„Keine Notfallpraxis in Borbeck? Schrecklich!“

Notfallpraxis Borbeck , Patientin Jaqueline Kleinfeld wird von Dr. Erich Maly behandelt , / Funke Foto Services
Notfallpraxis Borbeck , Patientin Jaqueline Kleinfeld wird von Dr. Erich Maly behandelt , / Funke Foto Services
Foto: WAZ
Was wir bereits wissen
Patienten sind von den Plänen der Kassenärztlichen Vereinigung, die Notfallpraxis Borbeck zu schließen, entsetzt.

Borbeck..  Gestern Morgen gab es für Reza Choochani nur einen Weg – den zur Toilette. Der „Dünnpfiff“ nahm dem 39-Jährigen Neu-Studenten die Chance, an der Uni seine Klausur zu schreiben. „Ich konnte noch nicht einmal zum Arzt gehen“, erzählt er. Als er sich mittags wieder vor die Tür wagen konnte, war er froh, sich in der Notfallpraxis „um die Ecke“ im Philippusstift Medikamente verschreiben zu lassen. „Für mich war das wirklich ein Notfall“, stöhnt er.

Schmuckloser Warteraum im Gang

Gestern Nachmittag in der Notfallpraxis der 63 Borbecker Ärzte. Durch den Nebeneingang erreicht man einen schmucklosen Gang. Hier stehen 15 Stühle mit braunem Plastikbezug. Seit gut einer Stunde hat die letzte Arztpraxis im Essener Westen geschlossen. Jetzt warten bereits zehn Patienten, dass Dr. Erich Maly, der heutige Notarzt, sie nach und nach herein ruft. So wird es bis um 7 Uhr am nächsten Morgen gehen.

Für Jacqueline Kleinfeld aus Bedingrade kommt der Ruf des Arztes gerade recht. „Ich habe Rücken“, sagt sie. Seit zwei Tagen schon zwickt es, aber gestern Mittag wurde es richtig schlimm: „Es ist wohl eine Entzündung.“ Jetzt wird es Zeit, dass sich ein Arzt um sie kümmert. „Denn ich habe am Donnerstag eine Fortbildung in Bad Bentheim. Da kann ich nicht eine Stunde lang mit dem Auto hinfahren.“ Weil die Arztpraxen geschlossen sind, ist die Notfallpraxis ihre Rettung: „Für mich ist sie ideal, weil sie einfach um die Ecke liegt.“

Von der Zusammenlegung mit dem Marienhospital hat sie gelesen – und ist entsetzt. „Altenessen? Das wäre schrecklich! Ich hätte heute doch keine Lust gehabt, sieben Stunden in der Notambulanz im Krankenhaus zu sitzen“, sagt die Heilerziehungshelferin offen.

Alle Parteien sind sich in ihrem Protest einig

Ohne seine Chefin säße Daniel Knaup jetzt nicht in der Notfallpraxis. Als er mittags plötzlich ein Stechen in der Brust spürte, stand für sie fest: „Du gehst jetzt zum Notarzt oder ins Krankenhaus!“ Gesagt, getan für den Fahrer eines Sanitätshauses: „Weil ich aus Borbeck bin, bin ich hierhin gefahren.“

Übrigens: Von dem Aus wären neben der hauptamtlichen Praxismanagerin sowie dem ärztlichen Fahrdienst auch rund 30 Arzthelferinnen betroffen. Als Angestellte der Ärzte verlören sie ihren Nebenverdienst. Auch deshalb suchen die Ärzte um Geschäftsführer Dr. Jörg Schmeck nach einer anderen Organisationsform.