Marcus Freitag bleibt dem Jugendblasorchester treu

Marcus Freitag.
Marcus Freitag.
Foto: WAZ
Mit 16 trat Marcus Freitag dem Schönebecker Jugendblasorchester bei, spielte elf Jahre dort Saxophon. Heute, mit 48, leitet er den Förderkreis.

Schönebeck..  „Man hat mich gefragt“, antwortet Marcus Freitag auf die Frage, warum er vor gut drei Monaten den Vorsitz des Fördervereins beim Schönebecker Jugendblasorchester übernommen habe. Er lacht. Man habe einen Ehemaligen gesucht, der seine Kinder dort habe und dazu noch gut reden könne.

Ein Anforderungsprofil, das wie maßgeschneidert für den 48-Jährigen erscheint, der hauptberuflich als Polizeiseelsorger im Bistum Essen und als Dozent für Ethik an der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung tätig ist. Mit 16 Jahren trat er dem 1959 gegründeten Verein bei. Von 1982 bis 1993 spielte er in dem Orchester Saxophon und machte Konzertreisen nach Israel, USA, Russland oder Finnland mit. „Und reden kann ich als Dozent auch ganz gut.“ Der Verein wird vielfach in der Familie von Generation zu Generation „weiter gereicht“. Marcus Freitags Mutter gehörte lange dem Vorstand an. Seine Tochter (12) spielt Querflöte, sein Sohn (9) Schlagzeug – beide natürlich im Verein.

Vereinseigene Musikschule

Das „Jugendblasorchester“ ist streng genommen nur jene etwa 50-köpfige Gruppe der bis 25-jährigen, die auf höchstem Niveau spielen, die „Großen“. In der Regel durchlaufen musik-begeisterte und -talentierte Kinder zuvor das Vorstufen-Orchester („SJB-Kids“) und das Nachwuchsorchester (12 bis 16 Jahre). Bei entsprechendem Talent ist aber auch vorher schon ein Wechsel zu den „Großen“ möglich. Der Verein stellt nahezu kostenfrei Instrumente zur Verfügung und bildet an seiner Musikschule mit hoch qualifizierten Lehrern aus. „Zurzeit sind Querflöte und Schlagzeug groß in Mode“, sagt Marcus Freitag. Das „tiefe Blech“ ist bei den jungen Leuten im Augenblick nicht so gefragt. So kommt es, dass der momentan einzig vorhandene Tubaspieler in zwei Formationen aktiv ist, wenn es seine Zeit zulässt. Bei den bis 25-Jährigen blieb in letzter Zeit aber bei Proben und Konzerten hin und wieder der eine oder andere Platz frei. „Ich würde nicht sagen, dass wir ein Nachwuchsproblem haben. Es ist vielmehr so, dass die Zeit der Musikerinnen und Musiker durch Schule und Studium begrenzt ist. Bei vier Konzerten an einem Wochenende, wie zuletzt, kann da nicht jeder immer mitmachen“, erklärt Marcus Freitag. Dem Schönebecker Jugendblasorchester geht es aber gut, sagt der 48-Jährige. Ein sichtbares Zeichen ist die geplante Erweiterung der „Notenkiste“ von vier auf sechs Proberäume, die dank Sponsoren bald in Angriff genommen werden soll. „Ohne Spenden und Stiftungsgelder wäre vieles bei uns nicht möglich“, weiß Marcus Freitag. Die Reisen nicht und auch nicht der bezahlte Unterricht.

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Das Repertoire des Orchesters ist breit gefächert und reicht von Sinfonischer Blasmusik, über Swing und Filmmusiken bis Gershwin-Melodien. Die Wurzeln – 1959 waren Ehrenamtliche aus Bürgerschützenvereinen die Gründungsväter – haben die Blasmusiker nicht vergessen. Bei Schützenfesten in Dellwig, Schönebeck oder Borbeck gehören sie zum Inventar. „Sie können sowohl den Ausmarsch der Schützen wie das Konzert im großen Sinfoniesaal“, sagt Marcus Freitag.

Soziales Engagement

Zum Selbstverständnis des Vereins gehört auch, dass man sich sozial engagiert. Dazu gehören zum Beispiel Konzerte im Franz-Sales- oder im Bodelschwingh-Haus. Kostenlos versteht sich. 2015 gab es für das soziale Engagement aus der Hand von Bundestagspräsident Norbert Lammert den Ehrenamtspreis „Hand in Hand“.

Marcus Freitag selbst holt sein Saxophon nicht mehr so oft hervor, um darauf zu spielen. Eher schon mal die Gitarre. „Ich bin früher im Orchester auch mehr der ,Barde’ gewesen, der unterwegs auf Reisen mit der Gitarre für Stimmung sorgte.“