Miriam Roth hilft den Armen in Namibia

Am Montag, 13. Juli 2015, packt Miriam Roth ihre Koffer für die Reise nach Namibia. Mutter Katja vermisst sie jetzt schon.
Am Montag, 13. Juli 2015, packt Miriam Roth ihre Koffer für die Reise nach Namibia. Mutter Katja vermisst sie jetzt schon.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Miriam Roth hilft den Armen in Namibia: Das wird ein Abenteuer, aber kein Abenteuer-Urlaub für die junge Frau aus Essen-Katernberg.

Katernberg..  Miriam Roth hat das Abi in der Tasche. Die Schulzeit am Nord-Ost-Gymnasium ist zu Ende. Was nun? Die 18-Jährige weiß schon länger, was sie will – und was nicht. „Ich wollte kein ,work and travel’ machen und nicht als Au-Pair arbeiten“, sagt die junge Frau mit der modernen Brille. Drei Wochen am Strand ist aber auch nicht ihr Ding. Miriam Roth geht mit „weltwärts“ für ein Freiwilligenjahr nach Namibia, genauer gesagt, in ein Armenviertel der 43 000-Einwohner-Stadt Swakopmund am Atlantik.

„Dass ich ins Ausland gehen wollte, stand schon länger für mich fest“, sagt die 18-Jährige. Namibia sei sehr faszinierend und extrem vielseitig – kulturell wie klimatisch. Gespannt ist Miriam Roth, die sich mit Büchern und im Internet auf das Abenteuer vorbereitet hat, auch auf die noch vorhandenen deutschen Relikte aus der Kolonialzeit. Hauptsprache wird aber Englisch sein. „Und mit der Zeit lerne ich hoffentlich auch ein paar Begriffe aus den Stammessprachen.“

Als sie von dem entwicklungspolitischen Freiwilligendienst „weltwärts“ des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) hört, macht sie sich schlau. Eine der so genannten Entsendeorganisationen ist das Jugendrotkreuz. Sie fährt zu einem Auswahlseminar in Münster – und wird angenommen. „Dabei hat sicherlich mein soziales Engagement mit den Ausschlag gegeben“, vermutet die Abiturientin, die sich in der evangelischen Gemeinde und im Franz-Sales-Haus betätigt.

Ein knappes Jahr über 8000 Kilometer fern der Heimat. So weit war Miriam Roth noch nie von Zuhause weg. Kommt da nicht jetzt schon Heimweg auf? Im Zeitalter von Mail und Skype reiße der Kontakt nach Katernberg ja nicht ganz ab. „Ich will das Jahr trotzdem dort verbringen. In den 24 Urlaubstagen, die ich haben werde, will ich das Land erkunden“, erzählt Miriam. Weihnachten im Sommer, das habe sie auch noch nicht gehabt. Ein kleiner Trost: Ihre Familie (Mutter Katja, Vater Stefan, Bruder Tobias), die sie bei ihrem Vorhaben unterstützt, erwägt, sie Ostern 2016 zu besuchen. Ganz ohne Kontakt zu Deutschen wird Miriam Roth bis dahin in Swakopmund aber nicht sein. Eine junge Frau aus der Nähe von Osnabrück wird zur selben Zeit im selben Township ihren Freiwilligendienst leisten. Welche Aufgaben auf die beiden Deutschen zukommen werden, wissen sie noch nicht. Das Community Center ist Anlaufstelle für etwa 10 000 Bewohner des Townships. Das Center umfasst einen Kindergarten, Bildungsangebote und eine Brückenschule, die zurzeit 50 Kinder vorbereitet, wieder in eine normale Schule eingegliedert zu werden. „Ich werde da mithelfen, wo ich gebraucht werde.“

Die empfohlenen Impfungen hat Miriam Roth erhalten. Am 7. September hebt der Flieger in Frankfurt Richtung Windhuk mit Zwischenlandung in Johannesburg ab. Ein spannendes Jahr liegt vor der 18-Jährigen. Ein Abenteuer, kein Abenteuer-Urlaub. Mit einem Blog will sie die Daheimgebliebenen, insbesondere ihre Unterstützer (siehe Kasten), auf dem Laufenden halten.

Wie es danach weitergehen soll, weiß die selbstbewusste junge Frau schon: mit einem Lehramtsstudium der Sonderpädagogik.