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Moses W. witzelt über Fitnesswahn

22.10.2012 | 17:31 Uhr
Moses W. witzelt über Fitnesswahn
Moses W beleuchtet in seinem neues Programm "No Sports!" die Fitnesswelt.Foto: Sebastian Konopka

„No Sports!“ heißt das neue Programm des Essener Comedians Moses W., das er am 28. Oktober in der Zeche Carl uraufführt. Gordon K. Strahl sprach mit ihm über Laufschuhe, Stand-Up-Kabarett und über das Tourleben als Vater.

Mit dem Titel „No Sports!“ deines neuen Programms spielen Sie natürlich auf Reinhold Beckmanns frühere, erfolglose Sat-1-Talkshow gleichen Namens an, oder?

Moses W.: Nein, die kenne ich gar nicht! Natürlich ist damit das berühmte Zitat von Winston Churchill gemeint. Wobei man eigentlich gar nicht weiß, auf welche Frage das damals die Antwort gewesen sein sollte. Vielleicht, wie er gedenkt, den Krieg zu gewinnen? Es ist übrigens gar nicht belegbar, ob er diesen Satz tatsächlich gesagt hat – das Zitat ist nur in Deutschland bekannt. Auf keiner englischsprachigen Internetseite ist er zu finden.

Aber ganz generell gesprochen: Was ist denn gegen ein wenig Sport einzuwenden?

Gar nichts! Es geht mir auch gar nicht darum, den Sport zu verteufeln, sondern welche Ausmaße diese Freizeitbetätigung manchmal annimmt. Der Ausrüstungswahn zum Beispiel trägt zuweilen absurde Züge: Rentner etwa, die sich zum Fahrradfahren eine Rennfahrersonnenbrille umschnallen und sich in enge Buchsen zwängen... Das sieht schlimm aus! Oder diese Masse an Laufschuhen, die sich heute unübersichtlich in den Regalen stapeln: Früher haben einfach ein paar Turnschuhe gereicht.

Na ja, aber spezielle Laufschuhe sollen ja auch besser für die Füße sein.

Das ist genau der Quatsch, der uns die Sportindustrie einreden will. Solcherlei technischen Spielereien mögen für Leistungssportler relevant sein. Und manchmal nicht einmal für die: 1996 hat sogar ein Teilnehmer eines Marathons gewonnen, der barfuß gegangen ist! So gut können Laufschuhe also gar nicht sein. Ich habe für das Programm viel recherchiert, habe zum Beispiel diverse Laufratgeber gelesen. Dabei habe ich herausbekommen, dass da auch nur das drinsteht, was einem im Grunde auch der gesunde Menschenverstand bereits sagt.

Zum Beispiel?

Dass man sich nicht überanstrengen soll, zwei Mal die Woche ein Stündchen laufen ist völlig ausreichend, viel mehr kann sogar ungesund werden. Und dass die meiste Ausrüstung schlicht überflüssig ist.

Stand-Up-Kabarett statt Comedy

Was stört Sie an dem, was Sie „Ausrüstungswahn“ nennen?

Moses W.: Einerseits klagen wir alle, dass kein Geld da ist, andererseits lassen wir uns nur zu gerne von der Werbeindustrie weismachen, dass unser Rad scheiße ist, weshalb wir uns unbedingt ein neues anschaffen müssen.

Das klingt, als gehen Sie in die Richtung Educational Comedy eines Eckart von Hirschhausens oder eines Vince ...

Nein, ich bin ja kein Wissenschaftler. Ich nehme nur den Blickwinkel ein, den jeder andere von der Straße auch haben kann. Aber tatsächlich bewege ich mich weg vom klassischen Comedy-Begriff, hin zum Stand-Up-Kabarett.

Und da ist der Unterschied genau welcher?

Bei Comedy kommt es darauf an, möglichst knallig einen Gag zu platzieren. Kabarett ist gesellschaftlicher, tiefgründiger. Das „Stand-Up“ setze ich davor, weil ich nicht nur einen fertig verfassten Text in einer vorgegebenen Inszenierung vortragen will. Ich möchte auch Platz für spontane Interaktion mit dem Publikum behalten.

Sie sind seit drei Jahren Vater einer kleinen Tochter... Hat sich das Leben auf Tour seitdem für Sie verändert?

Schon. Ich überlege mehr, ob sich ein Auftritt auch wirklich für mich lohnt. Ich muss nicht mehr zu jeder Mixshow fahren, weil ich an dem Ort noch nie war. Ich schau mehr danach, ob da auch Kohle bei herumspringt. Immerhin bin ich jetzt mit drei Programmen unterwegs: Neben dem neuen spiele ich auch noch mein altes Programm „Er Sie Ex“. Außerdem gebe ich zum zweiten Mal mein Weihnachtsprogramm „Mach Platz! Ich mach Plätzchen!“ Das habe ich übrigens letztes Jahr im Sommer geschrieben – schon ein ziemlich seltsames Gefühl, wenn man sich mitten im Juli über Weihnachtsbäume und Lebkuchenduft Gedanken machen muss.

Bleibt da noch Zeit, um selbst Sport zu treiben?

Ja, ich jogge ab und zu, versuche, möglichst viele Wege mit dem Rad zu erledigen und hin und wieder gehe ich auch ins Fitnessstudio. Alles in höchst mittelmäßigen und unaufgeregten Bahnen – so, wie es gesund sein soll.

Gordon K. Strahl



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