Klaus Waldburg zeigt die anderen Saiten der Zither

Klaus Waldburg an der Zither.
Klaus Waldburg an der Zither.
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Was wir bereits wissen
Die Zither wird in erster Linie mit Volksmusik in Verbindung gebracht. Klaus Waldburg zeigt, dass es auch anders geht.

Schönebeck..  Klaus Waldburg sitzt lässig in Jeans und Hemd auf einem Hocker vor dem kleinen Holztisch. Darauf liegt die Harfenzither – 1958 von Adolf Meinel in Sachsen aus edlem Rio-Palisander gebaut und mit Schellack überzogen. Klaus Waldburg drückt die Finger der linken Hand auf das Griffbrett mit den fünf Saiten. Die rechte streckt er in Richtung der 40 sogenannten Freisaiten. Und dann beginnt der 68-jährige pensionierte Betriebswirt zu spielen. Wer nun alpenländische Folklore erwartet, liegt falsch. Das klingt wie, äh? Richtig. Klaus Waldburg spielt „Here, there and everywhere“ von den Beatles, um danach seine Version der „Spanischen Romanze“, eines Gitarrenklassikers, folgen zu lassen. „Ich bin kein Schlager-Fuzzy“, sagt er und schaut lächelnd von seinem Instrument auf.

Klaus Waldburg, geboren in Oberhausen-Sterkrade und seit 1973 in Essen wohnend, kommt aus einem musikalischen Elternhaus. Die Schwester spielte Klavier, der Vater Klavier und Cello. Ab dem sechsten Lebensjahr soll Klein-Klaus auch den Umgang mit weißen und schwarzen Tasten erlernen. „Mein Vater war sehr streng. Da hatte ich irgendwann keine Lust mehr drauf“, erinnert sich der 68-Jährige an den Wechsel zur Zither. Das „Klavier des kleinen Mannes“ ist damals noch ein weit verbreitetes Instrument im Ruhrgebiet. Mit 15 folgt das erste Konzert mit einem klassischen Werk. Klaus Waldburg spielt bis 1982 in einem Oberhausener Verein. Dann beginnt er seine Solo-Karriere, die schnell Tempo aufnimmt. Konzerte bundesweit – und darüber hinaus. Bei einem Auftritt in Zürich lernt er eine japanische Diplomaten-Gattin kennen, die auch Zither spielt. Eine folgenreiche Begegnung. Die Japanerin lädt ihn zu Konzerten in ihr Land ein. Dreimal reist der Essener ins Land der aufgehenden Sonne, spielt in schwarzem Anzug und Fliege u.a. vor über 3000 Zuhörern in der Suntory Hall, wo einst auch Herbert von Karajan am Pult stand.

Üben muss Klaus Waldburg nicht mehr jeden Tag. Vor Konzerten tut er es trotzdem. Das Zither-Spiel verlangt eine gewisse eine Kraft. Und Hornhaut auf den Fingerkuppen. „Wenn ich vierzehn Tage zum Tauchurlaub war, geht erst mal nix mehr“, sagt er.

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Traurig stimmt den Rentner, dass das Zither-Spiel allmählich ausstirbt. Von einstmals fünf Vereinen gibt es in Essen längst keinen mehr. Es fehlt an Nachwuchs. Klaus Waldburgs Schüler, die er regelmäßig unterrichtet, sind zwei Herren im gesetzten Alter. „Ab Herbst will aber ein junger Mann, der Instrumente von seiner Oma geerbt hat, anfangen.“ Ein Lichtblick.

Wenn es gewünscht werde, sagt Klaus Waldburg, spiele er natürlich das „Harry-Lime-Thema“, das durch den Film der „Der dritte Mann“ weltberühmt wurde. Dieses „Wirtshaus-Vibrato“, wie er es nennt, ist aber eigentlich nicht sein Fall. Zum Beweis zeigt Klaus Waldburg zum Abschied noch einmal sein wahres Gesicht. Der Queen-Fan, der alle Platten der britischen Kultband besitzt und die Band mit Sänger Freddie Mercury mehrfach live erlebte, greift noch einmal in die Zither-Saiten. Heraus kommt „We are the champions“. Dass man so etwas überhaupt auf der Zither spielen könne, werde er oft staunend nach Konzerten gefragt.

Klaus Waldburg kann.