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Konzertreihe im Casino Zollverein

Musik, die durch die Woche trägt

18.06.2012 | 19:32 Uhr
Musik, die durch die Woche trägt

Altenessen. Dass man im Casino Zollverein sehr gut speisen kann, ist bekannt. Und dass in der Gastronomie schon so manche Party gefeiert und so manches Konzert über die Bühne ging, dürfte sich ebenfalls herumgesprochen haben. Die „Casino Serenaden“, die seit mehr als drei Jahren Kultur und Kulinarisches verbinden, gelten in der Szene eher als „Geheimtipp“. Grund genug, sie einmal etwas näher zu beleuchten.

Elisabeth Esch ist Sopranistin und zugleich verantwortlich für das Musikprogramm der „Serenaden“, die am 30. November 2008 erstmals im Casino erklangen. Damals sang sie selbst, nur begleitet von Pianist Michael Zieschang, und servierte zum Drei-Gänge-Menü Lieder von Schumann, Brahms und Strauss. Vergessen hat sie die Premiere bis heute nicht, „weil die Gäste so begeistert waren von diesem dreistündigen Konzertabend“, wie sie sagt.

Unvergessen auch ihre erste Berührung mit Zollverein. „Ich hatte vorher in Berlin gelebt und kannte das Casino daher nicht“, sagt Esch. Um die Akustik zu testen, hatte sie sich einfach in den Raum gestellt und ein paar Töne gesungen. „Vom ersten Moment an war ich fasziniert. Der Klang trägt und der Ton klingt wie in einer Kathedrale“, schwärmt sie.

Doch nicht allein dies macht die Casino-Serenaden, die vier Mal im Jahr den Jahreszeiten folgen, so einzigartig in der Essener Kulturszene. Es ist auch die Form der Darbietung, die fesselt. Esch: „Normalerweise ist das Publikum nicht so nah dran, wenn es um ausgebildete Stimmen geht.“ Im Casino sitzen die Menschen mitten in der Musik und der Künstler hat einen Rundum-Blick auf sein Publikum. „Es gibt Gäste, die buchen ganz bewusst Tische in direkter Nähe des Künstlers“, ergänzt Gastgeberin Juliane Pollok. Die beiden musikverliebten Damen lernten sich übrigens mitten im Ruhrpott, in Bochum, kennen, wo ihre Töchter gemeinsam das Abitur bauten. Ein Zufall, von dem Kulturfreunde heute profitieren.

Im Schnitt besuchen 80 Liebhaber guter Musik und Küche die Konzerte. „Eine gewisse Exklusivität lässt sich nicht absprechen“, sagt Juliane Pollok. Rund 70 Prozent der Zuschauer sind Stammgäste und „einige habe ich an allen 14 Abenden begrüßen dürfen“, freut sie sich. Dennoch: Ein wenig Platz scheint es im Casino noch zu geben, wenn auch die Kapazität bei 100 Plätzen liegen dürfte. „Wir wollen, bei aller Freude über die Treue unserer Gäste, die Serenaden auf eine breitere Basis stellen“, erklärt die Gastronomin.

Bei der Programmgestaltung überlässt man nichts dem Zufall. „Das läuft ab wie in einer Inszenierung“, erklärt Juliane Pollok. Da stimmt alles – bis hin zur passenden Deko zur jeweiligen Jahreszeit. Nach einer kurzen Begrüßung wechseln sich Menü und Musik ab. Besonders und wichtig ist die Moderation: „Wir erzählen über Leben und Werk der Künstler“, erklärt Esch. „Das ist spannend und die Leute mögen das sehr.“

Das alles ist spielerisch ineinander verwoben, doch jeder Block, jeder Gang hat seine Zeit. „Das Konzert ist nie Hintergrundmusik“, erklärt Elisabeth Esch, „wenn die Künstler musizieren, dann klappert kein Teller oder Gabel.“ Das Personal achtet peinlich darauf, den Hörgenuss nicht zu stören. „Einige unserer Angestellten melden sich sogar extra für die Schicht bei den Serenaden an“, weiß Juliane Pollok.

Das Konzept überzeugt, „weil wir keinen Mainstream bieten, sondern ungewöhnliche Zugriffe auf die Klassik wagen“, wie Esch betont. Zuletzt nahm sich das Trio mit dem schönen Namen Wildes Holz die „Freiheit für die Blockflöte“ – eine fabelhafte Mischung von Alter Musik bis hin zur Moderne. „Ich mache mir stets Gedanken darüber, welches Programm zu den Räumlichkeiten passt“, sagt Esch. Das Casino hat keine Bühne. Schon deshalb brauchen die Künstler eine Personality, eine besondere künstlerische Kraft. Esch: „Ich schaue mir die Musiker an und spüre sofort, ob das passt.“

Ob es gepasst hat, das merkt Juliane Pollok spätestens an den Reaktion des Publikums: „Eine Dame sagte mir nach dem letzten Konzert: Euer Abend hat uns durch die Woche getragen. Ein schöneres Kompliment kann es für uns, die Künstler und unser Team, eigentlich nicht geben.“

Das neue Konzert, die „Serenade – Viva Opera“, thematisiert am Sonntag, 24. Juni, „Liebe und andere Launen“. Es musizieren und singen Elisabeth Esch (Sopran), Waltraud Heinrich (Alt), Malte Godglück (Bariton), begleitet von Dunja Robotti am Klavier.

Drei Frauen und ein Mann, Momente voller Leidenschaft und Hingabe, serviert in verdaulichen Portionen von Liebe und Hass, Trauer und Glück.

Der Eintritt beträgt 74 € für Konzert und Menü mit begleitenden Weinen; 59 € ohne Weine. Es gibt keine Abendkasse. Vorverkauf oder Banküberweisung (BLZ: 360 501 05, Ktn. 200 816) sind möglich. Beginn des Konzertes ist um 18.30 Uhr, Ende gegen 21 Uhr. Informationen unter 830 240 oder unter serenaden@casino-zollverein.de

Michael Heiße


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