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Kulturmesse.

Kultur des Essener Nordens in all ihren Facetten

21.10.2012 | 14:02 Uhr
Kultur des Essener Nordens in all ihren Facetten
Die Theatergruppe Ruhrpott Revue zeigte Auszüge aus dem Stück „Kumpel Anton genießt die Rente“.Foto: Olaf Fuhrmann

Altenessen.   Die zweite Auflage der Kulturmesse zeigte Nachdenkliches, Amüsantes und vor allem, dass der Norden eine Menge zu bieten hat.

Links geht es nach Spanien, rechts in Praktikum. Nach oben führt der Weg nach Hollywood, nach unten zu Hartz 4. So zeigt es der Wegweiser auf der Bühne im Maschinenhaus der Zeche Carl. Acht junge Schauspieler des Jugendtheaterprojektes „Studio-Bühne“ fragen sich in ihrem gleichnamigen Stück „Wo stürmst du hin?“. Es ist eine von fünf Inszenierungen, die am Samstag anlässlich der Kulturmesse Essener Norden gezeigt wurden.

Die Darsteller tragen Sportkleidung, sind immer auf dem Sprung, jederzeit bereit, loszustürmen und den richtigen Weg zu finden. Am Limbecker Platz haben sie vor der Aufführung Menschen gefragt, wofür sie auf die Straßen gehen würden. Aus dem Hintergrund ertönen die Stimmen der Interviewten, deren mutmaßliche Gestik bei ihren Antworten stellen die Schauspieler süffisant dar. „Gegen solche Sachen wie Atomkraft oder Nationalsozialismus oder so“, „für die Legalisierung von Marihuana“, „eigentlich für nichts“ lauten die Reaktionen. In ihrem Stück, das sie zum Teil selbst geschrieben, zum Teil mit Auszügen aus Werken wie Goethes „Die Leiden des jungen Werther“ gespickt haben, spiegeln sie die Unentschlossenheit der jungen Generation wider. Mit sehr viel Eindringlichkeit und Talent zeigen sie, was es bedeutet, als die Jugendlichen aufzuwachsen, die keine Hippies sind, keine Babyboomer, die keinen Namen haben und deren Umfeld „so frei ist, dass illegal schon fast wieder legal ist“.

Das war die ernste Seite der Kulturmesse. Den amüsanten Teil lieferte die „Ruhrpott-Revue“, die Theatergruppe des Kulturnetzes Essener Norden. Sie zeigte Auszüge aus „Kumpel Anton genießt die Rente“. Ein Kiosk, wie man ihn aus fast jeder Essener Straße kennt, „Unsere Bude anne Ecke“ nennt ihn die Revue. Hier treffen sich die „Ruhris“, der Jugendliche mit Sonnenbrille und weiter Hose, der Rentner, der RWE-Fan ist. Unter der Leitung von Bodo Roßner, Organisator der Kulturmesse, stellt die 18-köpfige Truppe die Unbeschwertheit der Menschen aus dem Revier dar, dort, wo „dich keiner fragt, was du hast oder bist“, wie sie in einem ihrer Lieder singen. „Im Essener Süden findet die Hochkultur statt und wir wollen zeigen, welche Kultur wir haben“, sagt Roßner. Nach den Konzerten am Freitag waren die Inszenierungen am zweiten Abend der dreitägigen Messe, die eigentlich eher ein Festival ist, eine wunderbare Gelegenheit, den Essener Norden ein bisschen besser kennenzulernen.

Linda Heinrichkeit



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