Leibesübung mit Schockwirkung

Simulation einer Raucherlunge durch das Atmen nach Belastung durch einen Strohalm. Auf dem Foto Schüler Tristan. Foto: Knut Vahlensieck / Funke Foto Services
Simulation einer Raucherlunge durch das Atmen nach Belastung durch einen Strohalm. Auf dem Foto Schüler Tristan. Foto: Knut Vahlensieck / Funke Foto Services
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Am Don-Bosco-Gymnasium führen Studenten die Folgen des Rauchens vor.

Essen-Borbeck..  „Na, wem ist denn schon einmal eine Zigarette oder eine Shisha-Pfeife angeboten worden?“, fragt Larissa Dams in die Runde, und ein gutes Drittel der 32-köpfigen Schülerschaft erhebt sich von den Stühlen. Gar nicht so wenig, wenn man bedenkt, dass es sich hier um Achtklässler handelt, die wohl maximal 14 Jahre alt sind. Doch genau darum ist das Team der Medizinstudenten der Universität Duisburg-Essen zum Don-Bosco-Gymnasium gekommen: Aufklärung im kritischen Alter.

„Wir haben Euch viel Info-Material über die Gefahren des Rauchens mitgebracht. Aufhören ist sehr schwierig, am besten, Ihr fangt gar nicht erst an“, hatte Studentin und Organisatorin Claudia Kurek noch rund eineinhalb Stunden zuvor im Auditorium der Schule die drei 8. Klassen des Gymnasiums begrüßt, bevor ein gruseliger Anti-Raucher-Film über die Leinwand flimmerte und es dann in den Klassenunterricht ging.

Doch vorher mussten sich die Mädchen und Jungen die Bilder ansehen, die man weder als Raucher noch als Nichtraucher sehen möchte: Raucherlungen oder von Krebs befallene Zungen. Noch eindrucksvoller ein Film, den Medizinstudenten der Berliner Charité mit Patienten gedreht haben und in dem Letztere von ihren schaurigen Krankheitsgeschichten berichten.

„Wir haben leider keine Patienten mitbringen können, weil sie nicht fit genug waren“, berichtet Claudia Kurek, die mit der Ruhrlandklinik in Kontakt steht. Schon einmal war sie mit dem Material der Initiative „Aufklärung gegen Tabak“, der Verein wird im Wesentlichen von Medizinern getragen, in ihrem alten Gymnasium in Borbeck. Außerdem besuchten die Studenten bereits das Altenessener Leibniz-Gymnasium und die Frida-Levy-Gesamtschule in der Innenstadt. „Wir würden das gerne ausbauen, meh

Der Verein Aufklärung gegen Tabak

r Studenten an mehr Schulen schicken“, sagt sie.

Dafür opfern sie und ihre Mitstreiter ihre spärliche Freizeit, die Initiative ist ehrenamtlich. „Aber es ist wichtig. Mein Vater raucht selbst, und ich weiß, wie schwierig es ist, aufzuhören“, berichtet Claudia Kurek. Bei den Schülern stößt sie regelmäßig auf offene Ohren. Shisha-Pfeifen und E-Zigaretten sind auch in jungen Jahren schon Thema. Und wenn sie einen Katheter zeigt, den man mitsamt Exkrementen nach einer Darmoperation möglicherweise mit sich herumtragen muss, dann schaudert schon der eine oder andere.

„Jetzt macht Ihr bitte alle 15 Mal die Hampelmann-Turnübung und dann versucht Ihr, Luft durch einen Strohhalm zu bekommen – so ungefähr fühlt es sich an, wenn die Lunge nicht mehr vollständig funktioniert“, fordert Claudia Kurek „ihre“ Klasse auf. Denn auch am eigenen Leib sollen die Schüler etwas erfahren – damit sie gar nicht erst mit etwas anfangen, womit sie vielleicht nie wieder aufhören.