Kettensägen bestellen das Baufeld
08.02.2012 | 19:14 Uhr 2012-02-08T19:14:00+0100
Karnap.Im Jahr 2017 – so die Planung – dürfen die Städte an der Emscher aufatmen. Dann will die Emschergenossenschaft den 51 Kilometer langen Abwasserkanal zwischen Dortmund und Dinslaken in Betrieb nehmen. Spätestens dann gehört die „Köttelbecke Emscher“ endgültig der Vergangenheit an. Zwar starten die eigentlichen Bauarbeiten auf Essener Stadtgebiet aller Voraussicht nach erst im kommenden Jahr, die Vorbereitung des künftigen Baufeldes an der Karnaper Straße beginnt jedoch schon jetzt. Die Fläche wird gerodet.
Was als Ergebnis der Anstrengungen zu erwarten ist, ist bekannt. Die übel riechende Schmutzbrühe wird unter die Erde verbannt und der oberirdische Flußlauf fortan nur noch sauberes Wasser führen – erstmals seit mehr als 100 Jahren. In Karnap spielt sich der Bau des Abwasserkanals wie folgt ab: Die Emschergenossenschaft erstellt an zwei Standorten nördlich der Emscher im Bereich Karnap Baugruben, aus denen heraus der Kanal im unterirdischen Vortrieb gepresst wird.
Die größere dieser beiden Baugruben ist auf dem Gelände des RWE-Heizkraftwerks verortet und wird 20 Meter tief sein. Der Durchmesser liegt bei 13 Metern. Die zweite Grube, östlich der Karnaper Straße, am Parkplatz vor dem Emscherpark ist ebenso tief, fällt allerdings im Durchmesser drei Meter kleiner aus. In beiden Gruben werden Kanalrohre mit einem Durchmesser von 2,80 Meter verlegt.
Der „Bauabschnitt 31“ des Projekts steht unter Leiter von Wulf Himmel, der von einem halben Dutzend Mitarbeitern nach Karnap begleitet wird. „Die Rodungen haben bereits jetzt begonnen, da sie wegen des Nistschutzes gesetzlich nur bis Ende Februar erlaubt sind“, erklärt Himmel. Außerdem wolle man diese vorbereitende Baumaßnahme frühzeitig vom Tisch haben. In Herten beispielsweise fielen die Bäume schon vor zwei Jahren, obgleich es bislang noch keinen festgeschriebenen Zeitplan gibt. Je früher die Vorarbeiten also abgeschlossen sind, desto größer wird der zeitliche Spielraum für die Planer.
Nach derzeitigem Planungsstand beginnen die tatsächlichen Bauarbeiten in Karnap also frühestens im Jahr 2013. Bis dahin tut sich auf Essener Stadtgebiet erst einmal nichts, da die Emschergenossenschaft in der Zwischenzeit an etlichen anderen Stellen zwischen Dortmund und Gelsenkirchen aktiv ist.
Der Essener Teil des „Abwasserkanals Emscher“ ist zirka 2,5 Kilometer lang und endet im Westen am derzeit entstehenden Pumpwerk an der Stadtgrenze Essen/Bottrop. Von dort wird das Abwasser später nach oben gepumpt und zur Reinigung in die Kläranlage Emscher-Mitte hinter der Essener Stadtgrenze geschickt. Für das mächtige Pumpwerk wurde bereits ein riesiges Loch ausgehoben – 40 Meter im Durchmesser und 50 Meter tief. Dagegen wirken die Baugruben an der Karnaper Straße beinahe zierlich. Aus östlicher Richtung kommt der Kanal aus Richtung Gelsenkirchen in Essen an.
Auf seiner gesamten Länge von 51 Kilometern – zwischen Dortmund und Dinslaken – wird der „Abwasserkanal Emscher“ mitsamt seiner insgesamt drei Pumpwerke im Jahr 2017 in Betrieb genommen. Danach heißt es für die Emscher endlich: Abwasserfreiheit. Klares und sauberes Wasser fließt dann durch die Emscher. Gestank wie heute wird es dann definitiv nicht mehr geben.
Strenger Frost ist kein Hindernis
Mit Bagger und Kettensägen im Gepäck rücken Projektleiter Wulf Himmel und seine Mitarbeiter nach Karnap aus. Gilt strenger Frost als „natürliche Bremse vieler Bauarbeiten, kommt das kalte Wetter der Rodung sogar entgegen. Bei klirrender Kälte um minus sechs Grad Celsius lassen sich die Bäume und Sträucher sehr gut schneiden, da das Holz deutlich spröder ist. Damit die Bäume nicht unkontrolliert fallen, kommt der Bagger zum Einsatz. Dieser packt die Stämme und biegt sie in eine vorbestimmte Richtung. Erst danach kommt die Kettensäge zum Einsatz. Ein weiterer Vorteil dieser eher ungewöhnlichen Methode: Die gefällten Bäume können so nach dem Schnitt noch dirigiert und auch sofort abtransportiert werden. Dies spart Zeit und dient der Sicherheit.
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