Lucky und Sputnik berühren Seelen von Demenzkranken

Die Nähe zu den Ponys weckt Erinnerungen.
Die Nähe zu den Ponys weckt Erinnerungen.
Was wir bereits wissen
Im Haus Berge in Borbeck erfreuen Therapiepferde die Bewohner. Die Nähe zu den ausgebildeten Zirkusponys weckt Erinnerungen.

Borbeck..  „Da steht ein Pferd auf dem Flur“, ruft Esther Losada überrascht, als sie den schwarzen Mini-Shetti-Hengst Lucky im Flur der Tagespflege und –betreuung Haus Berge in Borbeck erblickt. So ungewöhnlich sich das anhört, so sehr sind Auftritte dieser Art Routine für die beiden Ponys. Das Seniorenstift, in dem Esther Losada wohnt, bekommt regelmäßig Besuch der ausgebildeten Zirkusponys.

Tierische Therapeuten

Ende Mai reisten sie im Hänger zu den Gästen der Tagespflegeeinrichtung Haus Berge an der Laarmannstraße und sorgten hier für eine willkommene Abwechslung. Sie ließen sich in den Kreis der Gäste führen und präsentierten dem begeisterten Publikum kleine Kunststücke. Die Möhrenstückchen zur Belohnung nahmen sie ganz vorsichtig von den Händen der Senioren. „Wie weich die Nüstern sind“, schwärmt Esther Losada und blickt Lucky beim Streicheln tief in die dunklen Augen.

So machen die beiden „tierischen Therapeuten“ ihre Runde, bleiben mal hier und mal da stehen, stupsen Hände an, um hinterm Ohr gekrault zu werden, sich mit den Fingern durch die Mähne fahren zu lassen, besänftigende Worte zu hören.

Als alle Gäste strahlen, scheinen Lucky und Sputnik zu wissen, dass sie ihren Job aufs Beste erledigt haben. Sie haben Seelen berührt, was Tiere ja ohne Worte so gut können.

Wenige Tage später feierten die Tagespflegegäste mit ihren Angehörigen den neu gestalteten Garten der Einrichtung. Was für eine Freude, als plötzlich erneut Hufgeklapper ertönte. Max und Moritz, die beiden etwas größeren Ponys vom Haus Berge, kutschierten die Gäste durch den Garten. Bei so viel positiver Resonanz stand schnell fest, dass dies nicht der letzte tierische Besuch gewesen sein soll.

Die Tagespflege und –betreuung Haus Berge ist eine Einrichtung speziell für Menschen mit Demenz und anderen gerontopsychiatrischen Erkrankungen. Hier weiß man, dass man viele Wege der Kommunikation ausprobieren muss, wenn Krankheiten und speziell demenzielle Erkrankungen den Menschen daran hindern, seine Erinnerungen auszudrücken und der Betroffene sich mehr und mehr in sein „Inneres“ zurückzieht. Die Basale Stimulation, also das Ansprechen der Sinneskanäle wie Hören, Schmecken, Riechen, Sehen und Fühlen, kann den Zugang zu dem Schatz der Erinnerungen ermöglichen. So erinnert der Geruch der Ponys oder das typische Hufgeklapper vielleicht an die Kinderzeit, als der Milchmann mit dem Pferdekarren kam.

An solche Erlebnisse, die den Demenzerkrankten tief berühren, können sie sich noch längere Zeit erinnern.