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Mütter sind mutig für Kinder

23.07.2007 | 06:42 Uhr

Gleich drei Patinnen kümmern sich um den Spielplatz an der Friedrich-Lange-Straße/Ecke Haus-Berge-Straße.Jeden Tag sehen die Frauen dort nach dem Rechten. Weitere Spielgeräte sind in Planung

Essener Westen. "Man muss einfach den Mut aufbringen, so etwas zu tun", betont Alexandra Rudzka-Di Nisio. "Schließlich geht es ja um unsere Kinder." Mit ihren Nachbarinnen Goldasteh Afshang und Elzbieta Kocielek geht sie mit prüfendem Blick über den Spielplatz an der Friedrich-Lange-Straße/Ecke Haus-Berge-Straße. Die drei Frauen haben die Patenschaft für diese Fläche übernommen. Jeden Tag sehen sie im Wechsel dort nach dem Rechten. Dabei stellen sich die Patinnen Tag für Tag neuen Herausforderungen auf dem Platz.

"Jetzt waren wir einen Tag nicht hier. Schon liegen Müll und Hundehaufen herum", sagt Elzbieta Kocielek empört und zeigt auf die verschmutzten Stellen. Eigentlich läge kein Dreck mehr herum, seitdem die Frauen die Patenschaft übernommen haben. "Heute Morgen waren erst die Männer von der Stadt da, die alles sauber halten." Aber manche Leute ließen einfach nicht mit sich reden. "Am Schlimmsten ist es mit einigen Hundebesitzern", weiß Goldasteh Afshang. Die gebürtige Iranerin lebt seit 18 Jahren in Deutschland. "Sie lassen die Tiere einfach von der Leine, obwohl es auf Spielplätzen nicht erlaubt ist." Überall lägen dann die Haufen. "Viele sagen einfach: Ich zahle ja Steuern dafür", erzählt Elzbieta Kocielek kopfschüttelnd.

"Viele Konflikte ließen sich ganz einfach lösen", berichtet Alexandra Rudzka-Di Nisio. Zum Beispiel grillten früher viele Leute auf dem Rasenplatz. "Wir haben mit ihnen gesprochen und ihnen erklärt, dass es verboten ist." Der Großteil habe dies eingesehen. Andere fühlten sich angegriffen. "Wenn wir gar nichts erreichen können, rufen wir die Mitarbeiter vom Ordnungsamt." Dies sei jedoch selten nötig. Kindern müssten die Frauen zum Teil erklären, dass leere Bonbonpapiere in die Mülltonne gehörten und nicht ins Gebüsch. "Einige Jungen und Mädchen haben das zu Hause nicht gelernt", weiß Di Nisio. "Die Kleinen halten sich meist daran." Auch mit Alkoholikern haben sie keine Probleme. "Zu Beginn waren einige da, die Bier tranken", erinnert sich Goldasteh Afshang. "Aber als wir ihnen erklärten, dass es so nicht geht, sind sie gegangen."

"Es kommen jetzt viel mehr Kinder hierher", berichtet Di Nisio fröhlich. "Es kommen jeden Tag mindestens 30 Jungen und Mädchen." Die neuen Bewegungsgeräte und die beiden Fußballtore böten den Kleinen viele Möglichkeiten zum Spielen und Herumtoben. "Dieser Platz ist einfach ideal für Kinder", betont Di Nisio. "Überall gibt es Hecken und Büsche, in denen sie sich verstecken können." Zusätzlich böte das Grün Schutz vor umliegenden Straßen. Der anliegende Parkplatz sei ideal zum Inlinen. "So hocken sie wenigstens nicht mehr den ganzen Tag vor dem Fernseher oder dem Computer", betont Kocielek.

"Auch die Eltern sollen sich hier wohlfühlen", betont Alexandra Rudzka-Di Nisio. Zu diesem Zweck wollen Mitarbeiter von "Grün und Gruga" Bänke aufstellen. "Unsere Nachbarn kommen aus Spanien, Griechenland, Russland und aus der Türkei", zählt Kocielek auf. "Viele von uns kamen ohne Familie nach Deutschland", führt Di Nisio weiter aus. Sie ist vor zwölf Jahren aus ihrem Heimatland Polen weggezogen. "Diese Leute suchen Kontakt." Der Spielplatz sei ein guter Treffpunkt dafür. Elzbieta Kocielek ist ebenfalls Polin. "Die Mütter können sich hier in Ruhe unterhalten und häkeln, während ihre Kinder spielen", stimmt sie ihrer Nachbarin zu. Für viele sei dies, die einzige Möglichkeit Kontakte zu knüpfen.

"Wir arbeiten alle halbtags", erklärt Elzbieta Kocielek. "Deshalb haben wir Zeit, uns um den Spielplatz zu kümmern." Alexandra Rzdik-Di Nisio setzte sich mit Mitarbeitern des Kinderschutzbundes und des Jugendbüros in Verbindung. "Nachdem alles besprochen war, haben Arbeiter von ,Grün und Gruga' die Rasenfläche begradigt", schildert sie. "Die haben bei Regen und Sturm geschuftet." Jeden Tag seien Kinder gekommen, die helfen wollten. "Für die Kleinen war es wie Weihnachten, als alles fertig war", schmunzelt Kocielek.

Für die Zukunft haben die Frauen verschiedene Pläne. "Wir wollen bald ein Sommerfest organisieren", verrät Di Nisio. Einige Nachbarinnen wollen Kuchen für zukünftige Feste backen. Außerdem möchten die Patinnen Geld für neue Spielgeräte sammeln. "Die Kinder wünschen sich eine Tischtennisplatte", sagt Di Nisio. "Deshalb haben wir eine Spendenaktion ins Leben gerufen. Der Werbering Altendorf hat für die Kinder bereits 100 Euro gespendet", berichtet sie strahlend.

Spenden gehen an das Spendenkonto des Kinderschutzbundes: 114111 bei der National Bank Essen: 360 200 30; Kennwort: zugunsten Spielplatz Friedrich-Lange-Straße"Der Platz ist einfach ideal für Kinder. Es kommen jetzt viel mehr hierher."

Von Jennifer Humpfle



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