.

Die Stadt Essen hatte die Zwangsversteigerung beantragt. Denn sie wartet noch immer auf 61.185,53 Euro an Grundbesitzabgaben. Diese hätte eigentlich die Parkhaus-Eigentümerin, die Firma HIDD Essen-Borbeck BV aus dem niederländischen s-Hertogenbosch entrichten müssen. Doch dieses Unternehmen aus der vornehmen Peperstraat ist seit drei Jahren insolvent, übrigens ebenso wie gleichnamige HIDD-Firmen als Eigentümer von Kaufhäusern u. a. in Herne, Dortmund und Meschede.

Beim gestrigen Versteigerungstermin musste Rechtspfleger Harry Brokopf mindestens die Hälfte des Verkehrswertes erzielen, um den Zuschlag erteilen zu können. Ein Gutachter hatte den Wert auf 1,141 Mio. Euro festgesetzt. Eine Beobachterin im Zuschauerraum hielt das für viel zu hoch. „So viel ist das Parkhaus nicht wert. Ich halte 80.000 bis 100.000 Euro für realistisch“, sagte die 54-Jährige. Als Borbeckerin habe sie sich in dieser Woche unter Immobilienbesitzern im Stadtteil umgehört und von allen Seiten erfahren: „Keiner bietet 1 Million für das Parkhaus.“

Deshalb schritt sie zur Tat. Um die bei der ersten Versteigerung rechtlich vorgesehene 5/10-Grenze zu kappen, bot sie pro forma 100.000 Euro. Damit bekam sie – wie gewünscht – nicht den Zuschlag, ermöglichte es aber tatsächlich Interessierten, beim nächsten Termin für eine deutlich niedrigere Summe zum Zuge zu kommen.

Parkhaus ist nicht abbruchreif

Denn dass etwas in ihrer Innenstadt geschehen muss, darin sind sich alle Borbecker einig. Aber was? Noch steht im Grundbuch die Forderung, auf dem 2500 Quadratmeter großen Grundstück ein Parkhaus (für Karstadt) zu errichten. Ob die Stadt auf dieser Baulast besteht, muss vor dem nächsten Versteigerungsversuch geklärt werden. „Hinterher hat man ein Grundstück an der Backe, aber keine Nutzung“, befürchtet die Borbeckerin.

Gläubiger darf den Zuschlag verweigern

CDU-Bezirksvertreter Bernhard Tonner, der die Versteigerung ebenso verfolgte wie Klaudia Ortkemper vom Initiativkreis Centrum Borbeck (CeBo), sieht nach dem gestrigen Tag einen Hoffnungsschimmer. „Wir haben jetzt endlich die Chance, das Parkhaus zu verkaufen und abreißen zu lassen.“ Was an seine Stelle treten könnte, steht allerdings in den Sternen. Seniorenwohnungen sind im Gespräch, andere träumen von einem kleinen Park.

Jürgen Becker, dem zahlreiche Immobilien in Borbeck gehören, sieht dagegen eine Zukunft für das Parkhaus: „Es ist nicht abbruchreif.“ Dass von der mangelnden Standfestigkeit gesprochen wird, hält er für „Politik“. Er selbst werde aber kein Gebot abgeben: „Ich gehe das Risiko mit dem Parkhaus nicht ein“, sagt er in aller Deutlichkeit.