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Schulpolitik

„Lieber in Glas und Steine statt in Kinder investiert“

30.06.2010 | 19:57 Uhr

Nordviertel.Die Tage der Tiegelschule sind gezählt. Ab dem Schuljahr 2011/2012 siedelt die Schule zur Beisingstraße über. So will es der Rat der Stadt, der am Mittwoch mit seiner Entscheidung der dritten Stufe des Grundschulentwicklungsplans folgte.

Erst vor zwei Wochen feierte die Tiegelschule ihr 100-jähriges Bestehen. Nun verliert sie ihren angestammten Platz im Nordviertel und die Menschen im Quartier einen wichtigen sozialen Bezugspunkt.

Die derzeit knapp 120 Schüler sollen künftig am Standort der ehemaligen Hauptschule Beisingstraße gemeinsam mit denen der Nordviertelschule das „Haus des Lernens“ bilden. Jennifer Dewar, Klassenpflegschaftsvorsitzende der Tiegelschule, ist enttäuscht: „Ich finde es traurig, dass die Stadt offenbar lieber in Glas und Steine statt in unsere Kinder investiert. Unser Protest vor dem Essener Rathaus ist wohl ungehört verhallt.“

Ihre Tochter Mayline besucht derzeit die erste Klasse. Bislang trennte sie ein Fußmarsch von knapp zehn Minuten vom Klassenzimmer. Künftig wird die Siebenjährige eine halbe Stunde unterwegs sein - mindestens. Allerdings immer vorausgesetzt, sie bleibt auf der Schule. Schon jetzt bemühen sich ihre Eltern um Alternativen. „Das verkürzt zwar nicht den Schulweg, doch dafür ist das Umfeld besser“, erklärt Jennifer Dewar.

Sollten weitere Schüler ihrem Beispiel folgen, könnte dies gravierende Auswirkungen auf die Qualität des Unterrichts haben. Mittelfristig plant man an der Beisingstraße vierzügig. Sollte die Schülerzahl aufgrund von Abmeldungen sinken, drohen der 1a und 1b der Zusammenschluss. Die Schülerzahl würde von aktuell 18 auf über 30 steigen.

So weit will Beate Abugu, seit drei Jahren Schulpflegschaftsvorsitzende der Tiegelschule, nicht gehen. Sie will ihre Tochter Alisha im nächsten Jahr an der Beisingstraße einschulen lassen. Jedoch nur deshalb, „weil ich das Lehrerkollegium kenne und von dessen Qualität überzeugt bin.“

Ein Kommentar der Schulleitung blieb aus. Rainer Klatt, Rektor der Tiegelschule, war gestern - trotz größter Bemühungen - nicht zu erreichen.

Michael Heiße

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