Keine Angst vorm AngriffSelbstbewusstsein
12.09.2007 | 14:17 Uhr 2007-09-12T14:17:41+0200Kampfkunst im Julius-Leber-Haus soll Selbstbewusstsein stärken. An zehn Abenden lernen Jugendliche "Wing Tsun". Körperliche Stärke kein Muss. Kampfsport der Nonnen lässt durch Geschick und Schnelligkeit Gewaltsituationen heil überstehen
SCHWERPUNKT JUGENDHÄUSERKray. Selbstbewusstsein durch Selbstverteidigung kündigt der "Wing Tsun"-Trainer Marco Rosenkranz für sein Kampfkunst-Programm im Julius-Leber-Haus an. An 10 Terminen können Jugendliche ab 14 Jahren die asiatische Kampftechnik kennen lernen. Dabei ist "Wing Tsun" eine Unterart des "Kung Fu" und in Deutschland recht unbekannt.
Ursprünglich soll es von Nonnen entwickelt worden sein. Weniger Kraft ist gefragt, sondern Schnelligkeit und richtige Reaktionen. Mädchen sind deswegen beim Kurs herzlich willkommen. Vorkenntnisse im Kampfsport sind weder erforderlich noch hinderlich. "Am wichtigsten ist die Motivation", erklärt Marco Rosenkranz. "Regelmäßiges Training ist wichtig."
Willkommen sind alle Jugendlichen, die mehr Mut und Vertrauen in die eigenen Kräfte gewinnen wollen. Wer Sicherheit sucht, bei einem plötzlichen Angriff nicht mehr wehrlos zu sein, findet im "Wing Tsun"-Kurs Kampftechniken für den Direkteinsatz. Während beim Training für "Kung Fu" oder "Karate" eher Wert auf die Wettkampfsituation gelegt wird, geht es bei "Wing Tsun" immer um die spontane Situation.
Jugendliche, die kein allzu großes Vertrauen in ihre Kräfte haben, werden erstaunt sein, wie viel in ihnen steckt. "Viele unterschätzen sich selbst, haben Angst vor Schmerzen und wissen gar nicht, wie viel sie eigentlich aushalten können", erklärt Marco Rosenkranz. Genau diese Angst vor dem Ungewissen werden die Kursteilnehmer nach und nach abbauen.
Wer Techniken des "Wing Tsun" beherrscht, lässt sich von einem plötzlichen Angriff nicht mehr schrecken. Die ersten Schläge kommen immer überraschend, da ist es wichtig, richtig zu reagieren. In seinen Übungsstunden bringt Marco Rosenkranz den jungen Kämpfern zuerst bei, alte Verhaltensmuster abzulegen: Die instinktiven Schutzhaltungen verringern zwar die Angriffsfläche, machen aber auch bewegungsunfähig. Bei "Wing Tsun" jedoch bilden Arme und Beine einen Verteidigungsring um den Körper. Der Gegner kommt kaum an sein Angriffsziel heran. Dank solcher Techniken baut sich im Training nach und nach die Fähigkeit zur Selbstbehauptung auf.
Dabei ist Selbstbewusstsein Grundlage der Kampfkunst. Wer "Wing Tsun" erlernt, muss sich zunächst mit seinem Körper, seinen Kräften und Fähigkeiten auseinander setzen. "Man glaubt gar nicht, wie viel Überwindung es kostet, einfach nachzugeben und sich fallen zu lassen", sagt Rosenkranz. Er selbst musste in seinen frühen Trainingsstunden erst lernen, seine Kräfte nicht für den bloßen Angriff einzusetzen, sondern auch mal einzustecken um die Energien des Gegners für den eigenen Rückschlag zu nutzen.
Darum geht es bei "Wing Tsun" - aus wenigen Mitteln viel machen. Die fünf Grundpositionen sind schnell erlernt. Es gibt nur wenige Kampfgriffe, die aber zeigen Wirkung. So ist die Kampftechnik für spontanes Lernen geeignet. Erste Erfolge stellen sich schon nach wenigen Übungen ein. Marc Rosenkranz selbst trainiert "Wing Tsun" schon seit fast zehn Jahren, hat Kurse an der Universität Duisburg-Essen gegeben.
Jetzt gibt er sein Wissen an Jugendliche weiter. Er selbst hat seine Technik unter Anleitung von Sifu Kerim Avci verfeinert. Der "Wing Tsun"-Lehrer vermittelt sein Wissen auch den Spezialkräften der Polizei für ihre Einsätze.
In zehn Wochen lernen Jugendliche im Julius-Leber-Haus nicht nur Grundtechniken der Kampfsportkunst "Wing Tsun". Sie erwerben durch das Kampftraining auch vermehrt Selbstbewusstsein. Furcht vor gefährlichen Situationen wird geringer, da die Jungen und Mädchen nicht länger hilflos ausgeliefert sind. Allein dieses Wissen ändert das Auftreten.
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