Klaus Schroer ist der Putzteufel aus Gerschede

Klaus Schroer ist bei gutem Wetter mit dem Fahrrad zu seinen Kunden unterwegs.
Klaus Schroer ist bei gutem Wetter mit dem Fahrrad zu seinen Kunden unterwegs.
Foto: Michael Korte
Was wir bereits wissen
Klaus Schroer ist der Putzteufel aus Gerschede. Vor knapp 15 Jahren machte er sich mit dem Geschäft selbstständig – als Ein-Mann-Betrieb.

Bedingrade..  Klaus Schroer hängt den gelben Eimer mit dem Baumarktschriftzug über den Lenker seines Fahrrades, packt Putzmittel und Abzieher in die Satteltaschen und tritt in die Pedale. Der nächste Kunde wartet.

Seit knapp 15 Jahren ist der 51-Jährige von Gerschede aus als Ein-Mann-Firma unterwegs, putzt Fenster und Flure und Treppenhäuser, privat und gewerblich. Bei gutem Wetter fährt er mit dem alten Damenrad („Das klaut wenigstens keiner“), im Winter ist er mit dem Auto unterwegs. Gelernt hat der gebürtige Rheder Altenpfleger. „Ich habe das gerne gemacht. Aber irgendwann ging es nur noch schnell, schnell, schnell. Das bringt den alten Menschen nichts, aber mir auch nicht.“ Im Arbeitsamt sieht er einen Aushang, der die Selbstständigkeit preist. Der Zettel weckt sein Interesse. „Ich habe dann ein Gründerseminar an der Wirtschaftsschule besucht“, erzählt der Mann, dessen Haare zu einem prächtigen Pferdeschwanz zusammengebunden sind. Zuerst macht er sich im August 2000 als Fußpfleger selbstständig. Wenig später nimmt er noch eine halbe Stelle bei einer Putzfirma dazu.

Der Wunsch nach Selbstständigkeit ist aber stärker. „Ich habe immer schon mein Ding gemacht. Früher, in der Schule, war ich auch kein Mannschaftssportler.“ Klaus Schroer hört bei der Firma auf, lässt eine Schamfrist vergehen und meldet selbst ein (Putz-)Gewerbe an. Ein Schritt, den er bis heute nicht bereut. „Ich bin alleine, habe meine Ruhe – und der Schmutz kommt immer wieder“, sagt er. Nur zu Beginn verteilt er Flyer. Danach geht alles über Mundpropaganda. Und der Laden läuft. „Ich habe viele Stammkunden und bin praktisch ausgebucht, obwohl ich keine Werbung mache und keine Homepage habe. Zurzeit kann ich keine neuen Aufträge annehmen.“ Jemanden einzustellen, daran hat Klaus Schroer angesichts der Fülle der Aufträge auch schon mal gedacht. Versuche scheiterten aber in der Praxis schon nach kurzer Zeit.

Viele interessante Gespräche

Der 51-Jährige ist sein eigener Chef. Das heißt nicht, dass er nach Lust und Laune arbeiten kann. „Verlässlichkeit ist ein entscheidender Faktor“, schreibt er allen, die mit dem Gedanken spielen, sich auch selbstständig zu machen, ins Stammbuch. Es gibt Wochentage, an denen er vier bis fünf Stunden unterwegs ist, aber auch welche, an denen abends erst um 21.30 Uhr Feierabend ist. Reichtümer kann und will er auch gar nicht anhäufen. „Ich brauche keinen Benz oder muss dreimal im Jahr in Urlaub fliegen. Meine Frau und ich haben unser Auskommen. Wir können davon leben. Und wir haben Zeit, zu leben.“ Das Schöne an seiner Arbeit sei auch, dass er, während er putze, auch mal mit den Kunden ein Pläuschchen halten könne. Da seien schon viele interessante Gespräche dabei gewesen.

Wie viele Kunden er habe, will ich wissen. Klaus Schroer denkt nach. Jedes Jahr zu Weihnachten backen er und seine Frau Plätzchen, verpacken sie liebevoll in Tüten und bringen sie den Kunden als kleines Dankeschön. Ein Dankeschön für solche, zu denen er nur einmal im Monat geht und solche, bei denen er öfter putzt.

„Beim letzten Mal waren es 150 Tüten.“