Nach Unwetter - Bürger bauen in Essen Mauern und Sperren

Nach dem Unwetter haben Familie Meyer und Behrendt sich einen eigenen Hochwasserschutz vor ihren Häusern im Postreitweg errichtet. Maximilian Meyer und Alexander Sedat haben die Seitenmauern um etwa 50 cm aufgestockt. Foto von Mittwoch, 30.07.2014. Foto zeigt vl. Maximilian Meyer und Alexander Sedat.
Nach dem Unwetter haben Familie Meyer und Behrendt sich einen eigenen Hochwasserschutz vor ihren Häusern im Postreitweg errichtet. Maximilian Meyer und Alexander Sedat haben die Seitenmauern um etwa 50 cm aufgestockt. Foto von Mittwoch, 30.07.2014. Foto zeigt vl. Maximilian Meyer und Alexander Sedat.
Foto: WAZ FotoPool
Der Postreitweg in Essen-Frohnhausen führt durch ein Tal. Zum zweiten Mal hat sich hier nach einem Unwetter ein See gebildet, der die Keller und Garagen der Anwohner überflutet hat. Jetzt greifen die Bürger zur Selbsthilfe, vermauern ihre Garage und bauen Wassersperren auf.

Essen.. Niemand hatte die Absicht, eine Mauer zu errichten – bis die Unwetter über Essen hinwegzogen. Erst das Sturmtief „Ela“ und nun das Gewitter am Montag: Sie ließen der Familie Meyer aus Frohnhausen keine andere Wahl. Ähnlich erging es ihren Nachbarn. Auch sie griffen zu Mörtel und Kelle und verbarrikadierten gar ihre Garage. Jetzt zeugt eine schwarze Wand von den Wetterkapriolen.

Wolfgang Krämer kennt hier die Topographie. Er hat, bevor er nach Haarzopf gezogen ist, früher selbst am Postreitweg gewohnt und weiß, dass dieser durch ein Tal führt. Hier bildet sich sofort ein See, wenn sich die Schleusen im Himmel so heftig öffnen wie vergangene Woche.

Hilfe von den Nachbarn

Als Wolfgang Krämer am Montag wieder in der alten Heimat unterwegs war, ahnte er sofort, dass die ehemaligen Nachbarn Hilfe brauchten: „Schon bei der Anfahrt über die Onckenstraße und Dresdener Straße sah ich im Bereich des Rüdesheimer Platzes enorme Wassermassen, die in Richtung Postreitweg strömten. Die Anwohner standen schon auf der Straße, um den Verkehr davon abzuhalten, weiter in den Postreitweg einzufahren, denn die Wellen, die die Autos verursachten, ließen das Wasser überschwappen und in die Garagen laufen.“

Doch musste es soweit kommen? War kein Kraut gewachsen gegen diese in dieser Form unbekannten Unwetter und Wassermassen? Iris Meyer ist sich sicher, eine Ursache zu kennen: Verstopfte Gullys. „Wir haben jede Menge Laub und Unrat aus den Gullys genommen und die Abflüsse wieder frei gemacht. Da erst konnte das Wasser abfließen“, berichtet die Frohnhausenerin.

Selbsthilfe bei Familie Meyer

Trotzdem greift Familie Meyer zur Selbsthilfe. Sohn Max fasste die Einfahrt zu ihrer Garage im Souterrain mit zwei 50 cm hohen Mauern ein. Nun kann kein Wasser mehr von der Seite in die Garage strömen. Außerdem verlegte er eine aufklappbare Sperre zwischen Gehweg und Einfahrt.

Bisher ist der Hochwasserschaden schon beträchtlich. Neben Auto und Motorrad, Waschmaschine und Trockner sei auch ihr im Keller untergebrachtes Kosmetikstudio überschwemmt worden. Iris Meyer geht von etwa 40 000 Euro Schaden aus. „Obwohl die Versicherung den größten Teil übernimmt – 5000 Euro muss man mindestens selbst bezahlen“, rechnet sie vor.

Einfahrt wird zugeschüttet

Ihre Nachbarin Cindie Behrendt hat eine ganz andere Konsequenz gezogen: Sie ließ die Garage im Keller schlichtweg zumauern. „Das ging nicht mehr anders“, sagt sie, „1,70 Meter Wasser im Keller haben einfach gereicht.“ Die Einfahrt werde jetzt zugeschüttet, so dass wenigstens ein Stellplatz erhalten bleibt.

Iris Meyer hat derzeit eine ähnliche Gefühlslage: „Bei jeder dunklen Wolke bekommt man inzwischen Schweißperlen auf die Stirn.“

Drei Saugfahrzeuge reinigen die Gullys

Über verstopfte Gullys (rund, Straßenmitte) und verstopfte Rinneneinläufe (eckig, Straßenrand) am Postreitweg beklagen sich die Anwohner. Die Stadtwerke, so Pressesprecherin Christin Nottenbohm, setzen drei Saugfahrzeuge ein, die innerhalb eines Jahres alle Gullys und Einläufe reinigen sollen. Dazu ist das Stadtgebiet in Reviere aufgeteilt. Außerdem werden die Saugfahrzeuge auch an Schwerpunkten eingesetzt, an denen besonders viel Laub herabfällt. Dort werde auch mehrmals im Jahr gereinigt. Am Frohnhauser Postreitweg wundern sich die Anwohner zudem über einen Gully hoch oben auf einer Bodenschwelle, wo kaum Wasser einlaufen könne. Er diene nur zum Einstieg in die Kanalisation, so die Sprecherin. Vor der Bodenschwelle müssten, so die Regel, Rinneneinläufe Wasser aufnehmen.

EURE FAVORITEN IN DIESER STUNDE